Das inszenierte Glück der Hausfrau

 

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Schöne, heile Welt: Interior-Bloggerin Iryna Federico gibt Tipps für ein aufgeräumtes Heim.

Wer sich wünscht, dass sich der zurzeit herrschende Influencer-Wahn in Zukunft ein bisschen beruhigen könnte, kann diese Hoffnung begraben: Der Boom ist ungebrochen – viele junge Frauen wünschen sich nichts so sehr, wie Influencerin zu werden. Sie träumen von diesem scheinbar so coolen und von Kunden bezahlten luxuriösen Lifestyle.

Allerdings schaffen es nur die wenigsten Influencerinnen, aus dieser Leidenschaft wirklich einen Beruf zu machen, von dem sie leben können. Denn wenn ein Vorbild wie die Schweizer Bloggerin und Influencerin Kristina Bazan 2,8 Millionen Follower auf Instagram vorweisen kann und so eine der reichsten Schweizerinnen unter 40 Jahren geworden ist, fehlt es nicht an Identifikationsfiguren.

Erfolg durch Ordnung

Doch schon lange inszenieren sich nicht nur Stars und Möchtegern-Sternchen in den sozialen Netzwerken. Auch gesellschaftliche Trends werden auf diesem Weg verbreitet. Das wohl bekannteste Beispiel für die erfolgreiche Vermarktung einer Idee ist die Bestsellerautorin Marie Kondo, Fachfrau Nummer eins, wenn es um die Ordnung im eigenen Zuhause geht. Ihre drei Bücher, die auf dem Magic-Cleaning-Prinzip beruhen, wurden in 27 Sprachen übersetzt und weltweit über sieben Millionen Mal verkauft. In ihrer TV-Serie «Tidying up» auf Netflix gibt Kondo Tipps für einen organisierten Haushalt. Und auf Instagram folgen der 34-jährigen Japanerin über 2,2 Millionen Follower. Ihre Erfolgsformel «Ordnung erzeugt Sicherheit und Glücksgefühle» trifft den Nerv in unserer unsicheren Zeit.


Fachfrau Nummer eins in Sachen Ordnung: Die Japanerin Marie Kondo.

Nun findet heute jede erfolgreiche Bewegung sehr schnell Nachahmer, die auch einen Zipfel Ruhm und Reichtum erhaschen wollen. Im Fall der «Kondonisierung» sind das die sogenannten Cleanfluencerinnen, wie sie in einem Artikel der «Daily Mail Online» genannt werden. Also Frauen, die ihre perfekt aufgeräumten und organisierten Wohnungen und Häuser auf Instagram präsentieren und ihre «Geheimnisse» verraten, wie sie das schaffen.

Eine davon ist die australische Interior-Bloggerin Iryna Federico, die ihre Obsession erfolgreich in ihrem Blog Fromgreatbeginnings teilt. Und auch Steph Pase zeigt ihren über 60’000 Followerinnen auf Justanothermummyblog, wie inspirierend ein aufgeräumtes Leben aussehen kann.

 

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Zwanghafte Barbie-Welt

Wenn Federico auf Instagram in einem Video zeigt, wie sie fein säuberlich ihre Plastikbehälter beschriftet, in denen sie ihre Teigwaren aufbewahrt, überkommen mich allerdings keine Glücksgefühle, sondern eher leichte Aggressionen, die sich noch verstärken, wenn ich die fein säuberlich sortierten pastellfarbenen Objekte auf Holzgestellen betrachte. Diese Barbie-Welt hat für mich in ihrer inszenierten Ordentlichkeit etwas Zwanghaftes.

Nichts gegen die Ordnungstipps von Marie Kondo, die meiner Wohnung auch guttun würden. Aber wenn die Psychologin Emmanuella Murray in einem Interview im gleichen Artikel sagt: «Wenn wir sauber und ordentlich sind, können wir uns ruhig und produktiv fühlen», dann erinnert mich diese Aussage an Bilder penibel aufgeräumter Wohnungen der klassischen Hausfrau aus den 50er-Jahren, die ihre innere Leere – die sie trotz ihres vorbildlich gepflegten Heims verspürten – gerne mal mit sogenannten Uppers, aufputschenden Tabletten, zu füllen versuchten.

19 Kommentare zu «Das inszenierte Glück der Hausfrau»

  • Laura Stocker sagt:

    Ach Frau Aeschbach! Ein an sich überraschendes Phänomen haben Sie wieder gekonnt mit einem Kniefall vor dem Zeitgeist gekillt. Dieses dauernde Runterhacken der 50er Jahre und der Frau von damals als ach so aufgeklärte und moderne Frau von heute und als unbewusste Vertreterin der 68er ist eigentlich nur noch langweilig. und stereotyp.

