Deshalb ist Trump Trumpf

Die Show muss stimmen: Donald Trump spricht bzw. hustet vor Anhängern in Anaheim über Mitt Romney. Foto: Jonathan Ernst (Reuters)

Die Show muss stimmen: Donald Trump spricht bzw. hustet vor Anhängern in Anaheim über Mitt Romney. Foto: Jonathan Ernst (Reuters)

«Jeder Lügner und Ehrabschneider hat Tag und Nacht damit verbracht, meine Reputation zu zerstören», weinte 1824 der amerikanische Präsidentschaftskandidat und spätere Präsident John Quincy Adams. Der Mann missverstand die Natur der Präsidentschaftswahlen. Sie sind in erster Linie Entertainment: Donald Duck mit 8000 Atomsprengköpfen und zehn Flugzeugträgern. Der Rest ist Geschwafel. Und nur ein sauertöpfischer Pedant wie Mitch McConnell, der republikanische Mehrheitsführer im Senat, würde dem nicht zustimmen.

McConnell sagte neulich mit missbilligendem Blick auf Trump, der Einzug ins Weisse Haus erfordere «mehr als nur Entertainment für ein grosses Publikum». Das ist totaler Unsinn: Entscheidend für Sieg oder Niederlage ist der Unterhaltungswert der Kandidaten. Deshalb ist Trump Trumpf. Er unterhält blendend, im Gegensatz zu Hillary Clinton, die stets geschäftsmässig daherkommt und nie etwas sagen würde, worüber alle lauthals lachen. Sie ist eine Buchhalterin der Macht, wogegen Trump eine zündende Show mit pikanten Einlagen bietet.

Brot und Spiele: Trump weiss zu unterhalten, hier in Sacramento. Foto: Lucy Nicholson (Reuters)

Brot und Spiele: Trump weiss zu unterhalten, hier in Sacramento. Foto: Lucy Nicholson (Reuters)

Seine offizielle Nominierung zum republikanischen Kandidaten beim Parteitag in Cleveland wird deshalb alles Bisherige in den Schatten stellen. Sogar die Krönung Karls des Grossen 800 in Aachen wird dagegen verblassen. Er wolle einen «prächtigen Parteitag», der «brillant abläuft», sagte Trump neulich. Einer seiner Berater versprach, der Parteitag werde eine «grosse Sache» werden. Trump selber versprach «Showbizz» in Cleveland. Wie es sich für eine überlebensgrosse TV-Celebrity gehört.

Gewiss wird er seine Fans aus dem Lager der Entertainer anschleppen, Bewunderer wie Wayne Newton, Kid Rock, Dennis Rodman, Hulk Hogan und Loretta Lynn. Sie sind nicht mehr taufrisch, aber immerhin. Ausserdem möchte Trump seine grosse Rede – Gerüchte besagen, ihre Länge werde Fidel Castros Rekorde übertrumpfen! – nicht im Kongresszentrum in Cleveland halten, sondern in einem Stadion. Wie Obama beim demokratischen Parteitag 2008 in Denver. Er sprach in einer Football-Arena vor einer Kulisse von griechischen Säulen. Es erinnerte an Kirk Douglas im Sandalen-Epos «Spartacus».

Bitte recht freundlich: Trump posiert nach einem Interview in seinem Büro. Foto: Lucas Jackson (Reuters)

Bitte recht freundlich: Trump posiert nach einem Interview in seinem Büro. Foto: Lucas Jackson (Reuters)

Trump will Obama jetzt in Cleveland überbieten. Mehr Säulen, mehr Sandalen. Panem et circenses, Baby! Vielleicht darf Mike Tyson eine Rede halten. Er ist ein Anhänger Trumps. Und womöglich bringt Dennis Rodman Kim Jong-un mit. Das wäre ein Knüller. Es triebe die TV-Quoten hoch und spülte Trump die Wähler nur so zu. «Wir werden eine unglaubliche Zeit in Cleveland haben», enthusiasmierte sich Trump kürzlich.

Man munkelt, er werde vor seiner Ankunft in Cleveland von Stadt zu Stadt ziehen und die Huldigungen der Wähler entgegennehmen. Girls mit Hula-Reifen werden ihm vortanzen und schwer bewaffnete Bürger zu seiner Begrüssung wild in die Luft ballern. Sobald seine mit Girlanden aus billigem Plastik geschmückte Boeing 757 vom Firmament herabgeschwebt ist, werden freiwillige Helfer massenweise Cheeseburger unter das Volk verteilen. Laute Hosianna-Rufe werden erschallen und Loretta Lynn und Wayne Newton ein letztes Duett singen.

Hillary hat dem nichts entgegenzusetzen. Sie hat nicht einmal ein eigenes Flugzeug. Ihr Unterhaltungswert tendiert gegen null. Sie ist ein Loser.

Donald Trump landet auf dem Mesa Gateway Airport in Mesa, Arizona. Foto: Gage Skidmore (Flickr)

Donald Trump landet auf dem Mesa Gateway Airport in Mesa, Arizona. Foto: Gage Skidmore (Flickr)

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