Paris, gentrifiziert

(Flickr/Roger Reuver)

Die Stars der Stunde: Pariser éclairs. (Flickr/Roger Reuver)

Als ich nach Paris zog, gab es in meinem Viertel einen Pferdemetzger, einen marokkanischen Gemüsehändler, einen verstaubten Schraubenladen und eine triperie, also eine auf Innereien spezialisierte Fleischerei. Es gab auch die Kunden dazu. Das ist jetzt vorbei. In der Pferdemetzgerei hat ein Bio-Imbiss aufgemacht, der Schraubenladen handelt mit Wohnungen. Gentrification nennt man das.

Auffallend ist, dass der Trend dabei hin zum Süssen geht. Überall Zuckerbäckereien. Die Stars der Stunde heissen éclairs, choux, und profiteroles. Das sind in Wahrheit Variationen des Windbeutels, aber sie liegen in den Vitrinen bunt überzogen, zu Kunstwerken aufgetürmt wie schöne Versprechen. Inzwischen gibt es sogar ein Restaurant, das nur Desserts anbietet. Es ist ein Mahl unschuldiger Regression in die Kindheit. Man darf noch mal klein sein und dabei total modern. In Zeiten des Terrors ist das sicher mehr als nur der Versuch, den Blutzuckerspiegel in der Höhe zu halten.

La dolce vita? Von wegen. Gleich um die Ecke hat eine Schokoladenbar aufgemacht. Da gehe ich jetzt hin, um mich zu betrinken.

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