Mit Trockenbohnen und Dosentomaten in den Brexit

Welttheater

Alles, was sich gut konservieren lässt, ist momentan in den Supermärkten Grossbritanniens besonders gefragt. Foto: Simon Dawson (Getty Images)

Von Panikkäufen muss man ja nicht gleich reden. Eher nebenher stocken britische Familien neuerdings ihre Vorräte auf. Hier und da legt man ein paar Dosen oder Flaschen extra in den Supermarkt-Trolley. «Man kann ja nie wissen», murmeln Nachbarn, wenn sie vom Einkaufen kommen. Mehl, Pasta, Reis, Linsen wandern daheim in die Schränke. Ebenso Kaffee, Tee, Tomatenmark, Schokolade, Olivenöl.

Grund für die vorsorgliche Einlagerung ist der kommende Brexit. Nur noch sieben Monate sind es in diesem August ja bis zum EU-Austritt. Und der nationale Bauernverband hat just prophezeit, dass den Briten nächstes Jahr die Lebensmittel ausgehen könnten, so kein reibungsloser Warenverkehr mehr garantiert sei über den Ärmelkanal.

Brexit-Minister Dominic Raab seinerseits hat die Supermärkte im Vereinigten Königreich aufgefordert, für den Fall eines Scheiterns der Austrittsverhandlungen mit der EU zusätzliche Vorräte anzulegen (was ihm den Titel «Minister für Sardinenbüchsen und Kondensmilch» eingetragen hat). Prompt tauschen nun Pessimisten auf der Insel in den sozialen Medien und in Leserbriefen Gedanken aus.

Ein paar Flaschen Wein als «kleiner Luxus»

In einem sind sich alle einig. Gewiss, meinen sie, könne man kein «chronisches Problem» beheben. Aber auf Engpässe, auf eine Zeit möglicher Hamsterkäufe könne man sich vorbereiten. Also deckt sich, wer so denkt, schon jetzt mit allerlei Grundnahrungsmitteln und, wo es die Haushaltskasse erlaubt, mit ein paar kontinentalen Spezialitäten ein.

Von Corn Flakes bis zu getrockneten Bohnen, von Corned Beef bis Thunfisch und Dosensuppen reicht die Einkaufsliste. Spaghetti, Tomatenpaste, Gewürze, zusätzliche Wasservorräte gehören dazu. Ein paar Flaschen Rioja lagert ein, wer auf den «kleinen Luxus» von jenseits der Grenzen nicht verzichten möchte. Aber auch WC-Papier, Streichhölzer, Kerzen und Arzneien werden gehortet. Bis beim Brexit der Schmerz nachlässt, muss man gerüstet sein.

Aus Blumengärten werden Gemüsebeete

Hört man es im Nachbarhaus in diesem Sommer hämmern, kann es gut sein, dass Extra-Regale angebracht werden. Der eine oder andere «Hoarder» denkt bereits daran, eine Verlängerungsschnur aus dem Haus in den Schuppen im Garten zu legen und dort eine kleine Gefriertruhe aufzustellen.

In der Truhe sollen idealerweise Obst und Gemüse aus eigener Produktion Aufnahme finden. Ganz im Geiste früherer Generationen haben Amateur-Gärtner angekündigt, dass sie ihre Blumengärten in Gemüsebeete verwandeln wollen. Manche ihrer Zeitgenossen sind dabei, das Brotbacken zu lernen, oder Grossmutters Einmachgläser vom Speicher zu holen.

Sollte es nicht zum Schlimmsten kommen, wollen sozial gestimmte Briten ihre Vorräte im nächsten Jahr an bedürftige Landsleute weitergeben. Ein Kommentator meinte jetzt spöttisch, es gehe ja auch nur darum, heil durch die Krise zu kommen, «bis die ersten Schiffsladungen mit amerikanischen Hühnchen bei uns eintreffen» – von EU-Vorschriften befreit und nach US-Art schön chlorgetränkt.

4 Kommentare zu «Mit Trockenbohnen und Dosentomaten in den Brexit»

  • Michael sagt:

    Anstatt mit den Briten gute Geschäfte zu machen, werden hier und woanders Tomaten tonnenweise vernichte. Das erkläre mir mal einer !

    • Pasadan sagt:

      Sorry aber der Brexit ist noch gar nicht passiert. Mit ihren Kommentar beweisen sie nur ihr nicht wissen. Auch nacher werden tomaten nach England versendet. Das Problem ist die Kühlkette Bzw. Die nicht mehr vorhandenen Lager. Da wird eben nicht mehr just in Time geliefert werden können.

  • Josef Meyer sagt:

    Die Franzosen werden weiterhin gerne ihren Champagner und Käse nach UK liefern wollen, ebenso die Italiener alle ihre Produkte, ebenso die Schweizer, ganz USA, ganz Südamerika, sowie Australien und Asien sind ebenfalls gerne bereit den Engländern ihre Waren zu verkaufen.
    Falls die EU die UK im Warenverkehr blockieren möchte, so ist das ganz einfach ein unfaires Verhalten. Aber ich denke, wer gibt schon gerne einen lukrativen Markt auf, schon gar nicht BMW, Volkswagen und Mercedes.

    • Bernd Oehler sagt:

      Mir scheint, Sie haben da was falsch verstanden. Die EU blockiert nichts, es ist das UK, das den freien Warenverkehr ohne Grenzformalitäten und Zölle nicht mehr will und dann halt mit den Folgen leben muss.

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