Vaginale Verirrungen

Von Kopf bis Fuss

Lifestyle-Guru Gwyneth Paltrow vermarktet jeden Zentimeter des weiblichen Körpers. Foto: Layne Murdoch Jr. (Getty)

Ob naturbelassen, getrimmt oder glatt ist Geschmackssache. Die Pflege des Schamhaars kann durchaus aufwendig sein und setzt eine gewisse Fingerfertigkeit voraus. Laut einer aktuellen US-Studie endet jeder vierte Versuch des Trimmens oder Wachsens des weiblichen Intimbereichs mit Schnitten und Infektionen. Und schon Marilyn Monroe bezahlte die Schamhaarbleichung mit Wasserstoffperoxid mit Verbrennungen. Heute sind die Methoden, das Schamhaar aufzuhellen, sanfter. Es gibt beispielsweise Schamhaartönungen, und dies sogar in Neonfarben, die auch im Dunkeln leuchten.

Neben dem Trend zum äusserlichen «Tuning» werden in letzter Zeit im Internet immer mehr Empfehlungen und Tipps zur inneren Pflege der Vagina verbreitet. Und hier ist Vorsicht geboten! Denn dies kann die Schleimhaut reizen, sodass die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht gerät. Mit diesem Gleichgewicht ist das saure Milieu (pH-Wert unter 4,5) in der Scheide gemeint. Stimmt dieses, haben Bakterien, Viren und Pilze keine Chance.

Rosenquarz-Eier und Dampfbäder

Bei der Suche nach neuen Körperregionen, für die Produkte vermarktet werden können, war es nur eine Frage der Zeit, bis die weibliche Vagina entdeckt wurde. Denn sonst gibt es ja fast keine Stelle am weiblichen Körper, für die noch keine Optimierungsprodukte angeboten werden. Und bevor findige Beauty-Menschen auf die Idee kommen, dass man auch den Bauchnabel beduften könnte, ist jetzt anscheinend erst mal die Vagina an der Reihe.

Als Trendsetterin agiert hier, wie so oft, Gwyneth Paltrow, die gemerkt hat, dass sie mit überflüssigen und überteuerten Lifestyle-Produkten mehr Kasse machen kann als mit der Schauspielerei. Auf ihrem Webportal Goop wirbt sie regelmässig für Luxusartikel für Superreiche oder solche, die es werden wollen. Paltrow war die Erste, die beispielsweise golfballgrosse Jade- oder Rosenquarz-Eier propagierte, die nach ihrem Einführen den weiblichen Zyklus regulieren und die weibliche Energie stärken sollen.

Was wie ein schlechter Witz tönt, ist gesundheitlich nicht ohne Risiko: Da die Oberfläche von Kristallen porös sein kann, drohen Infektionen. Und auch die Dampfbäder für die Vagina, die Paltrow kürzlich propagierte, sind nur eines: überflüssig. Man kann diese «innerliche Säuberung» als lächerlich abtun, mich ärgert sie total. Denn alle diese Bestrebungen sollen uns Frauen ja vermitteln, dass wir da unten «nicht sauber» seien. Und mich erinnern solche Aussagen an meine Teeniejahre, als mir meine Mutter Intimspray mit Rosenduft empfahl, der alle möglichen Gerüche überdecken sollte.

Die Vagina mag keine Seife

Heute ist es nicht mehr der Rosenduft, aber perfektioniert wird immer noch. Frau sollte haarlos, glatt und gebleacht sein. Der neuste Trend der Schönheitschirurgie: Mit Radiofrequenz-Therapie soll für eine bessere Spannkraft der Schamlippen gesorgt werden, und sonst kann man ja immer noch das Messer ansetzen.

Trend hin oder her. Bei der Intimpflege gilt: Einmal am Tag mit lauwarmen Wasser waschen reicht völlig. Wer Intimpflegeprodukte verwenden möchte, sollte unbedingt pH-neutrale, unparfümierte Artikel verwenden. «Normale» Duschgels und Seifen sind für die Vagina ungeeignet, da sie oft zu aggressiv sind und so den Schleimhäuten und der Scheidenflora schaden.

Und falls Sie trotzdem mit einem Jade-Ei à la Paltrow liebäugeln: Vergessen Sie es, die Eier sind (zum Glück) ausverkauft.

