Warum Selena Gomez ein Vorbild ist

KF

Bei Selena Gomez steht 2018 die Gesundheit an erster Stelle. Foto: Samir Hussein (Getty)

Niemand hat auf Instagram mehr Follower als Selena Gomez. Weltweit über 133 Millionen, vor allem junge Menschen, bewundern die US-Sängerin für ihre Karriere, ihr blendendes Aussehen und ihren glamourösen Lebensstil. In nächster Zeit könnten durchaus noch einige Fans hinzukommen. Zum Beispiel ich.

Obwohl ich altersmässig nicht unbedingt in ihre Zielgruppe gehöre, bewundere ich die 25-Jährige für ihren offenen Umgang mit ihren psychischen Problemen, genauer gesagt mit ihren Depressionen und Angstzuständen. Als Betroffene von Panikattacken, die ich unter anderem in meinem Buch «Leonardo DiCaprio trifft keine Schuld» verarbeitet habe, wäre ich, vor allem zu Beginn meiner Krankheit, sehr froh gewesen, hätte es schon damals Menschen gegeben, mit denen ich mich hätte identifizieren können. Und obwohl sich bezüglich Stigmatisierung und Aufklärung in den vergangenen Jahren einiges getan hat, haben auch heute noch viele Betroffene Mühe, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Ein lebenslanger Kampf

Es ist nicht das erste Mal, dass Selena Gomez in Interviews über ihre psychischen Probleme gesprochen hat. Aber so offen wie kürzlich im US-Magazin «Harper’s Bazaar» wohl noch nie: «Der Tag wird nie kommen, an dem ich mich in einem meiner schönen Kleider bewundern werde, und denke: ‹Hey, ich habe gewonnen!› Ich bin überzeugt, dass ich meinen Kampf gegen meine Krankheiten ein Leben lang führen werde. Aber das ist okay, weil ich so meine Bedürfnisse immer an erster Stelle stellen werde.»

Den ersten Schritt zu einem gesunden Jahr hat Gomez bereits gemacht. Anfang Januar unterzog sie sich einer zweiwöchigen Behandlung wegen Depressionen und Angstzuständen. Freiwillig, als reine Vorsichtsmassnahme, heisst es aus ihrem Umfeld. Gomez wollte sichergehen, dass sie gesund bleibe. «Wenn dem so ist, wird sich der Rest schon ergeben», erklärte sie diesen Schritt.

Mit dieser Offenheit geht die Sängerin neue Wege. Und dies in einer Branche, in der alles unternommen wird, um «psychische Störungen», seien es Süchte oder Depressionen, totzuschweigen. Erst wenn junge Stars wie River Phoenix, Heath Ledger oder Cory Monteith an den Folgen ihres Lebensstils sterben, kann man diese Tatsachen nicht mehr unter dem Deckel halten. Natürlich sind nicht nur Künstler von Abhängigkeiten oder von psychischen Problemen betroffen, aber sie sind besonders gefährdet, leben sie doch ständig in einem extremen Zustand: Einerseits müssen sie ihre Sensibilität für ihren kreativen Ausdruck anzapfen, andererseits brauchen sie eine besonders dicke Haut, wenn es um Kritik, Ablehnung und Konkurrenz geht.

Motivation für andere

Dass Gomez bezüglich ihrer sensiblen Gesundheit nie hinter dem Berg gehalten hat, zeigten schon 2015 ihre offenen Aussagen bezüglich ihrer Lupus-Erkrankung. Und ein Foto, das sie letztes Jahr nach überstandener Nierentransplantation zusammen mit ihrer Freundin Francia Raisa  – die ihr eine Niere gespendet hatte – zeigte, ging um die Welt. Es ist zu hoffen, dass nicht nur dieses Foto den Menschen sprichwörtlich an die Nieren gegangen ist, sondern dass sie auch mit ihren neuen, mutigen Bekenntnissen viele Menschen motivieren kann, sich Hilfe zu holen.

Bei Angst- und Panikstörungen bieten die Angst- und Panikhilfe Schweiz oder die Schweizerische Gesellschaft für Angst & Depression Hilfe an.

9 Kommentare zu «Warum Selena Gomez ein Vorbild ist»

  • Nicole sagt:

    Ich finde es echt toll, dass Selena zu ihrer Angststörung steht. Man fühlt sich nicht so alleine mit dieser Krankheit. Wer Angststörungen und Panikattacken nicht kennt kann sich wirklich glücklich schätzen, das wünsche ich niemandem. Mehr Verständnis würden wir uns aber trotzdem von Außenstehenden wünschen. Und nein, mit Demenz hat es bestimmt nicht zu tun.

    Vielen Dank Frau Aeschbach für diesen Artikel!

  • Rüdiger sagt:

    Eine die immer wieder blöd genug ist und zu Justin Bieber zurückkriecht, ist sicher kein Vorbild. Oder soll ich meiner Tochter vermitteln, dass Sie so wie Selena werden soll (sprich vom Bieber versaut/verhunzt und non-stop verarscht werden)? Give me a break

  • Sonnenschein sagt:

    „Künstler“ (Künstlerinnen auch?) seien besonders gefährdet, an psychischen Krankheiten zu erkranken? Als Folge ihres Lebensstils..? Hat die AutorinBelege dafür? Ich habe bisher eher das umgekehrte gelesen, dass manches psychische Leiden mit Kreativität einhergeht, obwohl auch das nicht immer bestätigt wird.

  • Betroffen sagt:

    Gewisse Kommentare hier zeigen sehr gut das Unverständnis gegenüber psychischen Erkrankungen. Wer depressiv ist, ist nichts wert oder nimmt Drogen, macht es zum Selbstzweck etc. Genau wegen solchen Kommentaren ist das Stigma immer noch so gross. Kein Wunder verschweigen viele ihre Krankheit und leiden im Stillen. Und wenn dann mal jemand wortwörtlich über die Klippe springt, dann sind es die gleichen Kommentatoren, welche hämische Kommentare darüber verfassen.

  • Roland K. Moser sagt:

    „…Ich bin überzeugt, dass ich meinen Kampf gegen meine Krankheiten ein Leben lang führen werde. Aber das ist okay, weil ich so meine Bedürfnisse immer an erster Stelle stellen werde…“
    Sie hat aufgegeben.

  • Jeanne sagt:

    Die Offenheit mit psychischen Problemen umzugehen, erfordert ganz viel Mut und beweist noch mehr Stärke. Wer diesen Schritt wagt, ist auf gutem Weg. Das gilt nicht nur für Promis. Jeder, der zugeben kann, Hilfe zu suchen und auch anzunehmen, sollte den grösstmöglichen Respekt bekommen.

    • Peter Aletsch sagt:

      Vielleicht kann sie sich die Offenheit leisten. Oder sie ist förderlich ihrer Karriere, oder umgekehrt : käme es darüber zum tuscheln, wäre sie beendet. Selbstoptimierung gemäss Tingler.

  • Feldman irene sagt:

    In der Offenheit liegt die Stärke!! Sie ist 25 Jahre alt doch vielen 1000 von schritten voraus. Offenheit ist Freiheit, Erleichterung, vorallem wenn man sich einen dreck um die verbissenen-engstirnigen kümmert. Ein guter Artikel Frau aeschbach, danke.

  • Grossi sagt:

    Vielleicht sind es Vorbote der Demenz. Oder kifft sie ?

Kommentar

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