Pasta macht nicht dick!

Sündhaft lecker: Teigwaren sind bei vielen Ernährungslehren wegen ihrer Wirkung auf Körper und Gewicht umstritten. (Foto: iStock)

Wir leben im Schlaraffenland. Noch nie zuvor gab es in der Geschichte der Menschheit ein derart umfang- und abwechslungsreiches, sicheres und qualitativ hochwertigeres Angebot an köstlichen Lebensmitteln – und das zu moderaten Preisen, für jedermann erschwinglich, bei nahezu permanenter Kaufbarkeit. Mangelernährung in der Schweiz war einmal. Stattdessen können wir alle essen, was, wann und wie viel wir möchten – ein lukullischer Traum ist wahr geworden.

Ein von paranoiden Ernährungshypochondern übervölkertes Internet hört allerdings nicht auf, dem «Status Schlaraffia» Widerstand zu leisten. Jetzt, in Zeiten des kulinarischen Kairos, offenbaren sich Phänomene, die sich nur eine übersättigte Wohlstandsgesellschaft «leisten» kann. Die Pathologisierung unserer Grundnahrungsmittel wuchert durchs Web wie eine virtuelle Riesenkrake: Wurst macht Krebs, Weissbrot fördert Diabetes und generell stehen alle Kohlenhydrate, übrigens seit Jahrhunderten unser Energielieferant Nummer eins, als «ungesunde Dickmacher» am Pranger.

Diktat kontra Kohlenhydrat

Wie sich das für eine ordentliche (kulinarische) Hexenjagd gehört, so gilt auch hier: Kohlenhydrate werden willkürlich zu «Schuldigen» (v)erklärt, ohne dass dem auch nur ein einziger wissenschaftlicher Beweis zugrunde liegt. Anstelle harter Evidenz blubbern wachsweiche Filterblasen, gespeist mit postfaktischer Pseudopropaganda, durch das Worldwideweb und verseuchen die Hirne gutgläubiger Gesundheitsvergötterer. Für alle mündigen Essbürger mit eigener Meinung hingegen wird das faktisch fundierte Argumentieren immer schwerer. Bis jetzt.

Wussten Sie, dass weder wissenschaftliche Beweise vorliegen, dass Kohlenhydrate Krankheiten fördern oder gar verursachen, noch dass sie als Dickmacher gebrandmarkt werden können? Nachdem das Schweizer Lieblingsgetränk Kaffee sein ungesundes Image inzwischen erfolgreich abgelegt hat, folgt nun die (längst überfällige) wissenschaftliche Rehabilitation der Kohlenhydrate, unseres unumstrittenen Energielieferanten Nummer eins.

Auf Basis der kritischen Analyse einer Vielzahl aktueller Studien – fundierte Argumente, warum niemand Angst vor Brot, Kartoffeln und Pasta haben muss. Denn obgleich Low Carb gerne als heiliger Gral gesunder Ernährung bezeichnet wird, muss man objektiv klar konstatieren: Hier verrichten findige und windige «Powerseller» ihr Werk mit dem Ziel, den Menschen Besser-Esser-Stile und Spezialprodukte zu verkaufen, die völlig überteuert und dabei absolut wirkungslos sind (wussten Sie, dass Low-Carb-Teigwaren 17-mal so viel wie Weizen-Spaghetti kosten?).

Das «banale» Geheimnis

Uwe Knop: Gute Carbs – Warum Sie sich nicht vor Brot und Nudeln fürchten müssen, riva-Verlag.

Nur weil in den Medien von zahlreichen Prominenten, wie beispielsweise den «Royal Sisters» Pippa und Kate Middleton, berichtet wird, die mit Low Carb «ganz toll viel abgenommen haben», sollte niemand auf das Märchen hereinfallen, dass Kohlenhydrate dick machen. Low-Carb-Diäten sind langfristig genauso unwirksam wie alle anderen Abspeckmethoden, da sie unisono auf demselben Prinzip basieren, das nach der Diät zu 100 Prozent zum Jo-jo-Effekt führt: Weniger Kalorien aufnehmen als verbrauchen und den Körper in einen Energiemangelzustand bringen – das ist das einzige, ganz banale «Geheimnis» hinter «Schlank mit Low Carb».

Fakt ist: Kohlenhydrate sind unser Hauptenergielieferant, unser Hirn «liebt» Glukose als Einzelnahrung wie ein Koala seine Eukalyptusblätter. Lassen Sie sich also vom derzeitigen Pasta-Bashing-Hype nicht ihr köstliches Essen vermiesen – denn Pasta, Brot und Kartoffeln machen weder dick noch krank.