28 Kommentare zu «Vaginale Verirrungen»

  • Bärbel sagt:

    Der Hype um die Vagina! Vor allem die jüngeren Frauen werden in den Strudel gezogen. Sexuelle Befreiung! Dass ist nicht lache…sie machen sich zum Deppen
    vor den Männern. Stopft nur weiterhin alles rein, die sexuellen Objekte machen sich selber zum Objekt. Letztendlich wird damit nur Geld gemacht von Leuten, die sich ins Fäustchen lachen, wie mit dem Trieb und der Eitelkeit der Menschen
    verdient werden kann. Wo ist eigentlich die Intimität geblieben, gibts die noch?
    Ach so..ihr wisst nicht, was das ist. Ja. Früher gabs das mal, die Alten sprechen manchmal noch davon. Soll was schönes gewesen sein, so ein bischen geheimnisvoll..munkelt man.

  • Ri Kauf sagt:

    Habe mal ne Sendung im Radio über Llifting der Schamlippen gehört. Es war eine Frau in der Sendung die das bei sich machen liess. Sie hat absolut davon abgeraten. Es verursacht höllische Schmerzen auch nach der Operation. An Geschlelchtsverkehr ist nicht mehr zu denken.

  • Jo Mooth sagt:

    Männliche Vaginas gibt es nicht, also ist das Adjektiv „weiblich“ davor unnötig.

  • Vivian sagt:

    Napoleon liess seine Josephine per Kurier seine nahende Rückkunft melden mit der Bitte an die Geliebte, sich Tage zuvor nicht zu waschen.

  • Gilbert Kessler sagt:

    Wenn ich solche Artikel über diese Art klinisch optimierter life-style-Frauen lese, kommt mir immer wieder Erich Kästners Gedicht „Sogenannte Klassefrauen“ in den Sinn.
    Ich würde es jedem zum lesen empfehlen… vor allem den life-style-Frauen.

  • Karl-Heinz sagt:

    Ich würde das Jade-Ei nicht so verteufeln. Bei sachgerechter Anwendung kann es
    sehr gut zum Training des Beckenbodens verwendet werden und hier auch einer
    möglichen Inkontinenz vorbeugen. Und wer Bedenken wegen der Porosität hat,
    es gibt die Eier auch aus anderen Materialien mit geschlossener Oberfläche.

  • Ruedi Obermeier sagt:

    Es ist sehr schade, dass den Frauen dank neuester massiver Sexualunterdrückung (läuft über die Schiene ‚Feminismus‘ mit gleichzeitig grösstem ‚Fairständnis‘ ggn. eingewanderter (meist islamischer) Frauenverachtung – beides ergänzt sich prima! ) nun also beigebracht wird, dass ihre Intimpflege Thema öffentlicher Diskussion sein soll.
    Eine ‚modische‘ Schamhaar-‚Frisur‘ gehöre für die aufgestellte Frau also dazu – oder so.
    Was für eine Verhöhnung der Bevölkerung, da doch einvernehmlicher, selbstbewusster Sex – und nur der kann ja genussvoll sein und nur darum geht es ja! – unter den genannten gesellschaftlichen Bedingungen kaum mehr möglich ist!

    • Claude Fontana sagt:

      Hey, Die Wirtschaft muss angekurbelt werden. Warum nicht eine Tamponwaschmaschine verkaufen? (man redet einfach von recycling,schon läuft das geschäft)Irgendwer kauft das schon. Der intimfrisör, der Zahnpiercer, Tattookünstler und -entferner müssen auch von was leben, das sind die neuen Digitalisierungssicheren Jobs.
      Das ganze leben lang elektrisch Zähneputzen, und sich ab 30 über schwabbelige Oberarme beklagen. jaja.Da muss dann der Chirurg ran.

  • Heinz Peter sagt:

    Bei den Gerüchen manchmal wären Pflegemitttel sicher nichts schlecht.

  • Regula Schönbächler sagt:

    Sehr geehrte Frau Äschbach, irgendwie finde ich das ein bisschen seltsam. Sie verurteilen den Blog von Paltrow und doch machen Sie mit Ihrem Beitrag Werbung dafür? Hab den Blog vorher nicht gekannt, muss aber sagen, dass ich ihn recht interessant und gut gemacht finde.

