Der tragische Trump

US billionaire Donald Trump gestures in the sand dunes of the Menie Estate, on the Aberdeenshire coast, Scotland Thursday May 27, 2010, the location of his planned $1.5 billion Scottish golf resort. Protesters opposed to Trump's planned luxury resort say they've pulled a trick shot out of their bag. At the center of the plan is local fisherman Michael Forbes, who has long been an irritant to Trump. Forbes has refused the American tycoon's offer of nearly $700,000 (488,000 pounds) to buy his family's 23-acre run-down farm, which sits at the center of the planned resort. But Forbes has sold an acre of his land near Aberdeen to protesters who also disagree with Trump's plans _ a sale which will force the property tycoon to face down more than 60 people. (AP Photo/Andrew Milligan/PA Wire) ** UNITED KINGDOM OUT NO SALES NO ARCHIVE **

Probt seine Rolle als Hamlet: Donald Trump in den schottischen Dünen. Foto: Andrew Mulligan (Keystone)

Das Wahltheater strebt einem donnernden Höhepunkt zu. Es wird zur Oper. Die Götterdämmerung steht an, der Vorhang senkt sich, Hagen und Siegfried sind bereits tot. Trump hingegen reitet in den Sonnenuntergang, ein einsamer Hombre. «Patria, Muerte y el Honor de las Mujeres», stösst er noch einmal seinen alten Schlachtruf hervor: Das Vaterland, der Tod und die Ehre der Frauen!

Die alten Weggefährten sind sämtlich perdu: Francesco Franco, Alfredo Stroessner, Anastasio Somoza, Hugo Banzer. Trump aber reitet weiter, hinein in die verheerende Niederlage, die sich am Horizont ankündigt. «Die globale Machtstruktur» sei hinter ihm her, sagte er kürzlich in einer Rede in West Palm Beach. Er versteht sich als Märtyrer: »Die Pfeile und Schleudern ertrage ich für euch», versicherte er seinen Fans in West Palm Beach. Trump dockt bei Shakespeare an!

«Sein oder nicht sein; das ist hier die Frage:
Obs edler im Gemüt, die Pfeile und Schleudern
des wütenden Geschicks erdulden oder,
Sich waffnend gegen eine See von Plagen
Durch Widerstand sie enden?
Sterben – schlafen – nichts weiter!»
Hamlet

Wie der Däne ist Trump eine tragische Figur. Um ihn herum brennt es lichterloh. Er glaubt, die Präsidentschaftswahl sei ein gigantischer Betrug: «Im gesamten Land wählen illegale Einwanderer!» Sie stehlen Trump das Weisse Haus. Desgleichen den Präsidentenjet, eine stattliche Boeing 747. Den Koch. Den Rosengarten hinter dem Haus. Alles geht an Hillary.

Der Geist von Richard Nixon

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«Corned Beef und Spiegeleier»: Richard Nixon. Foto: Keystone

Wie wird Trump die Wahlnacht verbringen? Mit Hagen und Siegfried? Oder mit Hamlet? Vielleicht mit dem Geist von Richard Nixon? Dessen Ende kam zwar nicht in einer Wahlnacht, war jedoch höchst dramatisch, damals im August 1974, als er zum Rücktritt gezwungen wurde und alles verlor: das Weisse Haus, die Boeing – es war allerdings nur eine 707 –, den Butler, den Koch.

Bis in den frühen Morgen telefonierte Nixon in seiner letzten Nacht im Weissen Haus. Trump wird twittern in den Stunden nach der Niederlage. Paranoia wird ihn überwältigen. Ein wütender Hombre im Penthaus in Manhattan. Nixon begab sich im Morgengrauen barfuss in einem blauen Schlafanzug in die Küche. Ein Diener fragte, was es denn sein dürfe. «Corned Beef und Spiegeleier», sagte Nixon.

Was Trump wohl am frühen Morgen seiner Niederlage verzehren wird? Cornflakes? Einen Hamburger? Oder wird er zum Frühstück lediglich seine Erbitterung über eine Wahl hinabwürgen, die er verlor, weil sie manipuliert wurde? Von Hillary und den Medien? Den Bankern? Den Bilderbergern?

Wildwest-Klassiker Trump

«Wir gehen mit grossen Hoffnungen, in guter Verfassung und mit tiefer Bescheidenheit», hatte Nixon seinen Mitarbeitern zum Abschied gesagt. Wird Trump zum Abschied leise «Servus» sagen? Oder dass er ein Berliner sei? Schon möglich, dass Trump nichts sagt, sondern im Penthouse in Manhattan das Mobiliar zerlegt, dezent begleitet von den Rolling Stones: «You Can’t Always Get What You Want».

Schwer wird die Bürde des Verlierers auf Trump lasten. Womöglich sattelt ihm Pence den Gaul. Worauf Trump unerkannt in der Morgenröte über dem Hudson-Fluss hinüber nach New Jersey und weiter durch Arizona reitet wie einst der Hombre in Elmore Leonards Roman. Statt Präsident wird Trump zum Wildwest-Klassiker. Immerhin ein Trostpreis.

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