Lauter offene Ohren

Nashville spielt mit den Themen Heimat und Liebe: Schild über Robert's Western World.

Nashville spielt mit den Themen Heimat und Liebe: Schild über Robert’s Western World.

Nashvilles Bars am Broadway sind voll. Obschon es erst vier Uhr nachmittags ist. Aber der Tourismus füllt die Bars. In Robert’s Western World spielt eine prima Band Countrymusic, was sonst? Nashville ist Country. Nebenan bei Tootsie’s lärmt gleichfalls eine Band. Bis hinunter ans Ufer des Cumberland-Flusses reihen sich Restaurants, Spezialitätenläden und Honkytonk-Bars. Die Gäste sind überwältigend von weisser Hautfarbe. Country ist ihre Musik. Und sie sind überwiegend konservativ.

Als die Sängerin Natalie Maines von den Dixie Chicks 2003 George W. Bush kritisierte, implodierte die Karriere der Girls: Countryfans erklärten ihnen den Krieg, Countryradio spielte ihre Songs nicht mehr. Aber Country hatte schon immer auch eine populistische Komponente. «If we make it through December», sang Merle Haggard 1973 über die Arbeitslosigkeit. Vier Jahre später spielte Johnny Paycheck den Klassiker «Take This Job and Shove It» ein, eine Absage an einen Scheissjob.

Nashvilles Klientel ist empfänglich für Donald Trump und dessen Kritik am Freihandel. «Wir produzieren wirklich nichts mehr daheim», lamentiert Countrysuperstar Dirks Bentley. Die Stars, von George Strait bis hin zu Kenny Chesney, sind Republikaner, einige wie Loretta Lynn und Kenny Rogers unterstützen Trump. «Ich mag, was er sagt», sagte Rogers dem «Guardian».

Wie ein Rockstar: Trump signiert eine Gitarre vor dem Rocketown in Nashville, August 2015. Foto: Harrison McClary (Reuters)

Wie ein Rockstar: Trump signiert eine Gitarre vor dem Rocketown in Nashville, August 2015. Foto: Harrison McClary (Reuters)

Nashville spielt mit den Themen Heimat und Liebe, mit dem kleinen Glück und dem grossen Betrug. Ausserdem gibt sich Nashville gläubig. Die Kundschaft, vor allem im amerikanischen Süden und auf dem platten Land, ist es ebenfalls. Trumps sündiger Lebenswandel sowie seine unchristlichen politischen Positionen stören sie nicht. Zur Überraschung vieler Kommentatoren liefen besonders evangelikale Christen bei den republikanischen Vorwahlen massenweise zu ihm über.

Als Thomas McKenzie, ein evangelikaler Pastor in Nashville, im Februar auf seinem Blog Kritik an Trump übte, brach die Hölle los. «Ihr müsst ihn stoppen», hatte der Pastor seine Glaubensbrüder beschworen. Normalerweise bescherte ihm ein Blogeintrag mehrere Hundert Leser, McKenzies Ablehnung Trumps aber brachte ihm über eine Million Seitenabrufe ein. Viele davon waren unverschämt oder sogar drohend. Man habe «meinen Charakter» attackiert, so der Pastor.

Trump selbst hat mit Jesus nichts am Hut. Mit Country auch nichts. Seine Playlist wird von klassischem Rock dominiert, etwa «Brown Sugar» von den Rolling Stones oder Songs von Led Zeppelin. Und oft beginnen und enden seine Wahlkampfveranstaltungen mit den Hardrockern von Twisted Sister. «We’re Not Gonna Take It», «wir lassen uns das nicht bieten», rocken sie. Trumps Verwendung ihres Hits hat die Gruppe abgesegnet.

In Nashville wird es unterdessen dunkel, unvermindert spielen die Bands in den Bars. Die Besucher strömen hinein und hören zu, in der Hand ein Budweiser oder Miller. Als «White Soul» definierte der Soziologe und Theologe Tex Sample Countrymusic mit seinen Beschreibungen einfacher Leute und komplizierter Leben. Weit entfernt davon ist Donald Trump, Country aber schert es nicht. Wie alle republikanischen Präsidentschaftskandidaten seit Ronald Reagan wird auch Trump am Wahltag im November eine Mehrheit der Countryhörer hinter sich haben.

Nashvilles Klientel ist empfänglich für Donald Trump und dessen Kritik am Freihandel.

Nashvilles Klientel ist empfänglich für Donald Trump und dessen Kritik am Freihandel.

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