Hillarys Herausforderer von der Schildkröteninsel

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«Wir müssen das Monster bekämpfen»: Präsidentschaftskandidat Caesar Saint Augustine de Buonaparte, Kaiser des Reiches der Schildkröten. Foto: Youtube

Kandidaten für das amerikanische Präsidentenamt – es kommt mit einem kostenlosen Jumbo-Jet! – gibt es genug. Hillary. Jeb. Marco. Bernie. Und so weiter. Leider langweilt die Bande und animiert insgesamt eher zum Gähnen.

Abhilfe aber ist bereits in Sicht: Nahezu 370 Amerikaner haben bislang ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2016 erklärt. Die Anforderungen sind nicht hoch. Wer Präsident werden möchte, muss in Amerika geboren und mindestens 35 Jahre alt sein. Ausserdem muss die Kandidatur schriftlich bei der Wahlbehörde FEC angemeldet werden, sofern der Bewerber Wahlkampfspenden von mehr als 5000 Dollar eintreibt.

Diese Voraussetzungen erfüllt problemlos ein Kandidat, den es künftig genau zu beobachten gilt: Seine Königliche Hoheit, Caesar Saint Augustine de Buonaparte, Kaiser der Vereinigten Staaten der Schildkröteninsel. Nun? Das klingt doch allemal besser als Hillary oder Jeb! Seine Majestät lebt im kalifornischen Malibu und ist bereits seit zwei Jahrzehnten in der amerikanischen Politik tätig. 1996 schrieb Herr Augustinus sogar einen Brief an den damaligen Präsidenten Bill Clinton, in dem er den Vereinigten Staaten von Amerika einfach so den Krieg erklärte.

Weil Mr. Bill vielleicht mal wieder anderweitig beschäftigt war, liess er die Kriegserklärung unbeantwortet, was Herr Buonaparte umgehend zu seinen Gunsten interpretierte: Das offizielle Schweigen bedeute, dass der Präsident kapituliert habe, und er, Herr Augustinus, mithin neuer Herrscher der Vereinigten Staaten sei.

Womöglich störte den neuen Chef, dass er nicht der erste Kaiser in amerikanischen Landen war. Diese Ehre fällt einem gewissen Joshua Norton zu, der sich 1859 in San Francisco zum Kaiser Norton I. krönte. Als er 1880 verschied, begleiteten ihn 10’000 Anhänger auf den Weg zum Gottesacker. Herr Augustinus aber möchte offenbar nicht nur Kaiser sein, sondern auch Präsident. Seit 2004 bewirbt er sich deshalb regelmässig für das Amt und meldete am 16. Februar – dem amerikanischen Präsidententag! – neuerlich seine Kandidatur bei der FEC an.

«Freaks regieren den Planeten und zerstören Leute, die wirklich einen Unterschied bewirken könnten», beschied Herr Buonaparte dabei der Wahlbehörde. Gewinnt er die Wahl im November 2016, droht freilich eine Verfassungskrise: Herr Augustinus wäre gleichermassen Kaiser und Präsident, wofür es keinen Präzedenzfall in der amerikanischen Geschichte gibt.

Obendrein könnte er sich standesgemäss mit einer ebenfalls kandidierenden Prinzessin verheiraten. Ihr Name ist Khadijah M. Jacob-Fambro, auch sie legte ihre Papiere der FEC vor und stellte sich dort als «Präsidentin Prinzessin» vor. Abschreckend auf Herrn Augustinus aber könnte wirken, dass die Prinzessin auf ihrer FEC-Eingabe Folgendes anmerkte: «Von einem Ausserirdischen zum anderen Ausserirdischen: Lil Wayne, willst Du mich heiraten?»

Bei dem fraglichen Lil Wayne handelt es sich zweifellos um den famosen, jedoch bürgerlichen Rapper Dwayne Michael Carter, dessen Name schon deshalb nicht im amerikanischen Gotha zu finden ist, weil er eine Gefängnisstrafe absass. Seine Hoheit Herr Augustinus sollte daher auf die doch einigermassen fragwürdige Liaison mit Prinzessin Khadijah verzichten.

Eigene Ansichten: Seine Königliche Hoheit über seine Ansichten über Dinosaurier, Quantenmechanik und Fremdgehen in Beziehungen.

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