Frankreich siegt in Waterloo

Von Stephan Israel, Brüssel

History enthusiasts fight during a re-enactment of Napoleon's famous battle of Waterloo in Braine-l'Alleud

Ein Laie in der Rolle Napoleons bei einer Nachstellung der Waterloo-Schlacht. Foto: Thierry Roge, Reuters.

Es ist ein kleiner Sieg lange nach einer grossen Niederlage. Belgien wollte aus Anlass des 200. Jahrestags der Schlacht von Waterloo eine Zwei-Euro-Gedenkmünze in Umlauf bringen. Frankreichs Kaiser Napoleon verlor am 18. Juni 1815 auf dem Schlachtfeld ausserhalb Brüssels gegen die verbündeten Briten, Preussen und Niederländer. Frankreich hat die Gedenkmünze nun in letzter Minute verhindert, muss dafür aber einiges an Spott ernten.

Auf der Rückseite der Münze sollte der berühmte Löwenhügel zu sehen sein, der als Erinnerung an die letzte vernichtende Niederlage von Napoleons Heer das Schlachtfeld vor den Toren Brüssels überragt. Vor 200 Jahren standen sich dort bis zu 300’000 Soldaten gegenüber, von denen nach zehnstündiger Schlacht 50’000 tot und viele weitere verletzt liegen blieben. Napoleon wurde von den Briten auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt, wo er 1821 starb.

Für Frankreich sind auch 200 Jahre nach der Schlacht die Wunden offenbar noch nicht ganz verheilt. Kein Wunder, schliesslich ist ja auch die Redewendung «sein Waterloo erleben» als Umschreibung für eine totale Niederlage noch immer gebräuchlich. Die Erinnerung an die Schlacht sei für einen Teil der Europäer negativ belastet, heisst es in einem Brief der Regierung in Paris.  Schliesslich gehe es um ein Ereignis, das sich tief im kollektiven Gedächtnis einprägt habe und nicht um ein gewöhnliches Datum.

Belgien trägt die Kosten

münze

Die verhinderte Gedenkmünze.

Die Münze drohe in Frankreich feindselige Reaktionen auszulösen, was ungünstig sei in einer Zeit, in der die Regierungen den Zusammenhalt in der Eurozone zu verstärken versuchten, argumentierte die Regierung in Paris gegenüber den europäischen Partnern. Theoretisch hat jedes der 19 Euroländer das Recht, zweimal im Jahr die Rückseite einer Zwei-Euromünze mit einem speziellen Sujet zu prägen. Frankreich hat Belgien jedoch signalisiert, im Rat der Mitgliedstaaten genügend Unterstützung für ein Veto zu haben.

Die Kosten für den kleinen Wirbel in der Eurozone trägt Belgien, denn die königliche Münzstätte hat schon 180’000 der geplanten 270’000 Geldstücke geprägt. Der belgische Finanzminister Johan Van Overtveldt zeigte sich in einer Mitteilung überrascht über die Aufregung. Europa habe doch sicher wichtigere Probleme zu lösen als Energie mit einer Gedenkmünze zu verschwenden. Belgien will nun eine Spezialmünze im Wert von drei oder fünf Euro prägen, die nicht als Zahlungsmittel im Umlauf kommt und deshalb von den Partnern nicht gebilligt werden muss.

Belgien hat den Schaden im Wert von 50’000 Euro, obwohl das Land zur Zeit der Schlacht von Waterloo auf der Landkarte gar noch nicht existierte. Den Spott hat aber vor allem Frankreich. In Brüssel zeigten sich Diplomaten überrascht, dass Kleingeld mit dem Abbild eines Hügels soviel Wirbel auslösen könne. «Die Franzosen sollen endlich erwachsen werden und die Belgier unterstützen», sagte der britische Abgeordnete Peter Bone gegenüber der Zeitung «The Telegraph». Ein konservativer Parteikollege appellierte an Frankreich, die Schlacht als bedeutendes Ereignis für Freiheit und Demokratie zu würdigen. Immerhin sei Napoleon mit dem Versuch gescheitert, einen europäischen Superstaat zu erschaffen. Das sei doch genug Grund zum Feiern.

 

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