Weg mit der Altersdiskriminierung!

Von Kopf bis Fuss

Isabella Rossellini hat Schönheits-OPs stets abgelehnt. Trotzdem wurde sie wieder für eine Lancôme-Kampagne angefragt. Foto: Jemal Countess (Getty)

Während 15 Jahren war sie eines der charismatischsten Gesichter, das je für die französische Kosmetikmarke Lancôme geworben hat: Isabella Rossellini war keine glatte Schönheit, ihr haftete immer etwas Tiefgründiges und sogar etwas Dunkles an, das im Widerspruch zur oberflächlichen Modewelt stand. Und das sie auch als Schauspielerin in vielen ihrer Rollen verkörperte.

Rossellini war die perfekte Projektionsfläche für viele Frauen: Sie besass einen glamourösen Hintergrund mit ihrer schwedischen Mutter, der Hollywood-Schauspielerin Ingrid Bergman, verkörperte aber auch die bodenständige Mama mit dem Temperament ihres italienischen Vaters, des Regisseurs Roberto Rossellini. Doch Isabella Rossellini hatte das Pech, in einer Zeit als Model erfolgreich zu sein, in der Frauen ein klares Verfalldatum hatten. Nicht, dass die Situation heute viel besser wäre für Frauen, aber früher gab es praktisch keine erfolgreichen Models über 35.

Mit 43 Jahren fiel die Altersguillotine: Rossellini wurde vom französischen Kosmetikkonzern Knall auf Fall gefeuert. In einem Interview mit «Bild am Sonntag» erzählte sie 2016: «Sie sagten zu mir: Du bist zu alt, Frauen träumen davon, jung zu sein.» Dieser Rausschmiss machte ihr sehr zu schaffen. «Reife Frauen waren in Mode und Werbung nicht vertreten, so wurde ich einfach ausgetauscht. Ich fühlte mich sehr erniedrigt. Ich denke, es gibt eine Art Altersrassismus», sagte die heute 64-jährige Schauspielerin, Filmemacherin und Autorin.

Vom Bauernhof zurück ins Fotostudio

20 Jahre später lebt Isabella Rossellini auf Long Island ein völlig anderes Leben. Sie bewirtschaftet eine Biofarm, machte einen Film über das Sexualleben der Insekten und schrieb ein Buch über Hühnerzucht. Und Rossellini mag dieses einfache Leben. Doch dann kam der Anruf von Françoise Lehmann, die seit 2013 General Manager von Lancôme ist und die die ehemals Geschasste für eine neue, internationale Kampagne des Hauses buchen wollte.

Ein bisschen Photoshop kam dann aber doch zum Einsatz.

«Ich war extrem überrascht», sagte Rossellini der englischen «Mail online». «Mit 43 haben sie mich rausgeschmissen. Und jetzt bin ich 63. Und sie wollen mich wieder. Dabei bin ich nicht jünger geworden.»

Doch ihre Neugierde war grösser als ihre Verletztheit. Die beiden Frauen trafen sich, und Françoise Lehmann hatte die Grösse, Isabella zu sagen: «Wir haben einen Fehler gemacht. Ich möchte die Geschichte neu schreiben.»

Ob es sich genau so abgespielt hat? Wer weiss? Jedenfalls tönt die Geschichte gut. Und die Menschen lieben bekanntlich Happy Ends. Aber Fakt ist auch, dass Isabella Rossellini wieder in einer millionenschweren Kampagne von Lancôme mit ihrem Gesicht wirbt. Und, sie ist in guter Gesellschaft: Schauspielerinnen wie Helen Mirren (72) und Jane Fonda (80) gehören ebenfalls zum Club der reifen, werbenden Beautys. Wobei Mirren als natürliche Schönheit die extrem geliftete Fonda bei weitem in den Schatten stellt.

Reife Erotik

Auch Rossellini ist in der neuen Kampagne durchaus mit Photoshop etwas aufgefrischt, allerdings lehnt sie für sich kosmetische OPs ab. Sie habe auch Angst davor. Auch Botox komme für sie nicht infrage: «Ich kann mir nicht Gift ins Gesicht spritzen und biologisch essen.»

