Romney soll Trump stoppen? Vergesst es!

Welttheater

Mitt Romneys politische Karriere wiederzubeleben, wäre ein Desaster. Zeichnung: Monte Wolverton (Cagle)

Sieh an, Sie wollen diesen Sommer also Ferien in den Vereinigten Staaten machen? Mal wieder im Südwesten mit Indianern plaudern? Oder in San Francisco den Obdachlosen etwas zustecken und danach in New York hemmungslos shoppen?

Bleiben Sie lieber weg. Hier ist die Hölle los. Trumps Berserker-Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Der Sturm der Vandalen auf Rom war Peanuts im Vergleich zu Trumps wuchtiger Abrissbirne.

Je vehementer sie ansetzt, desto ängstlicher erschallt der Ruf nach einem Erlöser. Einer Lichtgestalt, die Trump Einhalt gebietet, jedoch nicht Clinton heisst. Nun präsentiert die republikanische Hauspostille «National Review» diesen Erlöser. Die «National Review» ist das Zentralorgan wahrer Republikaner und versteht sich als Gegenstimme zum Vichy-Flügel der Partei, der bei Trump angedockt hat.

Die vom Zentralorgan aufgebotene Lichtgestalt ist zwar ein alter Bekannter, aber präsentabel und kalkulierbar: Mitt Romney. Seit Monaten wird er bestürmt, sich gegen Trump in die Bresche zu werfen. Die Zeit drängt, jetzt oder nie lautet die Parole. «Sie sind der einzige Mann, der uns vor einer künftigen Katastrophe bewahren kann», schreibt Autor David French in seinem Appell an Romney, sich zu erbarmen. Mitt sei ausgewiesen «konservativ» und habe «eine einzigartige Fähigkeit gezeigt, scheiternde Unternehmen wieder aufzurichten».

Soll damit etwa angedeutet werden, dass Amerika eine Pleitefirma ist und der Zustand des Landes dringend eines Sanierers vom Schlage Romneys bedarf? Mit derart krassen Formulierungen sind natürlich keine Wahlen zu gewinnen. Womöglich würde ein Präsident Romney Massenentlassungen anordnen und Teile Amerikas verkaufen. Ausserdem ist Romney psychologisch schwer angeschlagen: Bittere Tränen weinte er in der Wahlnacht 2012, als er die Präsidentschaftswahl gegen einen illegal eingewanderten Kenianer verlor. Romney war siegesgewiss gewesen, jedoch einer Selbsttäuschung unterlegen.

«Niemand sonst ist bereit, seine politische Zukunft zu riskieren», bettelt David French. Mitt soll sich also opfern, da er sowieso keine politische Zukunft mehr hat. Ein Wahlkampf gegen Trump aber liesse ihn vorzeitig altern. Trump würde ihn als Loser beschimpfen und politisches Hackfleisch aus ihm machen. Trumps Twitter-Account liefe heiss. Es hagelte Pöbeleien und Beleidigungen. Natürlich würde Romney Wirkung zeigen. «Hoffentlich wird er so alt, wie er aussieht», würden die Amerikaner am Wahlabend im November beim Blick auf Romneys eingefallenes Gesicht und seine fahle Haut flüstern.

French scheint das egal zu sein: «Das Land, das Sie lieben, braucht Sie mehr als jemals zuvor», drängt er. Hoffentlich lässt Romney sich nicht erweichen. Er ist Rentner und hat es gut. Seine Bankkonten sind prall gefüllt, er besitzt schöne Häuser und hat nette Kinder. Ausserdem hat er volles Haar. All das und mehr würde Mitt Romney riskieren. Er wäre völlig plemplem, wenn er sich darauf einliesse, ja derart gaga wäre Mitt Romney, dass er sofort für unzurechnungsfähig erklärt würde und alle Wahlkampfauftritte absagen müsste.

Lieber French, die Wahrheit ist schmerzlich. Aber es ist die Wahrheit: Amerika hat Trump verdient. Um Mitt Romney wäre es hingegen schade.

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