Was taugen Zyklus-Apps?

Immer mehr Paare setzen sowohl bei der Verhütung als auch beim Kinderwunsch auf Zyklus-Apps. (Foto: iStock)

Der Markt für mobile Applikationen, sogenannte Apps, wächst rasant und ist ein riesiger Marktanteil der Softwareindustrie geworden. Von daher erstaunt es nicht, dass diese Industrie den weiblichen Zyklus und die Vorhersagbarkeit respektive Bestimmung des fruchtbaren Fensters entdeckt hat. Sei dies wie bislang für die Verhütung, aber auch immer häufiger auch zur Unterstützung eines Kinderwunsches.

Das Prinzip dabei ist nicht neu, nämlich die Bestimmung des fertilen Fensters durch Beobachtung oder Messung verschiedener Zyklusparameter. Neu ist die Übertragung der Zyklusbeobachtungen an eine App, welche die Auswertung übernimmt. Diese Apps sollten also relativ präzise in der Vorhersage sein, da eine Abweichung von nur wenigen Tagen eine grosse Auswirkung haben kann: Bei Kinderwunsch führt das schlimmstenfalls zur Enttäuschung, bei Verhütung jedoch zu einer ungeplanten und ungewünschten Schwangerschaft.

Wie funktionieren reine Zyklus-Apps?

Anhand von Daten aus vergangenen Zyklen wie Zykluslängen oder früheren Temperaturanstiegen wird die fruchtbare Phase prognostiziert. Nun muss man wissen, dass der normale Zyklus eine relativ grosse Schwankungsbreite aufweist. Da stellt sich die Frage, was ein durchschnittliches fruchtbares Fenster nützt?

Der Eisprung und damit das fruchtbare Fenster verschieben sich ebenfalls von Zyklus zu Zyklus und können so nicht vorhergesagt werden. Ein Vergleichstest verschiedener Zyklus-Apps gegenüber ultraschallkontrolliertem und nachgewiesenem Ovulationstag zeigte in vier Zyklen keine exakten Vorhersagewerte, sämtlich getestete Zyklus-Apps lagen falsch, dies um mehrere Tage! Aufgrund der physiologischen Schwankungen der Zykluslänge und des Eisprungs lässt sich das fruchtbare Fenster nicht einfach anhand von vorhergehenden Zyklen vorhersagen und muss im aktuellen Zyklus bestimmt werden.

Mein Fazit:

Reine Zyklus-Apps sind nicht zu empfehlen, da das effektive fruchtbare Fenster oft verpasst wird. Sie können aber einen Überblick des Zyklusverlaufes geben und helfen, sich mit dem eigenen Zyklus vertraut zu machen. Ein neuer Parameter, der einfach und präzise das fruchtbare Fenster zuverlässig vorhersagt, ist derzeit noch nicht in Sicht. Es gibt auch keine adäquate, obligatorische Prüfung, die Genauigkeit der Apps basiert nur auf den Angaben der Hersteller.

Dennoch vertrauen immer mehr technikaffine Frauen diesen Apps: So erleben meine Kolleginnen und ich immer öfters, dass die Patientin im Rahmen eines Kontrolluntersuchs zur Feststellung, ob es zu einer ausreichenden Eizellreifung gekommen ist und wann mit dem Eisprung zu rechnen ist, findet, das Untersuchungsergebnis könne nicht stimmen, denn ihre App sage etwas anderes. Da bin ich manchmal schon etwas perplex.

22 Kommentare zu «Was taugen Zyklus-Apps?»

  • Helen I. sagt:

    Es ist schade, dass Sie die symptothermale Methode nicht erwähnen. Der von Ihnen verlinkte Warentest bescheinigt den drei Apps, welche von der symptothermale Methode Gebrauch machen, ein „gut“. Die symptothermale Methode nach der Arbeitsgruppe NFP (Universität Heidelberg) trägt den Zyklusschwankungen Rechnung und erlaubt ein sicheres Bestimmen der fruchtbaren Periode. Vorhersagen lassen sich die fruchtbaren Tage nicht, da haben Sie natürlich Recht. Man erkennt den Eisprung und damit das Ende des fruchtbaren Fensters aber nach dessen Eintreten. Mit der symptothermalen Methode kann man demnach zuverlässig verhüten, sei dies nun mit einer App oder mittels „Stift und Papier“.

