Hier stimmt die Chemie

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Kennen sich von früher: Mauricio Macri und Donald Trump. Fotos: Marcos Brindicci, Lucas Jackson (Reuters)

Es waren 15 Minuten. Am Montag der Vorwoche bekam Argentiniens Präsident den wohl wichtigsten Anruf seiner Amtszeit. «Hi, this is Donald», tönte es aus der Leitung, und schon der Duktus der ersten Sätze liess bei Mauricio Macri die seit der Wahlnacht ständig gestiegene Anspannung weichen. «Die Chemie stimmte», verkündete später erleichtert die Aussenministerin Susana Malcorra. Die Chemie stimmte noch. Trotz alledem.

Trump sei «durchgeknallt»

Argentiniens Präsident hat seinen internationalen Amtskollegen nämlich eine Erfahrung voraus: Er wurde bereits über-trumpt. 1984 kaufte der New Yorker Baulöwe ein Megaprojekt, für das die argentinische Unternehmerfamlie Macri zwei Jahre zuvor den Zuschlag bekommen hatte. 4300 Wohnungen und 20 Bürotürme wollte Franco Macri, der Vater des heutigen Präsidenten, auf ehemalige Eisenbahngründe am Hudson stellen, damals war das der grösste freie Baugrund in Manhattan. Doch Rückzieher von Banken und ein kapriziöser Juniorpartner bremsten den Deal, bis Trump kam, übernahm und baute.

Mauricio Macri, damals 24, musste in Vaters Auftrag mit Trump die Weitergabe aushandeln, diesen auf dem Golfplatz gewinnen lassen und ihm auf der Familien-Estancia Grillfleisch braten. Monatelang. Den Groll über dieses verlorene Geschäft vertraute Macri später einer Biografin an, einer TV-Journalistin erzählte er im Vorjahr freimütig, Trump sei «durchgeknallt». Zuletzt wünschte er sich mehrfach Hillary Clinton ins Weisse Haus. Und jetzt? Glaubt man der offiziellen Verlautbarung, dann ging es in den 15 Minuten um Weltläufe und zwischenstaatliche Befindlichkeiten. Und um die guten alten Zeiten mit Golf und Grillfleisch.

Alte Bauprojekte

Am Sonntagabend folgte die extraoffizielle Version, in Argentiniens meistgesehener Polit-TV-Show «Periodismo Para Todos»: «Macri sagte, dass Argentinien nun wieder Investoren freundlich begrüsse, worauf Trump anmerkte, dass sein eigenes 150-Millionen-Dollar Investment in den Maschen der Bürokratie von Buenos Aires festhänge», berichtete die Journalistin Romina Manguel, offenbar informiert aus Macris nächster Umgebung. Tatsächlich versucht Trump seit Jahren, an der Avenida 9 de Julio, der breitesten Strasse der Welt, einen 35-stöckigen Büroturm hochzuziehen. Seine lokalen Partner bekamen die Baugenehmigung nahe dem Obelisken, dem Wahrzeichen der Stadt, bereits 2007 erteilt. Doch dann bremsten die von Cristina Kirchner verhängten Devisenkontrollen den Bau. Und nun will das Stadtparlament das Genehmigungsverfahren nochmals aufziehen. Aber wer regiert die Stadt? Die Partei PRO, gegründet von Mauricio Macri.
Hat Trump im ersten offiziellen Telefonat also private Amtshilfe erbeten? Hat Tochter Ivanka, die nun Daddys Baukonzern mit leitet, und jetzt auch mit Macri sprach, noch ein paar Details nachgeschoben? Und hat Macri seine Hilfe zugesichert, womöglich um die zuvor angerichteten diplomatischen Scherben auszukehren? Nein, nein und nein antwortete der Sprecher des argentinischen Präsidenten. Was soll er auch sonst sagen, jetzt, wo die Chemie stimmt?

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