Zwei Bestatter auf ihrer letzten Reise

Letzte Reise mit Zwischenhalt: Leichenwagen vor einer Dunkin'-Donuts-Filiale. Foto: Twitter

Fataler Zwischenhalt: Leichenwagen vor einer Dunkin‘-Donuts-Filiale. Foto: Twitter

Im Nachhinein ist klar, dass der letzte Dienstag ein schlechter Tag war. Es war der Tag, an dem der Oberstleutnant in den Leichenwagen geladen wurde, um von Clearwater im Staat Florida nach Lecanto, gleichfalls im Staat Florida, gefahren zu werden. Der Oberstleutnant, sein Name war Jesse Coleman, war im Alter von 84 Jahren verstorben, konnte also nicht mehr selber fahren. Die Beladung des Leichenwagens mit den sterblichen Überresten des Offiziers sowie den Transport besorgten zwei Brüder, die wir der Einfachheit halber Billy Bob und Jim Bob nennen wollen. Sie waren rüstige Männer jenseits von 70 Jahren, die beide für das Bestattungsinstitut Veterans Funeral Care arbeiteten.

Ruhe in Frieden statt auf einem Parkplatz: Urne im Angebot von Veterans Funeral Care.

Ruhe in Frieden statt auf einem Parkplatz: Urne von Veterans Funeral Care.

Wie der Name besagt, spezialisiert sich dieses Institut auf die Beerdigung von Veteranen. Und da Amerika Uniformen liebt, werden Veteranen auf ihrer letzten Reise besonders respekt- und pietätvoll behandelt. Schliesslich haben sie ihre Knochen für die Kriege der Nation hingehalten. Oberstleutnant Coleman hatte beispielsweise im Koreakrieg gedient und danach in Vietnam und hatte dafür Orden erhalten. Jetzt lag er wortlos im Leichenwagen der Firma Veterans Funeral Care, derweil Billy Bob und Jim Bob Richtung Lecanto brausten.

Es wäre ein Tag wie jeder andere geblieben für die Brüder, wenn sie nur Kurs gehalten hätten. Anscheinend aber brauchten sie ein Aufputschmittel, weshalb das Duo den Leichenwagen auf den Parkplatz einer für Kaffee und Donuts bekannten Restaurantkette namens Dunkin‘ Donuts lenkte. Dunkin‘ Donuts ist die Proletenantwort auf Starbucks. Wer die wichtigtuerischen Leute hinter ihren Mac-Apples bei Starbucks über hat, bekommt einen guten Kaffee samt einem Krapfen bei Dunkin‘ Donuts zum Discountpreis.

Billy Bob und Jim Bob holten sich also einen Kaffee, den Oberstleutnant liessen sie mutterseelenallein zurück. Vielleicht zogen sie die Vorhänge des Leichenwagens nicht zu, weil sie dem toten Insassen einen Blick nach draussen gönnen wollten. Jedenfalls nahm das Unheil seinen Lauf, sobald ein gewisser Rob Carpenter das Leichengefährt samt dem fahnenbedeckten Sarg erblickte. Ihn traf der Schlag: Eine pietätlose Angelegenheit ging hier vonstatten, ein Veteran lag still in seinem Sarg, schäbig behandelt vom Personal!

Erbost schoss Herr Rob mit seinem Handy ein Video, das den Lieutenant Colonel samt Stars und Stripes im Innenraum des Leichenwagens einsam und verlassen zeigte, indes sich seine Begleiter aufputschten. Nachdem Herr Rob die Brüder konfrontiert hatte, mailte er sein Video umgehend an eine örtliche Veteranengruppe. Die Empörung war gross und dehnte sich dank Facebook von Florida in Windeseile auf sämtliche Staaten aus. Bald erreichte die Nachricht von dem Zwischenfall auch den Boss des Bestattungsinstituts.


Augenzeuge Rob Carpenter filmte den Fauxpas. Video: EnGlobal News US (Youtube)

Und obwohl Billy Bob und Jim Bob verlässliche und bei den Kunden wohlgelittene Angestellte waren, feuerte der Boss sie umgehend: Frech hätten sie den Obristen bei Dunkin‘ Donuts abgestellt und sich damit disqualifiziert. Nicht einmal ein gutes Wort der Witwe des Oberstleutnants stimmte den Bestatter gnädig. Billy Bobs und Jim Bobs Karriere war im Eimer. Der Offizier seinerseits blieb stumm. Vielleicht hatte er sich tatsächlich übergangen gefühlt.

