Das Geheimnis eines langen Lebens

Elizabeth Sullivan erhält hohen Besuch. Video: Youtube.

«Wer lange lebt, hat viel erfahren», behauptet Goethe im Faust. Und wer länger lebt, erfährt noch mehr, weshalb Langlebigkeit eine prima Sache ist. Besonders in Amerika, wo es immer extrem viel zu erfahren gibt. Die Amerikaner sind daher höchst interessiert an Leuten, die so alt sind, dass sie beim Absturz des Luftschiffs Hindenburg bereits an Rheuma und Katarakten litten. Die Liste der Weltältesten wird stets aufmerksam geprüft, um zu sehen, ob die Supergreise ein Geheimrezept für ihre Lebensspanne liefern können.

Übrigens fällt dabei auf, dass derzeit alle Mega-Alten Frauen sind. Man könnte eine Verschwörungstheorie daraus ableiten. Aber das hiesse abzuschweifen. Die Methusalems, allesamt älter als 110, warten mit allerhand Ratschlägen auf: Mal sind es rohe Eier, mal Sushi, mal Kokablätter, die ihnen zum ewigen Leben verholfen haben. Insgesamt eine eher langweilige Sache.

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Das Objekt der Begierde. Foto: PD

Interessant wird es hingegen, wenn der Blick zum texanischen Fort Worth schweift, wo Elizabeth Sullivan soeben ihren 104. Geburtstag feierte. 104 ist nicht 114, aber immerhin! Frau Elizabeth, eine ehemalige Mathematiklehrerin, beschied den herbeigeeilten Medien, mit 103 habe sie gedacht, es sei vorbei, «aber ich mache munter weiter». Ausserdem offenbarte sie, seit 40 Jahren täglich drei Dosen Dr Pepper zu trinken. «Jeder Arzt sagt mir, ‹das bringt Sie um›, aber sie sterben, und ich sterbe nicht.»

Moment mal! Frau Elizabeth trinkt mehrmals täglich Dr Pepper! Dagegen ist Coca-Cola ein Multivitamingetränk aus ungespritztem Obst. Denn Dr Pepper ist eine Art chemische Brause und schmeckt wie eine Gemeinschaftsproduktion von BASF, Dupont, Hoffmann-LaRoche und Rhône-Poulenc, die in einer gewaltigen Raffinerie am Mississippi hergestellt und abgefüllt wurde.

«Sei ein Pepper»

So künstlich ist der Geschmack, dass ihn niemand definieren kann. Frau Elizabeth befindet sich trotzdem im 104. Lebensjahr! Dank Dr Pepper, das erstmals 1885 in Texas prickelte und seitdem nicht nur das Leben in Amerika bereichert! «Genau was der Doktor verschrieben hat», heisst einer der Dr-Pepper-Slogans. Verschrieben hat der Doktor mit Kohlensäure versetztes Wasser sowie supersüssen Maissirup. Auch Phosphorsäure und Benzoesäure hat er verschrieben. Mitsamt künstlichen Aromastoffen und Karamellfarbe.

Es mögen hier allerlei chemische Reaktionen und potenzielle Belastungen der inneren wie äusseren Organe drohen. Nicht aber bei Frau Elizabeth. «Irgendwo muss es da einen Fehler geben», sagt sie über das vergebliche Bemühen ihrer Ärzte, sie und Dr Pepper zu trennen. Diese Mediziner sind zwischenzeitlich ja alle verstorben, weil sie die heilende Kraft von Dr Pepper niemals erkannten und sich stattdessen mit Biosäften aus Karotten und Randen das Leben verkürzten.

Ja nun, nicht immer ist die Chemie ein Bösewicht! Obschon der Maissirup einigen Schaden anrichtet und für viele fette Amerikaner verantwortlich ist. Ausserdem setzt er den Beissern zu und kann Nierensteine verursachen. Andererseits könnte der Verzehr von Maissirup, Benzoesäure, Phosphorsäure sowie im Labor entwickelten Geschmacksstoffen das Leben verlängern. Siehe Frau Elizabeth. Vielleicht würde ihr Verfallsdatum noch weiter aufgeschoben werden, wenn sie statt täglich drei Dosen Dr Pepper sechs getrunken hätte. Oder zehn.

