Das Weltall zum Üben

Fast 400’000 Kilometer trennen uns vom Mond. Der Weg vom Kosmischen zum Komischen ist einiges kürzer.

Ein schwarzes Loch: Modell des Raumgleiters HL-10 im Windkanal. Langley Research Center, 1963.

Klar, es gibt hier Heldentum und Abenteuer, Wagemut und Forscherdrang; grosse Tragödien und noch grössere Triumphe. Aber etwas anderes gibt es auch noch, wenn Menschen Ernst ­machen mit der Idee, die Erde zu verlassen. «Der Weltraum umfasst das Erhabene ebenso wie das Lächerliche. Und er lässt die Trennlinie zwischen beidem verschwinden», schreibt die Wissenschaftsjournalistin Mary ­Roach. In ihrem Buch «Packing for Mars» blickt sie hinter die Kulis­sen des Astronautengewerbes, und was sie dort entdeckt (zu ihrem grossem Vergnügen), sind beispielsweise Trainings für den Umgang mit den Tücken gravitations­freier Toi­let­ten. Auch wenn der Mensch Raumschiffe baut: Er selber ist eben nicht fürs Leben dort draussen gemacht. Das All stellt jede Normalität infrage, und genau darum ist es nur ein kleiner Schritt vom Kosmischen zum Komischen.

Das demonstrieren auch die Bilder aus dem Inneren jener Organisation, die vor bald fünfzig Jahren die ersten Menschen auf den Mond gebracht hat. Das sechs Kilo schwere Imponierbuch «Das Nasa-Archiv» erzählt nun zwar mit Pathos und mehr als vier­hundert Fotos die bekannte Geschichte von der Eroberung neuer Horizonte. Doch im frei zugänglichen Archiv derselben Nasa findet man noch ganz andere Szenen. Das Modell eines Raumgleiters vor dem schwarzen Loch des Wind­kanals (1963), die Performance eines schub­verstärkenden Triebwerks (1946), schliesslich die Aufhängung, die die Schwerkraft beim Gehen mondgerecht reduziert (1963) – das ganze Unter­fangen, das All zu besuchen, ohne die Erde zu verlassen, zeitigt laufend neue Merkwürdigkeiten. Und manchmal gar filmreifen Slapstick. ­Zugleich ist es in seiner Absur­dität einnehmend schön. «Jede eini­germassen fortschrittliche Technologie», so hat es Arthur C. Clarke einmal gesagt, der nicht nur Science-Fiction betrieb, sondern auch praktikable Astrophysik, «ist von Magie nicht zu unterscheiden.»

Wunderbare Performance: Ingenieure testen I-40, ein Staustrahltriebwerk. Flight Propulsion Research Laboratory, Cleveland, 1946.

Üben für den Moonwalk: Die Aufhängung an der Decke verkleinert die Schwerkraft beim Gehen auf ein mondgemässes Sechstel. Reduced Gravity Walking Simulator, Langley Research Center, 1963.

Navigieren mit dem Mondmodell: Nasa-Pilot im Simulator namens Lola, Lunar Orbit and Landing Approach. Langley Research Center, 1962.

Fliegende Untertasse? Das obere Ende eines zwanzig Meter hohen Vakuumtanks, eben benutzt für den Test eines Ionentriebwerks, nun gereinigt durch die Techniker. Electric Propulsion Laboratory, Lewis Research Center, Cleveland, 1961.

Alles tendiert zur Kugel: Die Sonde Explorer 24, entwickelt zur Erforschung der obersten Atmosphärenschichten. Langley Research Center, 1964.

Grosse Klappe: Sieben Meter Durchmesser hat das Pendelventil des Überschallwindtunnels. Lewis Research Center, 1956.

Frisch geliefert: Das Gehäuse des Variable Density Tunnel, eines Windkanals zur Simulation unterschiedlicher Luftdichten, bei seiner Ankunft in Langley, 1922. Vorgängerorganisation der 1958 gegründeten Nasa war das Naca, das National Advisory Committee for Aeronautics, das Grundlagenforschung für die Luftfahrt betrieb.

Spielplatz Mond: Die Apollo-11-Astronauten Buzz Aldrin (links) und Neil Armstrong üben die Entnahme einer Bodenprobe. 1969.

Alles massgeschneidert: Probegüsse der Astronautensitze für die Raumkapseln der Mercury-Missionen. Langley, 1959.

Am Fallschirm zurück zur Erde: Modell der Mercury-Kapsel im vertikalen Windkanal. Langley Research Center, 1959.

Drei, zwei, eins: Saturn-I-Rakete vor der aerodynamischen Erprobung im Windkanal, 1963.

Jetzt andocken: Simulator für die Koordination zwischen Mondfähre und Kommandokapsel in der Umlaufbahn des Monds. Langley Research Center, 1969.

Mit einem Pneu zu den Sternen: Entwurf einer aufblasbaren Raumstation. Langley, 1961.

Alles dran? Eine Raumsonde des Pioneer-Programms vor der Fertigstellung. 1959.

xl-nasa_archives-cover_01176

Das Nasa-Archiv online

 

Der Bildband: Piers Brizony u. a.: Das Nasa-Archiv. Taschen, Köln 2019.

468 Seiten, etwa 140 Franken. Bilder aus dem Buch gibt es hier.

 

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.