  • Roger Schweingruber sagt:

    Bild 1 („Instagram“), Textvorschlag für die noch einzufügende Denkblase, wie in einem Comic: „So, und jetzt ruf ich meinem Callboy an“.

  • cosi sagt:

    Sich von überflüssigen Dingen befreien (weitergeben, spenden, verkaufen, recyclen) und mit weniger Zeugs dann mehr Ordnung und auch ein Plus an Freiheit zu haben, ist die eine Sache (im besten Fall geht das einher mit weniger Konsum und besserer umweltverträglicher Lebensweise). Die Lebenszeit aber damit zu verbringen, jedes hübsch beschriftete rosa Kistli stets im rechten Winkel ins Kästli zu stellen, ist etwas ganz anderes. Ich wünsche den Influencerinnen ehrlich, dass ihr Drang nach äusserlicher Ordnung auch ihrem ureigenen Wesen entspricht und ihnen wirkliche innere Zufriedenheit bringt und nicht bloss scheinbare Sicherheit durch Kontrolle der äusseren Umgebung….

  • Heidi Herrmann sagt:

    Erinnert irgendwie an Magersucht. Die innere Unsicherheit und Leere wird durch übermässige Kontrolle zwanghaft übertüncht. Der Tag hat 24 Stunden. Die kann man brauchen um Plastikkistchen alle gleich anzuschreiben und das Pastellgeschirr in Büchergestellen zur Schau zu stellen. Oder man kann währenddessen sich, seine Familie und seine Bekanntschaft pflegen. Am Ende des Lebens kommt dann die Frage: Und, was hast Du mit Deinem Leben angestellt…? Ich habe rosa Tassen sortiert und Schleifchen an Plastikbehälter geklebt…

    • Claude Fontana sagt:

      Wenn ich bechern müsste bis ich so in Stimmung bin, wie Marie Kondo das vormacht, könnte ich auch in der Sauerei schlafen. Just saying.
      Ich kenne Leute mit Putzfimmel, und alle bechern mehr als sie sollten( meine meinung, nicht ihre natürlich.)

  • tststs sagt:

    Ahhh, da kommt mir doch ein Slogan eines berühmten Möbelhauses in den Sinn:
    Wohnst du noch, oder lebst du schon?

  • Christoph Bögli sagt:

    Wenn ich solche Texte lese, wundere ich mich immer ein wenig, ob ich einer völlig anderen Realität lebe. Ich folge jedenfalls keinen „Influencern“, ich kenne nicht einmal welche, und so geht es eigentlich allen in meinem Umfeld. Und das besteht wohlgemerkt nicht aus „alten Säcken“, sondern bewegt sich primär im Hauptzielgruppenbereich Mitte 20 bis Mitte 40. Ich bezweifle auch, dass einer meiner Studenten ernsthaft so ein peinliches Lebensziel wie „Influencer“ hat.

    Mir scheint darum, dass dieser „Boom“ und „Wahn“ eher das Problem einer bestimmten Schicht von Leuten ist, die selber nicht wirklich was können und deren leeres Leben sich darum nur um Konsum dreht. Alle anderen dürften kein Problem haben, sich dem ganzen Unsinn zu entziehen.

    • tststs sagt:

      Dochdoch, kennen Sie! Sie hiessen früher „der Melittamann“ oder Klementine; und auch daszumal gab es schon reine Kunstfiguren: Meister Proper, Malboro Man etc.

      „Influencer“ klingt halt einfach ein wenig hipper als „personifizierte Werbung“, resp. „Werbefigur“.

      • Christoph Bögli sagt:

        Jein, der qualitative Unterschied liegt doch darin, dass man von den erwähnten Werbefiguren unfreiwillig während eines Films oder in der Zeitung belästigt wurde und diese so gut wie möglich ignoriert hat. Den heutigen „Influencern“ folgen aber anscheinend Millionen freiwillig weil sie offenbar deren Dauerwerbesendung so toll finden.
        Passender wäre da also wohl der Vergleich mit den alten Werbesendungen oder, etwas neuer, gewissen Reality-Formaten wie den Kardashians, die im Prinzip auch nur als „Unterhaltung“ getarnte (Selbst-)Vermarktung waren. Was aber erstaunlich viele Leute trotzdem toll fanden und sich gezielt angesehen haben. Konnte ich damals nicht verstehen und entsprechend heute erst recht nicht.