Zumal die Werbung für Dr Pepper wunderbar zum Tanzen und Mitsingen einlädt. «Ich bin ein Pepper, er ist ein Pepper, sie ist ein Pepper, wir sind ein Pepper – möchten Sie nicht auch ein Pepper sein? Sei ein Pepper – trink Dr Pepper.» Ist das nicht super? So beschwingt! Wir sind alle Pepper! Wer hätte das gedacht? Probieren Sie mal! 104! Nein?

10 Kommentare zu «Das Geheimnis eines langen Lebens»

  • anna sagt:

    Mich rührt diese Geschichte kein bisschen. Wieviel hat die alte Dame vom Getränkehersteller erhalten für eine solche Aussage? Denken wir an die Altersvorsorge in den USA.

  • marievan Veen sagt:

    Und Johann Heesters wurde 108 Jahre alt und sein Grossvater 107,.

  • Gallmann Martin sagt:

    Ich lese ihre Reportagen immer gerne – humorvoll und unprätentiös geschrieben. Aus dem Leben gegriffen. Danke

  • Ursula sagt:

    Der Schweizer Künstler Hans Erni ist vor ein paar Tagen mit 106 Jahren gestorben und ich denke nicht, dass er auch nur einmal Dr. Pepper getrunken hat…

  • Markus Poschung sagt:

    Lese Ihr Blog oft und bin erstaunt, dass sie so gut Deutsch schreiben, als Amerikaner. Bin CH-er in USA, also Auslandschweizer und ich denke, wenn sie ein Blog auf „Schweizer im Ausland“ zugeschnitten veroeffentlichen wuerden waere das besser als USA Poltik.
    Der Artikel ueber die 104-jaehrige fand ich gut und ist ein Beispiel von was ich spreche.

    Markus

    • Lia sagt:

      ahm.. er schreibt besser Deutsch als Sie, Herr Poschung. Ihres schmerzt meine Augen. Dass er evtl deutsche oder schweizer Wurzeln hat, ist Ihnen wohl nicht in den Sinn gekommen.
      Ausserdem ist es mehr als seltsam, von einem Amerikaner zu verlangen, nicht über Amerika zu schreiben, sondern über oder für Auslandschweizer. Woher soll er denn wissen, was Schweizer in Thailand, Südafrika etc beschäftigt?

  • Peter "Petsch" Wagner sagt:

    Schade gibt es Dr.Pepper bei uns nur überteuert in der 0.5L Flasche… Mein früherer Hausartz laberte auch immer von ungesunden MCD Food, und wenn sehe ich oft im Lokalen MCD? Genau diesen Artz…

    • Omar sagt:

      Also wenn Sie mit „hier“ die Schweiz meinen, dann kann ich Sie beruhigen.
      Im Coop kriegen Sie die reingewaschene Schweizer-Variante in der Dose. Wenn Sie die importierte Original-Brühe wollen, dann gehen Sie in den „Lollipop“-Laden. Ich kauf die Dinger immer dort, meist für CHF 1,50 und manchmal im Angebot für 1 Franken pro Dose. Zu Hause gibt’s dann ein paar (ja, klein geschrieben) Hotdogs und im Fernsehen läuft ein Rugby-Match. Stilbruch, ich weiss. Grüssle von einem absoluten Dr Pepper-Fan.

  • renatus sagt:

    Habe nicht die Zeit , diesen Bericht persönlich nachzuprüfen, doch Frauen erreichen ein höheres Alter als Männer, das ist bekannt. Nicht wirklich sensationell, wenn einige tausend Damen in einem 250 Millionen Volk die 100er Jahre Marke überschreiten. Eventuell ist das Gebiet der USA weniger kontaminiert als Europa, wo die bekannten und unbekannten Entsorgungsmafiosi auf engem Raum ihr Unwesen treiben and die Landstriche verseuchen, was uns nicht unbedingt das Leben verlängert. Die Dr. pepper story ist ja wohl ein Witz.

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