Sind diese prominenten Frauen über 60 also die neuen Vorbilder in der Beauty-Industrie? Ich bezweifle es. Ja, die Industrie hat die Kaufkraft der älteren Generation entdeckt. Ja, auch reife Frauen können Schönheit und Erotik ausstrahlen. Und ja, das Selbstbewusstsein älterer Frauen ist gewachsen. Viele haben keine Lust, sich auf ihre angestammten Rollen zurückzuziehen. Wenn sie dies wollen, dann ist das auch gut. Aber auch Frauen in einem gewissen Alter sollen die Möglichkeit haben, sich so zu inszenieren, wie sie es wollen. Und nicht so, wie es sich die Gesellschaft vorstellt.

Aber …

Rossellini, Mirren und Fonda wurden in erster Linie ausgewählt, weil sie erfolgreiche und berühmte Frauen sind. Stars. Erst wenn klassische Models im reifen Alter keine Ausnahmen mehr sind, sondern selbstverständlich für die verschiedensten Dinge werben, ist ein wirklich grosser Schritt getan. Weg von der Altersguillotine hin zur Diversität.

32 Kommentare zu «Weg mit der Altersdiskriminierung!»

  • Anh Toàn sagt:

    Aso, Schönheitsprodukte machen schöner und definieren dabei schöner als jünger. Nun können wir versuchen älter als schöner zu definieren. Aber dafür brauchen wir nichts zu kaufen, wir werden von alleine älter. Man könnte allenfalls Produkte verkaufen, die einem schneller älter aussehen lassen. Dafür wären aber auch wieder jüngere Modelle ideal, solche die alt aussehen halt. Aso, was bitte sollen ehrlich alt aussehende Models in der Schönheitsindustrie?

  • Lisa sagt:

    Ehre wem Ehre gebührt… Das unsäglich falsche Wort „Altersrassismus“ ist offenbar scheints zuerst ein Zitat von Rossellini. Was es nicht besser macht. Allerdings fragte ich mich, wie das auf Französisch hiess, und tatsächlich, mit ein wenig herumsuchen fand ich „racisme anti-vieux“. Blame it on the French intellos.

  • Lisa sagt:

    Da kommt mir immer ein Satz aus einem dieser Schneiderbücher-Jungmädchenromane in den Sinn (Dolly? Gigi? … was immer) – «Sie haben ein Haut wie ein 18jähriger Pfirsich.»

  • marsel sagt:

    Das heisst „Altersdiskriminierung“, mit der Rasse hat das nichts zu tun.

  • Jacques sagt:

    Was hat Rasse mit Alter zu tun? Alter ist rassenübergreifend. Ich bin ein ‚jeune homme‘ (60+) … – Früher jung und schön. Heute immerhin noch ‚und‘. Unterhosenwerbung hätte ich aber in keinem Lebensalter gemacht. Auch nicht für ‚Hom‘. Das passt besser zu ‚dolci Gigoli‘.

  • AA+ sagt:

    „reife Frauen“? Wie eine Frucht, die reif ist, um dann geerntet zu werden, um dann verspiesen zu werden?

  • Jessas Neiau sagt:

    Nein, es braucht nicht mehr alte Frauen in der Werbung, darauf verzichte ich gern. Nur noch lieber verzichte ich auf Werbung insgesamt.

  • Barbara Grohé sagt:

    Ich weiss nicht, worüber sich alle so schrecklich aufregen und Photoshop schreien. Ich denke, dass die Firmen da wohl ein entscheidendes Wort mitreden, denn ob L’Oreal oder Lancome ob Fonda, Rossellini oder auch Julia Roberts, alle Damen werden bezüglich Falten „bearbeitet“. Aber lieber reifere Frauen etwas bearbeitet für eine Anti-Age-Creme-Werbung als eine 25jährige.

  • Benni Aschwanden sagt:

    Frau Rossellini braucht keinen Beauty-Doc. Aber ganz dringend einen neuen Coiffeur.

  • H.Decurtins sagt:

    …………und mit 64 Jahren dunkelbraune Haare. Farbtopf und Fotoshop. Naja….. Da stehe ich lieber zu meinen original silberweisen Haaren, meinem Originalgesicht, nur bearbeitet mit Mascara von Lancome, Lippenstift matte von Mac, einer guten Hautcreme und einem Hauch orientalalischen Parfums .

  • sepp z. sagt:

    Der Begriff Altersrassismus, das veraltete Portraitfoto der Autorin und die restlichen retouschierten Bilder führen zum Fazit: Was für ein peinlicher Beitrag.