  • CaraCarolina sagt:

    Ja Herr Schrader, man gebärt mit 29 weil die biologische Uhr tickt, obwohl es nicht passt, und trennt sich dann 5 Jahre später. Wie es den Kindern dabei geht, wird grosszügig ausgeblendet.

  • Karine Mueller sagt:

    Nicht vergessen: Spermien überleben bis zu 5 Tage im Körper der Frau, und der Eisprung kann auch mal ein paar Tage früher erfolgen. Wenn Sie die Kalendermethode (egal ob auf Papier oder elektronisch) mit Eisprung-Spotting (Temperaturmessen, Schleimhaut prüfen) unterstützen, wird’s auch nicht sicherer, denn wenn sich der Eisprung so ca. 2 Tage vorher mit Temperatur- und Schleimhautänderung ankündigt, ist es schon zu spät, den ungeschützten Sex von gestern ungeschenen zu machen.

    • Helen I. sagt:

      Die symptothermale Methode der Arbeitsgruppe NFP (sie heisst sensiplan) trägt dieser Tatsache Rechnung. Erst wenn über die Auswertung des Zervixschleims UND der Basaltemperatur den Eisprung detektiert haben, beginnt die unfruchtbare Phase, in der ungeschützer Geschlechtsverkehr in Ordnung ist. Vorher gelten andere Regeln, welche diese 5 Tage grosszügig berücksichtigen.

  • Lina Peeterbach sagt:

    Wenn „die Natur vorgesehen“ hätte, dass Frauen >30 nicht mehr schwanger werden dürfen, dann würde dann die Menopause einsetzen. Dies ist aber meines Wissens nicht der Fall. Dass es schwieriger wird, ist ein statistischer Fakt, den man bei der Familienplanung nicht vergessen darf, aber das bedeutet keinesfalls, dass mit 30 aller Tage Abend ist. Ausserdem spielen auch psychosoziale Faktoren eine Rolle beim „idealen Zeitpunkt“ – den es mMn sowieso nicht gibt! Ich habe meine 3 mit 35, 37 und 39 bekommen und für unsere Familie war dies der ideale Zeitpunkt.

  • Gerhard Engler sagt:

    @tststs: Bei 80jährigen Vätern besteht nur ein minimes Risiko, dass deren Kinder krank geboren werden. Bei Müttern > 50 Jahre ist diese Risiko massiv höher.

    • tststs sagt:

      Nun ja, ich möchte hier nicht – wie andere – die männliche und weibliche Biologie gleichsetzen.
      Aber gerade die weibliche Fertilität wurde in den letzten Jahren auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. 2 Erkenntnisse stechen IMHO heraus:
      1. Diese Errechnung der „guten Jahre“ zwischen Zwanzig und Dreissig beruhen auf Statistiken aus dem 19 Jahrhundert.
      2. Eine Frau die mit 35 Probleme hat, Kinder zu kriegen, hätte sie wahrscheinlich auch schon mit 25 gehabt.

      • Gerhard Engler sagt:

        Auch Frauen über 40 können problemlos schwanger werden. ABER: Das Risiko von Trisomie 21 steigt rapide an. Und daran hat sich seit dem 19. Jh überhaupt nichts geändert.

  • Schlumpfine sagt:

    Tja, ich erfasse meinen Zyklus aus praktischen Gründen seit Jahren, lange bevor der Kinderwunsch bei uns aufkam, mittels app. Von einem neuen Phänomen kann also hier nicht die Rede sein. Obwohl mein Zyklus nicht immer gleich ist, zeigt die app das Datum des Eisprungs ziemlich genau voraus. Da ich ihn deutlich spüre, kann ich das richtig einschätzen. Schwanger wurde ich mit 34 Jahren beim ersten Kind auf Anhieb, drei Jahre später klappte es im dritten Zyklus. Beide Male orientierten wir uns an der app. Natürlich spielen noch andere Faktoren für ein erfolgreiches Schwangerwerden eine Rolle. Eine gewisse Regelmässigkeit im Zyklus ist wohl Voraussetzung. Ein einfaches und pratisches Hilfsmittel ist die app allemal.

