Die drei No-gos bei der Hautpflege

Zu viel Hautpflege schadet: Eine Frau vor dem Spiegel. Foto: Getty Images

Kürzlich wurde meine Gesichtshaut von einer Dermatologin mit einem sogenannten Visia-Scan geprüft. Dabei wird nicht nur die Hautoberfläche analysiert, sondern auch die tieferen Hautschichten. Eigentlich hatte ich ein gutes Gefühl. Als hellhäutiger, sommersprossiger Typ benutzte ich seit Jahren einen hohen Sonnenschutz. Und mit zunehmendem Alter auch reichhaltige Pflegeprodukte.

Als ich das Ergebnis des Screenings sah, erschrak ich zuerst. Denn neben der Hautelastizität und dem Feuchtigkeitsgehalt der Haut (beides war gut) sah man auch Hyperpigmentierungen und Couperose. Meine Pigmentveränderungen waren also nicht nur Sommersprossen, sondern schlicht Altersflecken, ausgelöst durch hormonelle Veränderungen. Und meine Hautrötungen waren sehr wahrscheinlich die Folge einer Überpflegung. Ich war irritiert: Hatte ich mit meinen «üppigen» Pflegeprodukten zu viel des Guten getan? In diesem Fall: ja! Drei No-gos:

1. Zu viel des Guten schadet

«Die Haut kann nicht unbegrenzt Pflegestoffe aufnehmen», sagt auch der New Yorker Dermatologe Dennis Gross. Im Gegenteil: es gelte, die Haut in der Balance zu halten. Durch einen Mix verschiedener Duft- oder Konservierungsstoffe kann nämlich die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört werden. Und dies kann zu Unreinheiten und/oder Rötungen führen. Somit werde ich meine reichhaltige Anti-Aging-Creme nur noch bei sehr kalten Temperaturen verwenden – oder als Handcreme.

2. Reinigen ja, putzen nein!

Nichts gegen die elektrischen Reinigungsbürsten, die Beauty-Expertinnen weltweit propagieren. Diese ein- bis zweimal in der Woche zu verwenden genügt. Wer über einen normalen Hauttyp verfügt, dem reicht eine gründliche Reinigung abends völlig aus. Der pH-Wert der Haut sollte idealerweise zwischen 4,5 und 5,75 liegen, dann ist die Zelloberfläche gut geschützt. Wer zusätzlich zu stark und zu häufig peelt und dazu Reinigungsmasken und -gels verwendet, muss sich nicht wundern, wenn sich die Haut zu wehren beginnt. Vielleicht braucht es etwas Aufwand, die passende Pflege zu finden, aber es lohnt sich auf alle Fälle, sich hier fachlich beraten zu lassen.

3. Diäten schaden der Haut

Dass sich eine gute Ernährung positiv auf unser Hautbild auswirkt, ist keine neue Erkenntnis. Umgekehrt bedeutet es jedoch auch, dass regelmässige Diäten – neben Rauchen, Alkohol und zu wenig Bewegung an der frischen Luft – zu einer frühzeitigen Hautalterung führen können. Eine besonders gute Wirkung auf die Haut haben dagegen Omega-3– und Omega-6-Fettsäuren, optimal in einem Verhältnis von 5:1. Zu finden sind Omega-6-Fettsäuren in Sonnenblumen-, Weizenkeim-, und Distelöl. Fetter Fisch (aus umweltgerechten Fang), Wal- und Macadamianüsse sowie Leinöl verfügen über Omega-3-Fettsäuren. Diese wirken auch entzündungshemmend und enthalten Vitamin E, das freie Radikale neutralisiert und so die Hautzellen schützt.

