Im Land des unbegrenzten Wahlkampfwahnsinns

Ein amerikanischer Präsidentschaftswahlkampf ist nichts für Schwächlinge und Ausgelaugte. Man stelle sich einmal François Hollande oder Angela Merkel vor, wie sie geschlagene 15 Monate in Flugzeugen und Hotels leben. Tagein, tagaus halten sie die gleiche Rede, küssen übel riechende Babys, stopfen sich mit grauenhaftem Essen voll («Hier, versuchen Sie doch mal mein Spezial-BBQ!») und lassen sich Wange an Wange mit nicht immer appetitlichen Unbekannten zum Selfie ablichten. Wer an Bakteriophobie leidet, ist für die Präsidentschaft nicht geeignet.

Europäische Politicos brächten es nicht weit im Land des unbegrenzten Wahlkampfwahnsinns. Schon deshalb nicht, weil es ihnen an der nötigen Fitness mangelte. Siehe Bernie Sanders. 74 Jahre alt ist der Senator, aber er sprintet durch den Wahlkampf wie Usain Bolt über die Ziellinie. Mittendrin düst Sanders kurz zum Papst nach Rom, Jetlag hin oder her, und einen Tag später kreuzt er wieder in New York auf und schüttelt Hände. Bernie hackt Holz, um fit zu bleiben. Doch seine Kehle macht bisweilen kaum noch mit. Dann krächzt er wie ein Heavy-Metal-Rocker nach einer durchzechten Nacht.

Auch Hillary hat Probleme mit den Stimmbändern. Sie hustet gelegentlich, worauf republikanische Medien erwartungsvoll debattieren, wann sie wohl sterben werde. Hillary aber hat ein Geheimrezept: Sie trägt Chilisauce zur Aufpäppelung ihrer Widerstandskraft in der Handtasche mit sich herum. Beyoncé tut das auch, siehe ihren Hit «Formation»: «Ich habe Chilisauce in meiner Tasche», singt die Diva.

Hillary war freilich zuerst: Bereits in den 90er-Jahren nahm sie Chilisauce zur Stärkung ihres Immunsystems ein. Als First Lady besass sie eine Sammlung von über 100 scharfen Saucen im Weissen Haus. Nicht nur in Hillarys Handtasche aber geht es scharf zu: «Wir tragen getrocknete Chiliflocken und rohe Jalapeños herum», verrät ihr Pressesprecher Nick Merrill. Derart gerüstet, schleppt sich die Demokratin der Ziellinie im November entgegen, derweil Bernie nach dem Ende des demokratischen Präsidentschaftskongresses im Juli wieder Holz im heimischen Vermont hacken darf.

Ted Cruz stemmt unterdessen Gewichte, um fit zu bleiben, und Gouverneur John Kasich verschlang kürzlich in New York beim Italiener zwei Teller Spaghetti sowie ein riesiges Sandwich, um Appetit und Gesundheit unter Beweis zu stellen. Weil er sein Besteck dabei wie einen Gabelstapler einsetzte und sich die ethnischen Delikatessen gierig in den Mund schaufelte, beschimpfte Donald Trump den Gouverneur als «ekelhaften Schlamper».

Trump wiederum scheint die Strapazen des Wahlkampfs gut zu ertragen, wenngleich sich Haut- und Haarfarbe gelegentlich verändern. Womöglich signalisieren diese Veränderungen nicht nur das Liegen auf Sonnenbänken. Vielleicht sind sie Signale des trumpschen Metabolismus: Strahlt die Frisur orange, sind die Vitalparameter prima, glänzt die Mähne dagegen goldblond, ist die Gesundheit angeschlagen.

Wegen ihres Durchhaltevermögens verdienen alle Kandidaten unsere Bewunderung. Nach ihrem Tod sollten ihre Körper der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, damit der wahlkampfbedingte Verschleiss bei einer Autopsie dokumentiert werden kann.

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