    • tststs sagt:

      Bin ganz bei Ihnen. Meine App benutze ich seit ein paar Jahren erfolgreich (Typ: Schwangerschaft vermeiden). Vorher hatte ich das analoge Äquivalent: diese kleinen Kalenderchen, die beim Frauenarzt gratis verteilt wurden.
      Wer die zusätzlichen Zeichen kennt, über einen einigermassen regelmässigen Zyklus verfügt und die nötige Spatzung einbaut, fährt IMHO hier ziemlich gut

    • Maike sagt:

      Das ist wirklich eine andere Generation, die Handy und App so dermassen in ihr Leben integrieren, das es Einfluss auf das Sexualleben nimmt.
      Allein der Gedanke – beide haben Lust aufeinander und sie sagt, Schatz, kurzer Moment Pause, muss schnell mal das Handy suchen, und wenn gefunden, dann per App checken ob das jetzt okay ist, und die App sagt nein… geht er dann duschen oder was ??

      • Niklas Meier sagt:

        Anders rum:
        Er hat keine Lust, aber er muss weil die App es sagt.

      • tststs sagt:

        Sie haben da elementar was missverstanden! Die App teilt ihnen nicht mit, ob Sie Sex haben dürfen oder nicht. Sondern was die möglichen Konsequenzen wären.
        Also nein, er geht nicht duschen, er holt was zum röllele 😉

      • Schlumpfine sagt:

        Eine andere Generation? Ich bin 41.. 😉

  • Ralf Schrader sagt:

    Im richtigen Alter, also vor dem 26. Geburtstag, wird man vom Tief- in- die- Augen- sehen schwanger. Später sollte niemand schwanger werden. Die Eier sind so alt wie die Frau und irgendwann zu alt, um noch ein Kind daraus gebären zu lassen. Spätestens mit 30 ist das der Fall. Aber ideal gebärt man zwischen 19- 26 und dann ist Schluss.

    • Maike sagt:

      Und ich dachte, das man in jungen Jahren allein schon vom Küssen schwanger wird. Aber was für die Eier der Frau gelten soll – muss das nicht auch für die Spermien des Mannes analog gelten ?

      • Walter Brunner sagt:

        Nein, für den Mann gilt das nciht. Spermien werden -eben im Gegensatz zu den Eiern- nicht „anfangs“ gebildet und dann gelagert sondern werden immer wieder „frisch produziert“.

      • Gerhard Engler sagt:

        Der wesentliche Unterschied zwischen Spermien und Eiern ist: Spermien werden täglich neu produziert, Eier sind zu Beginn der Pubertät bereits alle vorhanden. Deshalb weisen Eier zunehmend „Lagerschäden“ auf, Spermien jedoch nicht.

      • tststs sagt:

        Naja, was die Eier an Lagerungsschaden haben, haben die Eier aufgrund der veralteten Produktionsstätte 😉

        (Ernsthaft, je älter desto schwieriger, für beide Geschlechter, aber diese Zahl 19-26 ist schon längst überholt!)
        Und nein, Sie haben alle keine Ahnung. Nur Küssen mit geschlossenen Augen für zu Babies!

    • Lady Shorley sagt:

      Lieber Herr Schrader, ich kann gar nicht in Worte fassen, auf wievielen Ebenen Ihre Aussage einfach nur daneben ist.
      -Erstens kann Frau sehr wohl auch nach Dreissig noch schwanger werden. Ihre Theorie zu den alten Eiern ist damit widerlegt.
      -Dankenswerterweise dürfen Frauen selber bestimmen, in welchem Alter sie gerne schwanger werden möchten. Wir brauchen keine Männer, welche uns sagen, wann wir gefälligst unsere Körper untervermieten sollen.
      -Es gibt leider auch viele Frauen, die vor Dreissig nicht schwanger werden können, da hilft auch stundenlanges Anstarren nichts.
      -Wären Sie für eine gleiche Altersbegrenzung bei Männern, oder ist das dann“etwas anderes“?

      • Gerhard Engler sagt:

        Hr. Schrader hat massiv übertrieben. Aber man sollte sich bewusst sein, dass die Gefahr von schweren Geburtsschäden bei einer 50jährigen Frau hundert Mal höher ist als bei einer 20jährigen.

Kommentar

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