PS: Immer wieder höre ich beim Thema Hautpflege das Argument: «Meine Grossmutter benutzte immer nur die Fettcreme aus der blauen Dose und hatte auch noch mit 96 Jahren eine tolle Haut.» Das kann durchaus so sein. Aber in den letzten Jahren ist die Umweltbelastung durch Abgase, Smog, Feinstaub usw. in den Städten ungleich grösser geworden, als sie zur Zeit unserer Grossmütter war. Das ist keine Erfindung der Beauty-Industrie, sondern wird durch viele wissenschaftliche Studien gestützt. Pflegeprodukte (in allen Preisklassen), die Antioxidanzien enthalten, können unsere Haut vor den schädlichen Einwirkungen durch freie Radikale schützen.

16 Kommentare zu «Die drei No-gos bei der Hautpflege»

  • Philipp Graf sagt:

    Meine Freundin folgt auch dem „Heilversprechen“ der Kosmetikindustrie.
    Je ausgefallener /exklusiver die in mikrodosen (wissenschaftlich wirkungslosen) Inhaltsstoffe (z.B. Gold), desto mehr schaltet das weibliche Hirn aus.
    Dafür zahlt Frau viel zuviel und schmiert sich bedenkliche, schädliche Stoffe ins Gesicht. Und die RuferInnen in der Wüste bleiben ungehört: https://blog.tagesanzeiger.ch/vonkopfbisfuss/index.php/34325/schaedliche-kosmetik/
    oder einfach mal ein bisschen googeln hilft

  • Henri sagt:

    An sich braucht man doch überhaupt nichts auf die Haut zu schmieren, denn die Haut ist doch dazu gemacht, dass sie einen normalen Tag erträgt. Aber sowas kann wohl nur ein Mann finden.

    • Peter sagt:

      Nö, findet auch meine Frau, welche wesentlich jünger aussieht als ihr Alter. Und dann staunen die Kolleginnen immer wenn sie fragen welche Hautcreme sie verwenden würde. Abgesehen davon habe ich ein Interview mit einem Spezialisten gesehen, der für diverse hochangesehenen Firmen Cremen mixte und heute meint, der ganze Müll, der da reinkommt ist nur Marketing und nutzt praktisch nichts. Eine simple Creme würde genau das gleiche machen wie eine teure.

  • Sissi sagt:

    „Die drei No-gos… “ Es sind fünf; Pseudoanglizismen mit s am Schluss und Idiotenbindestriche „gehen“ auch „nicht“. Macht eine sehr lange Kur nach Anweisung von KMS a PR. Scheut Ihr nach der Behandlung immer noch den Gang in die Öffentlichkeit, sucht die Lebensberatung auf oder greift zu Blei. F.G. S.

  • Vierauge sagt:

    „«Die Haut kann nicht unbegrenzt Pflegestoffe aufnehmen» […] Durch einen Mix verschiedener Duft- oder Konservierungsstoffe kann nämlich die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört werden. “
    Das verstehe ich nicht – Pflegestoffe, Duftstoffe und Konservierungsmittel sind drei völlig verschiedene Dinge.
    Wenn man zuviel Pflegestoffe verwendet, sollte man weniger davon nehmen, also z.B. Tages- statt Nachtcreme oder Produkte für fettige statt für trockene Haut.
    Die Konservierungs- und Duftstoffe haben mit der Barrierefunktion der haut gar nichts zu tun, können in seltenen Fällen aber allergische Reaktionen auslösen. Leute, die solche Allergien haben, sollten die entsprechenden Stoffe meiden – aber nur die.

  • Madeleine C. Ludwig sagt:

    Aloe Vera und/ oder Arganoel als REINE Naturprodukte sind schlicht wunderbare Helfer… und WICHTIG: abends keine creme verwenden : die verstopfen nur die poren…!
    ich bin 71 1/2 und viele Personen schaetzen… ich sei: fuenfzig!!! (laufe viel + mache 2x woche Pilates + bleibe „sehr positiv“ = hilft dabei… + esse so gesund wie nur moeglich… rauche nicht – trinke wenig Alkohl; habe mit Haarefaerben (chemie) aufgehoehrt + habe mir eine „Natur-coiffeuse“ gesucht (www.): meine Haare haben sich seit einem Jahr wahnsinnig verbessert..! ALSO: nur probieren + unsere wahnsinnige NATUR respektieren..! good luck!!!
    Madeleine

