Auf Bilderjagd

Der Künstler Michael Tummings porträtiert Jäger und erkennt im ritualisierten Töten von Tieren Parallelen zu seinem Schaffen.

Der zumeist fotografisch arbeitende Künstler Michael Tummings (*1966 in London) schafft mit seinen Jägerporträts und Jagdszenen, die er in ganz Europa mit seiner Grossformatkamera auf Film festgehalten hat, eine Typologie eines alten Berufes, einer romantisierten Freizeitbeschäftigung und dem ritualisierten Töten von Wildtieren. Zugleich begreift er es aber auch als Gleichnis zur Fotografie und sieht sich selbst und seine Praxis somit in einer gewissen Seelenverwandtschaft. Auf den zweiten Blick steckt deshalb aber eben auch eine gehörige Portion Kulturkritik in seinen Arbeiten. Der in München lebende Fotograf mit jamaikanischen Wurzeln betrachtet hier neugierig mit seiner Kamera eine exklusive europäische Subkultur und präsentiert uns Bilder einer exotisch anmutenden Welt. Und obwohl es …

… in gewisser Weise eine geschlossene Gesellschaft ist, bekommt Tummings doch immer wieder Zugang, porträtiert auf Augenhöhe die Menschen, denen er hier begegnet, begleitet sie auf ihren Streifzügen durch Europas Wälder und nimmt an ihren tradierten Riten teil – einfühlsam und doch mit dem nötigen kritischem Abstand. Und so sagt er selbst, «Meine Fotografien reflektieren auch die europäische Tradition des Jagdgemäldes, in dem häufig eine soziale Elite dargestellt wird. Als Fotograf stosse ich als Aussenseiter auf diese Gruppe, doch meine Arbeitsweise spiegelt die meiner Sujets. Da ich mit einer 5×4-[Zoll]-Analogkamera arbeite, muss meine Fähigkeit, den wesentlichen Moment einzufangen und im Bild wiederzugeben, ebenso wohlbedacht und gleichzeitig intuitiv sein wie die Begegnung des Jägers mit dem Wild. In diesem Sinn wird die Beziehung zwischen dem unmittelbaren Geschehen und der historischen Tradition von Fotograf und Sujet geteilt.»

 

Hermannstadt26 002

Die Ausstellung «Hidden» in der Zürcher Buchhandlung Never Stop Reading (Spiegelgasse 18 / Untere Zäune)
zeigt vom 4. Mai bis 2. Juni 2018 einen Ausschnitt aus der gleichnamigen Publikation von Michael Tummings (Kehrer 2017) und präsentiert damit erstmals in Zürich eine der spannendsten und komplexeren Positionen in der aktuellen Fotografie.
Michael Tummings wird an der Vernissage (Freitag, 4. Mai ab 19 Uhr) zugegen sein.