«Alles ist Bullshit»

epa05556695 An undated handout picture made avaliable by Caganer.com on 26 September 2016 shows 'caganers' figures of the White House Candidates, Hillary Clinton (L) and Donald Trump (R), and of US President Barack Obama, in Barcelona, Spain. 'Caganers' are representations of people doing their relieves which are placed in the Christmas nativity scenes. The new personalitites choosen as this year's 'caganers' are presented hours before of today's debate in the US. EPA/CAGANER.COM / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Egal wie die Wahl ausgeht, 2017 werde saumässig: Figuren von Hillary Clinton, Barack Obama und Donald Trump mit heruntergelassenen Hosen. Foto: Keystone

Er ist die graue Eminenz in Person. Ich kenne ihn seit Urzeiten, ohne jemals herausgefunden zu haben, was er wirklich treibt. Er ist ein Mann mit Verbindungen. Die Anonymität ist sein Milieu. Mit den Clintons ist er seit langer Zeit befreundet. Vor Jahrzehnten stellte er Bill und Hillary seinen Eltern vor. Er hat Bekanntschaften beim FBI und bei der CIA. Einmal bekam ich ein Interview mit einem Minister in Bill Clintons Kabinett innerhalb kürzester Zeit, nachdem die graue Eminenz mit dem Minister telefoniert hatte.

Er kiffte mit den Kindern von Präsident Gerald Ford, und ein CIA-Direktor meldete sich um zwei Uhr morgens telefonisch in einem Haus in Washington, das die graue Eminenz mit einem Freund von mir teilte. «Kannst du dir das vorstellen, mitten in der Nacht ruft der CIA-Boss an?», erzählte mir der Freund entgeistert.

Kürzlich meldete sich die graue Eminenz. Er wollte sein Herz ein wenig ausschütten. Vor allem nachdem sich FBI-Direktor James Comey neuerlich über Hillarys E-Mails hergemacht hatte, jene Mails, die auf einem Computer von Anthony Weiner und Huma Abedin gefunden wurden. Die graue Eminenz ist nicht weiter überrascht. Hillarys Entourage bestehe aus «schrecklichen Leuten», sagt er.

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«Ein Katholik irischer Abstammung mit sechs Kindern»: FBI-Direktor James Comey. Foto: Jonathan Ernst (Reuters)

Natürlich habe Abedin von den Mails auf Weiners Computer gewusst. Sie verneinte es. Die graue Eminenz hingegen sagt: «Hör’ mir bloss auf damit!» Comey finde die Clintons zum Abgewöhnen: «Der Typ ist ein Katholik irischer Abstammung mit sechs Kindern! Was glaubst du denn?»

Es sei gleichgültig, wie die Wahl ausgehe, behauptet die graue Eminenz: «Das ganze Land wird leiden.» Gewinne Hillary, werde sie angeklagt, sagt er: «Die FBI-Leute in New York können sie nicht ausstehen.» Die Clinton-Stiftung sei übrigens auch so eine Sache: «Schlechtes Management!».

Und Trump? «Wir werden ihn nie mehr los», seufzt die graue Eminenz. «Falls er verliert, wird er sofort einen Fernsehsender gründen, Trump-TV, mein Junge, das geht rund um die Uhr, Trump, Trump, Trump.» Er sagt das ohne Aufregung. Es ist eben so, wie es ist. Amerika, klagt die graue Eminenz, gehe vor die Hunde.

«Siegt Hillary» – was die graue Eminenz noch immer für wahrscheinlich hält –, «werden ihr die Republikaner im Kongress erbarmungslos nachstellen, und eine Untersuchung wird die andere jagen», sagt er. Nichts werde erledigt, alles versanden, überall Stillstand triumphieren. «Um von ihren Problemen abzulenken, fängt sie womöglich einen Krieg an», tönt es aus dem Telefonhörer. Es ist der grauen Eminenz ernst damit: «Ich sage nur Syrien!».

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«Wir werden ihn nie mehr los»: Donald Trump. Foto: Carlo Allegri (Reuters)

Und natürlich habe Trump einen Draht nach Moskau: «Das geht über einen Mittelsmann.» Statt Trumps Beziehungen zu Russland zu untersuchen, habe Comey versucht, Hillary anzuschwärzen. Weil ihm seine Agenten beim FBI Dampf gemacht hätten. «Die wollten Hillary schon im Sommer anklagen», sagt die graue Eminenz.

Selten habe ich ihn derart düster erlebt. «Alles ist Bullshit», resigniert er. 2017 werde saumässig. Ob ich noch immer mehrere Pässe habe? «Gut für dich», sagt die graue Eminenz. Es sei wohl am besten, sich nach der Wahl aus dem Staub zu machen. Dann verabschiedet er sich: «Bye, bis bald mal wieder.» Danach ist man völlig erschlagen. Nur noch Tage bis zur Wahl.

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