7 Kommentare zu «Zwei Bestatter auf ihrer letzten Reise»

  • Martin sagt:

    @Jennifer: Hat doch gar nichts damit zu tun, ob die USA einen Krieg im eigenen Land hatten oder nicht. Die Armee ist der Regierung unterstellt und tut, was diese will. Einer meiner Grossväter war Soldat und hat die Grenze bewacht im WWII, der andere war Major in der Schweizer Armee und auch auf der Rütliwiese, als Guisan die Offiziere versammelte. Komisch, dass Leute, die Krieg erlebt haben, nicht Armee Gegner sind, während meine Generation immer mehr eine „Anti-Armee Haltung“ einnimmt.

  • Jennifer sagt:

    @Martin. Dafür hat man absolut keinen Respekt in den USA, was hier in der Schweiz heilig ist. Z.B. Essen vor dem TV oder Sonntagsruhe ohne Konsumtempelzwang (ausser am Flughafen). Mehrsprachigkeit. Das vieles reibungslos funktioniert. Und nicht diese „hey what do you want from ME“-Attitüde. Aber das Gras war schon seit je her grüner ännet am Hag. Liegt halt an der menschlichen Natur.

    • Martin sagt:

      @Jennifer: Also Sonntagsruhe gibt es bei uns auch keine mehr. Essen vor dem TV kann ich nicht beurteilen, da dies jede Familie selber regelt. Die Mehrsprachigkeit gibt es in den USA gar nicht und ist bei allen Grossnationen unbekannt (F, D, I, SP, GB usw.) Mir gefällt es einfach, dass man dort noch Achtung hat vor den Soldaten. Bei uns ist jeder, der in der Armee war, ein „Idiot, ein Nazi, ein Hass erfüllter Mensch“ usw.. In der CH gibt es keinen Respekt oder Achtung der Armeeuniform mehr, das finde ich schade und die Leute wollen ihr Land gar nicht mehr verteidigen. Traurig so etwas.

      • Lea sagt:

        @Martin: Bitte schau zuerst in einem Atlas nach, wo die USA, Korea und Vietnam liegen, bevor du einen solchen Stuss schreibst.

        • Martin sagt:

          @Lea: Klar, Korea und Vietnam gehören nicht zu den USA. Aber die USA sind dort einmarschiert, auf Bitten der jeweiligen Regierung und haben zu verhindern versucht, dass ein kommunistisches und menschenverachtendes Regime die Bevölkerung dieser Länder unterdrückt! Bevor Du also das nächste mal von „Stuss“ schreibst, solltest Du erst einmal ein wenig Politik und Geschichte büffeln, damit Du die Zusammenhänge auch verstehst. Oder vielleicht gehörst Du selber zu einer kommunistischen Partei, wer weiss? Eines sollte Dir einfach klar sein: Unter Mao und Stalin sind durch den Kommunismus 100 Millionen Menschen hingerichtet oder abgeschlachtet worden. Da finde ich es doch ganz gut, dass die USA in Korea und Vietnam einmarschiert sind. Natürlich, kommunistische Idealisten sitzen gerne in der reichen Schweiz und träumen von ihren Idealen, ihrem „Gleichheitsprinzip“ usw.. Sollte der Kommunismus jemals Einzug halten in der Schweiz, wirst Du eine der ersten sein, die den Afrikanern ihr Gummiboot streitig macht. Darauf wette ich!

      • Jennifer sagt:

        @Martin: Die USA hatten noch nie einen Krieg in ihrem eigenen Land (ausser der Bürgerkrieg). Sie exportieren die Kriege. Klar, die SVP verteidigt die Armee schon, und die Schweiz sowieso. Dann gibts noch die AUNS, die SD.

  • Martin sagt:

    Schade für die zwei, welche Donuts essen gingen. Aber es zeigt, dass man in Amerika doch noch einen gewissen Respekt vor gewissen Dingen hat. Bei uns in der Schweiz, da macht jeder gerade, wie es ihm/ ihr passt. Selbst Polizisten, Juristen und Co. haben irgendwie kein Pflichtgefühl mehr, keine Berufsehre und dergleichen. Also moralisch und logisch zerfällt die Schweiz immer mehr. Vielleicht sollte ich doch auch in die USA ziehen? Bei uns ist jeder der im Militär war sowieso gleich ein Nazi und Hass erfüllter Mensch.

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