Feinstaub wegen Silvesterfeuerwerk?

Viel Rauch um Feinstaub: Feuerwerk über Zürich zum Neujahr 2018. Foto: Christian Merz (Keystone)

Sie hören zurzeit viel zur Feinstaubproblematik beim Silvesterfeuerwerk. Dabei ist alles halb so schlimm. Bezeichnenderweise hören Sie kaum etwas zum 1. August.

Aber von vorn: Damit sich Dreck in der Luft ansammelt, muss die Schichtung in der unteren Atmosphäre stabil sein. Am grusigsten wird es, wenn unten eine dünne Kaltluftschicht ist, aus der nichts entweichen kann, und drüber ein warmer Deckel. Normalerweise, wenn in der Atmosphäre alles richtig läuft, ist es unten am wärmsten und wird nach oben kälter. Dann wird Dreck einigermassen zügig nach oben verteilt – deswegen nennen wir das Phänomen mit dem dünnen, kalten Deckel unten Inversion (deren oberes Ende praktischerweise oft auch die Nebelobergrenze ist).

Auch das Bafu bleibt cool

Im August sind solche Inversionen selten nach langen warmen Tagen. Kaltluftseen bilden sich meist nur in Alpentälern, dafür muss es windstill und klar sein. Bis sie richtig wirksam werden, ist es später in der Nacht. Ganz anders jetzt. Im Winter sind ruhige Inversionslagen an der Tagesordnung (wenn es nicht stürmt, schifft oder schneit), weshalb es in der Schweiz einen Riesenunterschied gibt zwischen der Luftqualität im Sommer und im Winter.

Die Kessellage des Mittellandes zwischen Jura und Alpen hilft nicht beim Erzeugen von Durchzug. In vielen Tourismusorten ist man jeden Tag dankbar, dass die kantonalen Ämter wissen, wo man die Luftmessstationen lieber nicht hinstellt, um den Tourismus wegen der Feinstaubwerte nicht zu halbieren: Die Feinstaubwerte in Schweizer Alpentälern sind vor allem am Wochenende bei entsprechender Wetterlage auf chinesischem Niveau.

Aus genau all diesen Gründen kommt es auf das Silvesterfeuerwerk nicht so sehr an, und das Bundesamt für Umwelt (Bafu) lässt es bei einer Empfehlung bewenden, «zurückhaltend» zu sein. Diese Einschätzung ist korrekt, weil das Feuerwerk nur wenige Stunden andauert und nur bei sehr ungünstigen Wetterlagen der Feinstaub tagelang lästig ist. Wir haben zwar diesmal eine windschwache Wetterlage mit leichter Inversionslust um Mitternacht, aber spätestens am 2. Januar ist alles verdünnt und weggeweht, was mit dem Silvesterfeuerwerk zu tun hat.