  • michael sagt:

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, was so alles ausgegraben wird, um noch mehr Geld mit unnützen Dingen zu verdienen. War es früher die Mode, die jedes Jahr so komplett wechselte, das man die Sachen des letzten Jahres absolut nicht mehr zu tragen waren, kam dann die Cremes und Wässerchen. Aktueller Hype ist die Wahl der Diät oder des lebensmittel, Fleisch, Vegetarisch oder Vegan. Und jetzt kommt offensichtlich der Körper drann. Erstaunlich daran finde ich, das trotz des klar erkennbaren Unsinns es immer wieder Menschengibt, die das mit aller Konsequenz mitmachen.

  • Balu sagt:

    Vir ein paar Wochen wollte mir der Verkäufer in der Drogerie Müsterli von einer Intimpflege andrehen.
    Hab ihn gefragt, ob er wisse, dass die mehr schaden als nützen.

  • Marusca sagt:

    Hier gilt es offenbar einmal mehr, die Sorgen und Nöte einer zum (grossen) Teil zwischen Blödheit und Dekadenz surfenden Gesellschaft zu thematisieren. Mehr nicht.

  • reto leuppi sagt:

    «Überflüssige Lifestyle-Produkte», das ist die Kernaussage. Ebenso sind geschätzte 87,7% der Hygiene- und Kosmetikartikel für Mann und Frau überflüssig. Auch Autopolituren und Hundemäntel etc. sind überflüssig. (Ich weiss, dass auch mein Kommentar hier überflüssig ist, da sich dem Körperwahn verfallene ähnlich verhalten wie Drogensüchtige und ihr Zwangsverhalten bestimmt nicht ändern.)

  • Maura Hailey sagt:

    Super-Kommentar! Danke. Schon schräg, was viele Frauen unter uns sich antun. Als ich über die leuchtenden ‚Neonfarben, die nachts leuchten‘ musste ich so fest lachen…obwohl das eigentlich alles andere zum Lachen ist. Und meines Wissens sind ja Schamhaare auch als Schutz für unsere intimste Stelle gedacht. Schon eindrücklich, was uns der Körper-Markt uns Frauen anzudrehen versucht!

    • Jacques sagt:

      Na ja, in einem Komödien-Film gab es auch leuchtende Präservative in allen Farben. Das brachte mich auch zum Lachen …
      p.s.: Sonst sah man ja nichts in der Nacht Raffinierte ‚Zensur‘.

  • Andra sagt:

    Danke, liebe Frau Aeschbach, einmal mehr für Ihren guten, hilfreich formulierten Artikel!
    Für Frauen, die etwas mehr als Wasser, aber weniger, als Intimwaschlotionen (die nicht alle über jeden Zweifel erhaben sind) zum Waschen der äusseren Genitalien bevorzugen, bietet sich gesundes Naturjoghurt an. Ein Esslöffel davon reicht, und bei Bedarf kann man es mit ein paar Tropfen eines guten Öls, z.B. Granatapfelkernöl, vermischen.

  • Michelle sagt:

    Mit ihrer Vagina kann jede Frau machen, was sie will. Aber wetten, dass hier noch ein paar Männer-Tips kommen?

    • Jacques Zimmer sagt:

      Genau, hier kommen sie, die Tips: Frauen, lasst alles so natürlich wie möglich. Mir gefällt es gerade, wenn eine Frau nicht rasiert ist, d.h. wenigstens nicht so glatt wie ein Poulet. Und auch irgendwelche künstlichen Duftstoffe sind völlig unnötig. Eine gesunde Frau riecht nicht unangenehm, auch wenn sie für die Intimpflege keine Seife nimmt. Oder vielleicht gerade deshalb.

      • Max sagt:

        Also ich mags glatt rasiert und frisch gewaschen. Allerdings auf keinen Fall Parfum und nur duftneutrale Waschlotionen, Shampoos etc.

    • Sven sagt:

      Weiss nicht, ob man das in diesem Blog sagen darf, aber mir gefällt es schön glatt rasiert: Mag keine Haare im Mund…

    • Marcus Ballmer sagt:

      @Zimmer, Max und Sven: ihr habt es alle nicht gecheckt. Dreibeiner habe hier einfach mal die Klappe zu halten und das Thema denen zu überlassen, die es betrifft. Ist das so schwer?

      • Heinrich sagt:

        @marcus: wenn du meinst! vielleicht wollen die drei aber auch ganz einfach prophylaxe betreiben und kommunizieren, was man(n) mag oder eben nicht. sonst müssen wir uns vielleicht bald #whynomanwantsme antun, und das fänd ich wirklich saublöd.
        apropos saublöd: g. paltrow fällt für mich in genau diese kategorie.

Kommentar

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