Der Schwarz-Bittere: Negroamaro

Der dunkle Süditaliener kann viel mehr, als einfach nur als Verschnittpartner aushelfen. Mit richtigem Umgang und Pflege mausert er sich doch glatt zu schönen, vollen und spannenden Weinen.
Vallone

Produktion des Graticciaia (100% Negroamaro). Weingut Vallone in Apulien. (Bild: Vallone)

Apulien, der südlichste Zipfel in Italiens Stiefelabsatz, ist nicht nur Heimat des Primitivo, auch die autochtone Rebsorte Negroamaro ist da heimisch und erlebt zur Zeit so etwas wie eine Wiederauferstehung. Oder man könnte auch sagen, der Negroamaro erhält den Ritterschlag. Lange Zeit nämlich waren die tiefdunklen Weine vor allem als Verschnittpartner gefragt, um die eher blassen Norditaliener farblich aufzuhübschen. Das hat sich mittlerweile gelegt und ist eher verpönt, was zur Folge hatte, dass die Nachfrage und die Produktion von Negroamaro von über 30’000 auf noch knapp 20’000 Hektar Rebfläche sank.

Das bekannteste Gebiet für den Negroamaro ist die DOC-Region Salice Salentino, zwischen Lecce und Brindisi gelegen. Die Auflage besteht in mindestens 75% Negroamaro, oft wird er mit Malvasia Nera verschnitten.

Apulien kennt diese Rebe seit mehr als 2000 Jahren, mitgebracht haben sie wahrscheinlich die alten Griechen. Ihr Name ist sozusagen selbsterklärend: Negro umschreibt die tiefdunkle, fast schwarze Farbe und amaro steht für den bitteren, mandelartigen Geschmack, den sie der Fülle an Gerbstoffen verdankt. Diese konnten aufgrund der früheren hohen Erträge kaum ausreifen. Lässt man den Tanninen ihre Reifezeit, und das kann nur mit einer starken Ertragskontrolle geschehen, werden die Gerbstoffe weich. Das Zartbitteraroma aber kommt von der Frucht, sie erinnert leise an dunkle Schokolade.

Sowieso beeindruckt dieser herbe, zart bittere Wein durch seine enorme Aromenvielfalt. Die intensive Sonneneinstrahlung am Tage in Abwechslung mit den kühlen Brisen in der Nacht vom nahen Meer lassen ihn in seiner Reifezeit viele Aromen einlagern. Wohl wahr, er hat viel Gerbstoff, aber genau das hebt ihn markant ab vom Allerweltallerlei. Er ist ein gehaltvoller Charakterwein, und er mag charakterstarke, würzige und kräftige Speisen, die ihn begleiten.

Graticciaia_Verganineu

Unsere Weinempfehlung:

Negroamaro Graticciaia
Salento igp, Vallone, Apulien, Italien

Dunkelviolette Farbe; Reife Nase mit einer harmonischen Aromaentwicklung im Gaumen. Der Wein erinnert an den Amarone und weist dieselben charakteristischen Noten von getrockneten Früchten und Vanille auf. Ein eleganter und komplexer Wein mit einem herrlichen Finale.

Die handverlesenen Traubenbeeren werden auf Strohmatten ausgelegt um einen Flüssigkeitsverlust resp. eine Beerenkonzentration zu erreichen. Nach der Vinifizierung folgen 12 Monate Barriques-Ausbau. Eine Rarität, geerntet von über 80 Jahre alten Rebstöcken!

CHF 49.50

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