      • Michael sagt:

        Trotzdem gibt es vermutlich auch für Sie Influencer, nur heissen sie nicht so. Sobald man sich zu irgend einem Produkt im Internet informiert, gerät man in den Einflussbereich eines Influencers. Liest man die Rezension eines Buches in Amazon, den Test einer Hardware bei in einem entsprechenden Forum o.ä. Womit ich Ihnen aber recht gebe – das man damit Geldverdienen kann und das es teilweise Millionen gibt, die sich ansehen, was xyz zu sagen hat, ist schon erstaunlich.

      • tststs sagt:

        Jein 🙂
        Auch früher wurden Werbefiguren gehasst und vergöttert. Auch sie hatten teilweise einen Fanclub und riesige Merchandising-Maschinerien im Hintergrund.
        Ja, irgendwie war es was anderes, irgendwie aber auch nicht.

      • Christoph Bögli sagt:

        @tststs: Ok, das mag sein, wäre dann aber komplett an mir vorbei gegangen. Vermutlich weil man sich damals wenn schon aktiv und gezielt damit beschäftigen musste.

        @Michael: Das mag natürlich stimmen, aber angesichts dessen würde ja auch jeder Filmkritiker, Reisejournalist oder gar einfacher der gute Freund mit einem Tipp zum „Influencer“. Das schiene mir dann aber eine zu weite Definition des Begriffs. Schliesslich geht es ja eben darum, dass Leute das als reinen Selbstzweck zum Geldverdienen betreiben, also letztlich die Verkäufer in einer Dauerwerbesendung spielen.

  • Claire Goodwin sagt:

    Mich schaudert. Ich habe gerne Ordnung, da sie mir das Suchen erspart. Ich habe aber zum Glück keine Zeit, irgendwelche Behälterchen mit schönen Schriften zu verzieren, auf dass es noch toller aussieht. Im Anspruch des druchdesignten, durchorganisierten und titpptopp aufgeräumten Haushalts spiegelt sich meiner Meinung nach eine komplett ichbezogene Haltung… Wenn ich mir ein Hausfrauendasein leisten könnte und zu viel Zeit hätte, dann würde ich mich karitativ bzw. ehrenamtlich beschäftigen wollen. Wenn schon, denn schon.

  • sophie sagt:

    der hausfrauentick ist ein zeichen der inneren leere.

  • nico cazzetig sagt:

    tja frau A. da haben wir wirklich ein problem. ich denke ich spreche für einige wenn ich sage dass die gesammte thematik langsam einem auf den zeiger geht! sie sollten sich vielleicht fragen wie und woher die problematik der gleichstellung kommt. da sie sehr wahrscheinlich gläubige resp christin sind (ob praktizierende oder nicht ist eigentlich wurscht), darf ich ihnen im voraus einen tip geben: frauenfeindlich! und dies seit ca. 2000 jahren wird die rolle der frau beinahe ins lächerliche geschoben. bevor der christus wahnsinn kam, wird affermativ behauptet dass die rolle der frau exakt dem der natur zukommt: einem wunder. die stellung damals gleichberechtigt wenn nicht sogar mehr (vorallem wenn mutter) , dies religions übergreifend.

    • Hansi sagt:

      Ich denke ich spreche für viele wenn ich sage, dass ich Frau Aeschbachs Text für eine originelle Perspektive auf den Aufräumtrend halte.

    • Carolina sagt:

      Ich denke, ich spreche für viele, wenn ich sage, dass Ihr Beitrag, nc, ziemlich unaufgeräumt und unverständlich ist – und Ihre merkwürdigen religiösen Bezüge sind mir völlig schleierhaft;-((

      • Leo Klaus sagt:

        Yup! Das tun sie. Frau A macht klar sichtbar wie besagte Influencerinnen allen Frauen welche sich vom Haushalt emanizipieren wollen einen Baerendienst leisten.

        Aus Erfahrungen im Bekanntenkreis kann ich sagen, dass das Hausfrausein einer der schlimmsten Dinge ist welche sich eine Frau tun kann. Nix gegen freie Entscheidung aber mit Gleichstellung ist es definitiv nicht kompatibel, und all diese schoene, laechelnde Influencerinnen machen jeder Frau das Leben nur noch muehsam.

  • Maria Cecilia Keller sagt:

    „Consumed“ auf Netflix ist für mich die eindrücklichste Aufräum -Show. Das sind harte Fälle – und eigentlich eher Familientherapien.

Kommentar

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