  • Sophie Blanc sagt:

    Morgens wasche ich mich mit Wasser, dann Weleda tagescreme, abend wieder wasser, keine Creme, oder selten. Nie Sonnencreme, gehe nicht baden erstens und zweitens weiss man jetzt das die Sonnenschutzartikel nicht gut sind für die Haut. Eben, einfacher geht’s besser und gesünder. Aber warscheinlich kommt es auch auf die Haut an.

  • KMS a PR sagt:

    man muss möglichst viel mit bier machen. morgens eine bier-dusche, gesichtsmasken mir bier-crème, bier-massagen, bier-einläufe und nicht zuletzt bier magen-spülungen. bier erhält jung, gibt gute laune und blaut einem den grauen alltag auf.

  • Kerstin Moser sagt:

    Super, keine no gos bei mir, morgens kaltes Wasser, gesichts- und Augencreme, abends wieder mit Wasser waschen. Gut ist. Habe zwar keine Haut wie eine Südkoreanische Beauty queen, aber auch nicht wie ein pickliger Teenager. Und dafür viel mehr Zeit: weniger Zeit im Bad gebraucht, weniger Zeit beim Kosmetika Kauf und auch weniger Geld ausgegeben 🙂

  • Doris Aerne sagt:

    Jahrelang war ich bei der Kosmetikerin in Behandlung wegen entzündlicher Hautausschläge. Alles Pflegen und Salben half nichts. Dann der Rat in der dermatologischen Klinik: Hören Sie auf mit all dem Herumsalben, benutzen Sie morgens eine Sonnencrème, auch im Winter, Eucerin 50, abends nur eine Augencrème. Seither habe ich eine wunderbare Haut. Hautirritierend sind oftmals gerade die Crèmes, die eigentlich Schönheitscrèmes sein sollten.

  • Sina sagt:

    Einverstanden, zuviel Pflege tut der Haut nicht gut und führt vor allem zu Pickeln (Mallorca-Akne). Aber Couperose, welche Ihre Rötungen verursacht, ist eine entzündliche Hautkrankheit, die andere Ursachen hat, wie via Ihrem Link im Text oben schön nachzulesen ist. Da ist der Rat eines Dermatologen gefragt, nicht einer Kosmetikerin.

    • Luisa sagt:

      Bzw. Stewardessen-Krankheit wäre ein noch treffenderes Beispiel. Auf der anderen Seite müssen gerade Leute mit Neurodermitis intensive Pflege betreiben – aber mit den richtigen Mitteln.

    • Martin Frey sagt:

      Völlig richtig, Sina. Zudem würde ich dann noch vorschlagen, in solchen Texten auf die korrekte Schreibweise der Couperose zu achten wenn man so etwas schon erwähnt. Aber das ist ein Detail.
      „Aber in den letzten Jahren ist die Umweltbelastung durch Abgase, Smog, Feinstaub usw. in den Städten ungleich grösser geworden, als sie zur Zeit unserer Grossmütter war.“
      Auch wenn man das oft hört, es wird nicht wahrer. Das umgekehrte ist der Fall, denn gerade in den europäischen Städten (in Asiens Megacities ist das etwas anders) war die Luftbelastung Ende 19. sowie in der 1. Hälfte des 20. JH. massiv viel gravierender als heutzutage.

    • Vierauge sagt:

      hier müsste man noch ergänzen, dass das sehr auf die individuelle Haut ankommt, was „zuviel Pflege“ jeweils ist.
      Alle klaren Rezeptur, die hier zu lesen sind (Arganöl, Weleda Tagescreme, …), gehen für die Schreiberinnen jeweils sicher prima auf, lassen sich aber nicht verallgemeinern. Jede/r muss das wirklich selbst ausprobieren.

Kommentar

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