Die Schwachstrom-Lieferanten

Schlimmer, dachte ich immer, kann es nicht kommen. Irgendwann geht halt das Licht aus, die Musik verstummt und der Kühlschrank hört zu brummen auf. Sterben tut man nicht daran, solange man nicht an eine Herzlungenmaschine angeschlossen ist: Schliesslich hat der Homo sapiens schon Zigtausende von Jahren ohne Strom überlebt und sich dabei sogar noch etwas entwickelt. Viele Geräte sind auf solche Eventualitäten ja auch vorbereitet: Mein Computer rechnet vier Stunden lang kabellos und mein Handy überlebt sogar den ganzen Tag. Danach wirds allerdings eng: Nach 48 Stunden fängt das Fleisch im Tiefkühlschrank zu gammeln an, die Batterie des Notstromaggregats stirbt, und das veralgte Schwimmbad zieht fette, fiese Kröten an.

Wir Südafrikaner sind daran gewöhnt. Seit die Verantwortlichen des staatlichen Stromkonzerns Eskom Mitte der 90er-Jahre die ANC-Regierung folgenlos davor warnten, dass die Stromproduktion den steigenden Verbrauch bald nicht mehr deckt, wird es hier immer wieder mal dunkel, der Kühlschrank möpselt, und die Kröten greifen an. Das kann uns Kapländer nicht aus der Ruhe bringen: Es passiert ja sonst nichts Aufregendes in diesem Teil der Welt, vom Raubüberfall im Nachbarhaus und den üblichen gewalttätigen Streiks einmal abgesehen.

In der Weihnachtszeit nahm die allgemeine Stromlosigkeit jedoch neue Dimensionen an. Das lag offenbar daran, dass das Silo eines Kohlekraftwerks zusammenbrach, das kurz zuvor noch fachmännisch inspiziert worden war. Als Ersatz setzten die Eskom-Experten mehrere Dieselgeneratoren ein, vergassen allerdings, auch Brennstoff für die Motoren zu bestellen. Schliesslich zerriss ein Lastwagen, der die Trümmerstücke des zerbrochenen Silos auflesen sollte, noch ein Kabel: Da war es um zwei weitere Stromherstellungseinheiten getan.

Trotzdem wollen sich die Herrn von Eskom feiern lassen, weil sie bislang einen totalen Blackout stets vermieden hätten: Man solle Vertrauen in die Voltjongleure haben, fordern sie in der Presse. Der Chef des Schwachstromkonzerns geisselt unterdessen die Nörgler: Sie wüssten nicht zu schätzen, dass – selbst wenn sie mal im Finstern sässen – dafür andere Menschen im Land zumindest kurzzeitig den neuzeitlichen Segen genössen.

Gleichzeitig wird die Bevölkerung darauf vorbereitet, dass das mit dem «Wechselstrom» (mal aus, mal an) in den nächsten 18 Monaten anhalten wird. Schon heute gehen der Wirtschaft wegen des Sparprogramms Milliarden von Rand durch die Lappen. Jacob Zuma, der sich aus welchen Gründen auch immer hier Präsident nennt, schweigt indessen, zeigt aber Tatendrang: Kürzlich reiste er nach Russland, um acht Atommeiler zu ordern. Auch in diesem Fall muss man Vertrauen zeigen: Dass Zuma ausnahmsweise mal nicht in erster Linie seine Taschen füllen will, wenn er Grosses in Auftrag gibt. Und dass die Eskom-Experten mit den Tschernobyl-Reaktoren vorsichtiger als mit Silos und Starkstromkabeln umzugehen wissen.

Womit nun allerdings partout nicht zu rechnen war: Dass die Herrn von der Stromversorgung nach den rotierenden Elekrizitätspausen gelegentlich die Transformatoren falsch anschliessen. Dann jagen plötzlich statt 220 satte 380 Volt durchs Netz – Computer verbrutzeln und Glühbirnen explodieren. Für die entstandenen Schäden weist Eskom jede Verantwortung von sich: Schliesslich kann man nicht unentwegt über Strommangel klagen, und wenn es dann endlich dicke kommt, noch immer nicht zufrieden sein.

Der Chef von Eskom entschuldigt sich am 9. Dezember 2014 für die Blackouts, irgendwie. (Quelle: Youtube)

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