Der uralte letzte Schrei

Pöstler, Gangster und eine Frauenrechtlerin fuhren schon vor über 100 Jahren mit motorisierten Trottinetten herum.

Der Zeit voraus: Die Frauenaktivistin Lady Norman (1884–1964) fährt auf ihrem Motor-Scooter in London zur Arbeit. (ca. 1916, Paul Thompson/FPG/Archive Photos/Getty Images)

E-Scooter, diese Trottinette für Faule, welche zurzeit die Metropolen dieser Welt fluten und für noch mehr Gehässigkeiten im Verkehr sorgen, sind, bis auf die Bauweise des Motors, gar keine neue Erfindung. Bereits Anfang des letzten Jahrhunderts waren Pöstler in New York versuchsweise mit benzinbetriebenen Trottis der Firma Autoped Company of Long Island City unterwegs. Auch Gangster sollen die wendigen und schnellen Zweiräder geschätzt haben, um vor der Polizei zu fliehen. In Deutschland wurden die Gefährte von Krupp produziert. Einfach zu fahren waren diese Roller jedoch nicht, was möglicherweise mit ein Grund war, warum dem Ur-Scooter der kommerzielle Durchbruch nicht wirklich gelang. Zu den bekanntesten Motor-Trottinett-Fahrerinnen gehörte zweifelsohne die Frauenrechtsaktivistin (Suffragette) Florence Norman, welche die neue Erfindung von ihrem Mann geschenkt bekam und damit durch London kurvte.

Expresslieferung: US-Pöstler posieren auf ihren Scootern. (ca. 1915, Underwood Archives/Getty Images)

Miss Gladys Ross sitzt auf einem weiterentwickelten Modell des Motor-Rollers, das fast mehr an ein Moped erinnert. (undatiert, Hulton-Deutsch Collection/CORBIS/Corbis via Getty Images)

Platz für zwei: Die US-amerikanische Flugpionierin Amelia Earhart Putnam (links) fährt mit ihrer Flugschülerin June Travis auf einem Motor-Scooter. (undatiert, Getty Images)

Zu schnell: Verkehrspolizist Leo Brandt büsst Motor-Scooter-Fahrerinnen. (undatiert, Getty Images)

Eintrichtern: Ein junger Deutscher tankt sein Moto-Trotti. (1938, Heinz Fremke/ullstein bild via Getty Images)

Los gehts: Die Schauspielerin Eleanore Whitney wird auf ihrem Motorglyde sitzend von Kollege Robert Cummings angeschoben. (undatiert, Hulton Archive/Getty Images)

Schall und Rauch: Mit Zigarette im Mund brettert ein Motor-Scooter-Fahrer durch eine deutsche Stadt. (ca. 1920, Alfred Gross/Ullstein Bild via Getty Images)

Gruppenbild mit motorisiertem Trottinett. (1919, Topical Press Agency/Getty Images)

17 Kommentare zu «Der uralte letzte Schrei»

  • Mischa Bärli sagt:

    So ein Segway ist so ein Fortschritt. Dort sind die Räder nebeneinander, man muss irgendwie die Balance halten, und es fahren damit immer zwei Polizisten harmonisch zweimal zweispurig gemeinsam den Kontrollgang durch.

  • Santiago Girardbille sagt:

    Herr Fuchs, bike kommt von bicycle, was Zweirad heisst. Elementary my dear Olivier…

  • Erich Suter sagt:

    E-Trottinetts, E-Bikes oder E-Boards sind eine super Alternative für Stadtfahrten. Zusammen mit dem ÖV könnte der Verkehr besser bewältig werden – die Autos müssten aber Platz freigeben. Schöner Nebeneffekt bessere Luft für Fußgänger und Stadtbewohner.

  • Alexander sagt:

    und klären sie uns doch bitte auf, was der rückschritt bei der elektrifizierten mikromobilität sein soll? keine 1.5t blech und mehrere quadratmeter verschwendete bodenfläche?

  • Olivier Fuchs sagt:

    Jetzt weiss ich endlich, warum auf Amerikanisch dasselbe Wort für zwei verschiedene Gefährte gebraucht wird: scooter für Trottinett und Roller. Warum bike ein Velo sein kann, aber auch ein Töff, weiss ich immer noch nicht.

    • Gerhard Engler sagt:

      Bike bedeutet Zweirad

    • Fabienne Sand sagt:

      Bicycle (engl. Abkürzung Bike) Zusammengesetztes Wort aus dem Präfix bi für zwei und dem Wort cyclos (Rad), also Zweirad.

    • Thomas Jobs sagt:

      @ Olivier Fuchs:
      ganz einfach: Velo = pushbike und Töff = motorbike, wobei bike das Kürzel für bicycle (= Zweirad) ist.

    • Stef sagt:

      Ein Töff ist ein „Motorbike“, nur wird der Begriff meist zu „Bike“ abgekürzt.
      Ein Velo hingegen ist ein „Bicycle“, auch dies wird meist zu „Bike“ abgekürzt.

      Weshalb in Deutschland hingegen das Motorrad von vielen Fahrern als „Moped“ bezeichnet wird, ist auch mir nicht klar. Soll vermutlich lustig sein. Ist es auch, wenn man es das erste Mal hört, beim hundertsten Mal definitiv nicht mehr.

      • kofinas sagt:

        Ganz einfach deswegen:
        Das Moped (Lehnwort aus dem Schwedischen, ein Kofferwort aus den schwedischen Wörtern motor und pedaler)[1] wurde am 23. Januar 1953 vom Verband der Fahrrad- und Motorrad-Industrie (VFM) festgelegt, nachdem das Wort bei einem Preisausschreiben gesucht wurde.[2] Das kleine Motorfahrrad, ein- oder zweisitzig, auf 50 cm³ Hubraum begrenzt, sollte mit Pedalen zum Starten des Motors und mit Rücktrittbremse ausgestattet sein.

    • Thomas Jobs sagt:

      @ Olivier Fuchs:
      das ist ganz einfach: Velo = pushbike und Töff = motorbike, wobei bike das Kürzel für bicycle (= Zweirad) ist.

    • Klugscheisser sagt:

      Bike entstammt dem Wort bicycle (Zweirad, Velo). Als der Motor in den USA dazukam, hängte man logischerweise ‚motor‘ vornedran. Amis haben eine Schwäche für Kürzel, darum wurde aus ‚motorbicycle‘ das ‚bike‘.

    • Jessas Neiau sagt:

      Das „bi“ in bicycle bzw. kurz bike steht Lateinisch für zwei, cycle steht für den Kreislauf – es handelt sich einfach um die zwei hintereinander angeordneten Räder dieser einspurigen Gefährte. Ganz gleichgültig ob von Menschen oder Motoren betrieben.

    • Meieriesli sagt:

      Weil beide zwei Räder und einen Sattel zum drauf sitzen haben, was sie zum bicycle macht. Mit drei Rädern ist es ein trike, von tricycle.

  • Mark Rist sagt:

    Der Autor hat hier ganz offensichtlich etwas verwechselt: Die damaligen Trottinett-Fahrer/innen waren der Zeit angepasst unterwegs. Die heutigen jedoch haben einen gewaltigen Rückschritt (sic!) gemacht. Absolut nix mit fortschrittlich!

Kommentar

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