  • A. F. sagt:

    Regelmässig und gerne lese ich Ihren Blog. Warum aktualisieren Sie nicht ihr Foto? Das wäre einiges glaubwürdiger und Sie dürfen doch stolz auf sich sein.

    • Jessas Neiau sagt:

      Machen wir uns nichts vor. Auch die Schreiberin des „Beauty“-Blogs ist in den letzten Jahren nicht mehr schöner geworden. In ihrem Alter bleibt nur noch die weise Einsicht, dass wahre Schönheit von innen kommt.

  • marsel sagt:

    Die meisten Frauen ab 40 sind selber schuld, sehen sie alt und verbraucht aus. Haare kurzn, 10 Jahre älter innert Minutenfrist. Haare ab, +20 Jahre. Ganz egal, was die höflichen Freunde und Bekannten sagen, es ist einfach so.

    • Denise sagt:

      Selten so einen Schwachsinn gelesen, lieber Marsel mit s. Findest du lange graue Haare vielleicht schön? Und im Übrigen: Die meisten Männer ab 38 sind selber schuld, sehen sie alt und verbraucht aus: Haare Fehlanzeige, Biertrommel, Schlabberlook = +30 Jahre.

      • Corine sagt:

        „Findest du lange graue Haare vielleicht schön“? Ähm, also ich finde sie schön, sogar sehr, sehr schön! Habe kürzlich eine Freundin (52) wieder gesehen die ich lange nicht gesehen hatte. Neu trägt sie ihre Haare viel länger, völlig ungefärbt, verschiedene Schattierungen aber alles Grau. Sie sah so schön, so lebendig, so echt aus!

      • marsel sagt:

        Ich LIEBE lange graue Haare. Damit zeigt frau, dass sie sich noch nicht verabschiedet hat vom Frausein und nur noch praktisch/ökonomisch denkt. Ich freu mich jedenfalls drauf, wenn meine endlich soweit ist.
        Für HaarAUSFALL kann man niemanden verantwortlich machen, weder Mann noch Frau.

      • Kip sagt:

        @Marsel: wir haben es verstanden: Sie lieben lange Haare. Weiter im Text.

    • Dre Rohrbach sagt:

      @Denise, Ja. Lange graue Haare sehen toll aus. Sehr sogar. Und als Mann gebe ich Marsel mit S. hier Recht.

    • Nikki sagt:

      Als Frau muss ich Ihnen leider recht geben. Dieser typische Schweizerische Einheitskurzhaarschnitt ist einfach ohne Worte. Kurz wie ein Männerschnitt, vorne etwas toupiert. Verkauft wird er als rassig. Nur wenn man Richtung Tessin fährt., werden die Haare länger. Wie elegant und total wow das aussehen kann, realisiert man in Milano.

  • Sandra sagt:

    Ein bisschen Fotoshop??! Auf dem Foto sieht Rosselini aus wie 40! Da ist keine einzige Falte mehr im Gesicht.. das ist nur noch traurig.

  • Wohltat, Martin sagt:

    Frau Aeschbach möge vor der Anwendung ihr unbekannter Fremdwörter bitte im Vorfeld nachschlagen, was diese bedeuten. Wenn ein Journi, dessen Arbeitsmittel Sprache ist (!!!), Wörter wie „Altersrassismus“ durch den Äther jagt, zeigt er sich seiner Profession als so kundig wie ein Klempner, der die Kloschuessel mit Tesafilm an der Wand befestigt. Das ist einfach nur grottenpeinlich und sogar unter dem Niveau einer baz.

    • Jennifer sagt:

      Danke. Hab ich auch gefunden. Auch das Wort Altersguillotine finde ich absolut widerwärtig. Es könnte ja der elektrische Stuhl sein. Alles hier wirkt so ungeheuer nachgequasselt und verblödet. (63)

      • Kurt Neuhaus sagt:

        Das Wort ist wirklich eine Krönung im allgemein inflationären Gebrauch des Begriffs „Rassismus“.

    • Kip sagt:

      Das Wort ist ok. Rassismus ist gegen Menschen gerichtet. Hier im Artikel eben gegen ältere Frauen. Ihr seid das perfekte Beispiel für Leute, die ihr eigenes Weltbild ganz genau mit Lineal und Massstab abmessen.

  • Angela Frey sagt:

    ein „bisschen“ Photoshop ? ? ?

  • Reto Karrer sagt:

    Reife Erotik? Wohl eher intensive Bildbearbeitung….

Kommentar

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