Zurück zur Natur

Vorher und nachher: Model Crystal Hefner liess die Implantate ihres «Playboy»-gerechten Doppel-D-Busens herausnehmen. (Bilder: Instagram)

Vorher und nachher: Model Crystal Hefner liess die Implantate ihres «Playboy»-gerechten Doppel-D-Busens herausnehmen. (Bilder: Instagram)

Geschätzte 300’000 Amerikanerinnen pro Jahr lassen sich ihre Brüste mit Silikon oder Salzlösungen vergrössern. 2014 liessen rund 24’000 ihre Implantate wieder entfernen, so die American Society of Plastic Surgeons. Dies bedeutet eine Zunahme von 10 Prozent in den letzten sechs Jahren. Und auch in Hollywood, wo lange Jahre das Motto «je voller, desto toller» galt, schrumpfen viele Stars und Sternchen wieder auf Normalmass zurück. Nicht zuletzt, weil Schauspielerinnen wie Keira Knightley oder Kate Beckinsale zeigen, wie schön kleine (natürliche) Brüste sein können, da sie harmonischer zu einem zarten Körperbau passen. Viele Vorreiterinnen des «American Body» – so der Name jener Körper, deren umfangreichste Stelle der künstliche Busen ist – sind karrieremässig auf dem Abstellgleis gelandet. Brigitte Nielsen oder Pamela Anderson tingeln mittlerweile durch drittklassige Shows. Wobei Anderson durchaus über eine gewisse Selbstironie verfügt, wenn sie sagt: «Mein Busen hatte eine fabelhafte Karriere – ich bin einfach immer nur mitgetrottet.»

Eine üppige, künstliche Oberweite mag in einer gewissen Branche, in der es mehr um die horizontale Leistung als um Intellekt und Talent geht, sicher immer noch förderlich sein, in der Modebranche hingegen gilt seit jeher: je weniger, desto besser. Da war es auch nicht überraschend, dass sich die Stilikone Victoria Beckham in den letzten Jahren oberweitemässig immer weiter reduzierte: von einem künstlichen Doppel-D über ein B bis hin zu ihren natürlichen Massen, einem A.

Auf der Suche nach dem «authentischen Selbst»

Nun gibt es aber auch eine neue Generation von Frauen, die sich über ihre grosse Oberweite definiert haben und nun keine Lust mehr auf ihre Fremdkörper haben. Einige von ihnen, die ihre Karriere durch Doppel-D angekurbelt oder sie der Grösse DD sogar zu verdanken haben, setzen nun wieder (medienwirksam) auf ihre alten Masse und lassen uns via Instagram an ihrer Verwandlung teilnehmen. Neben Crystal Hefner, «Playboy»-Sternchen und Ehefrau des «Playboy»-Gründers Hugh Hefner, und der Schauspielerin Melissa Gilbert machte vor allem die Mutter der Topmodels Gigi und Bella Hadid Schlagzeilen, weil sie sich von ihrem künstlichen Busen getrennt hatte. «Ich wurde gezwungen, mein authentisches Selbst zu ehren, und besitze es nun voller Respekt», zitiert die «Süddeutsche Zeitung» den US-Serien-Star Yolanda Hadid («The Real Housewives of Beverly Hills»). Seit Jahren kämpft sie öffentlichkeitswirksam gegen die Folgen von Borreliose. Grund für die Rückkehr zur Natur soll jetzt aber, laut amerikanischen Medien, eine angebliche «Breast Implant Illness» sein, eine Krankheit, die schuld an vielen diffusen Beschwerden sein soll.

«Die Krankheit soll in einer Vielzahl von unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen, Muskel- und Gliederschmerzen, Hormonstörungen, schneller Alterung, Haarausfall, psychischen Veränderungen und Autoimmunerkrankungen sichtbar sein», sagt die Zürcher Schönheitschirurgin Gertrude Beer. Den neuen Krankheitssymptomen steht sie allerdings kritisch gegenüber: «Eine ähnliche Welle gab es auch schon – ausgehend von den USA – vor über 25 Jahren, als die Silikon-Brustimplantate mit Autoimmunerkrankungen in Zusammenhang gebracht wurden. Davon ist nichts übrig geblieben.» Ob eingebildet oder wahr: Bis in die Schweiz hat es die Krankheit noch nicht «geschafft». Von den geschätzten 5000 Frauen pro Jahr, die sich laut Beer in der Schweiz die Brüste vergrössern lassen, wünschen sich sowieso die wenigsten Frauen Doppel-D und mehr. «In meiner Praxis wird im Durchschnitt eine Cupgrösse C gewünscht», sagt Beer.

Mit Komplikationen muss gerechnet werden

Die Professorin weiss allerdings aus Erfahrung, dass es vor allem die sehr grossen Kissen sind, die Probleme machen. Und die Brustvergrösserungen mit Implantaten können durchaus zu Komplikationen wie Entzündungen, schlechten Narbenbildungen, Implantatfehlpositionen, Kapselfibrosen oder auch zu Anaplastic Large Cell Lymphoma (ALCL), einem bösartigen Lymphzellkrebs in Zusammenhang mit Implantaten, führen. Wer sich von seinen Kissen verabschieden will, sei es aus gesundheitlichen Gründen oder aus ästhetischen, kann das mit einem relativ simplen chirurgischen Eingriff tun: «Die Kissen werden genau so entfernt, wie sie reingemacht wurden», erklärt Beer. Ausser Spesen ist am Ende also nichts gewesen. Chrystal Hefner hat als ihr Ziel auf Instagram gepostet: «Mein wahres Ich zu umarmen und zu lieben.» Fragt sich nur, was ihr Sugardaddy Hugh Hefner zu so viel Natürlichkeit sagt. Fragt sich allerdings sowieso, wie viel er mit seinen 90 Jahren von dieser Veränderung überhaupt noch wahrnimmt.

18 Kommentare zu «Zurück zur Natur»

  • cw sagt:

    Ich möchte nur an den großartigen Harald Schmidt erinnern. Der sagte so oder so ähnlich….“ Wenn er will, dass sie größere Brüste haben soll, soll er sich doch die Hände verkleinern lassen“

  • Patrick Bieri sagt:

    Gibt es eigentlich auch Hirnvergrösserungen?

  • Michael Berg sagt:

    Das Männermagazin „Natural 10“ zeigt sehr schön, wie (schön) natürliche Brüste wirken! Plastik gehört in Kinderstuben, nicht an die Körper von schönen Frauen und in die Betten von (echten) Männern!

    • Bettina Fries sagt:

      Das mittlerweile nur noch Online publizierte Magazin heisst „Perfect 10“ und ja, das sind sehr schöne Frauen. Jedoch finde ich den Ansatz heuchlerisch – die Aussage ist doch, dass man gefälligst von Natur aus perfekt zu sein hat, wer es nicht ist, muss sich halt mit seiner Zweitklassigkeit arrangieren und darf nichts daran ändern. Sonst ist man nämlich so ein minderbemittelter Komplexhaufen mit Plastikbrüsten. Dabei gibt es auch andere Gründe als reine Eitelkeit, sich operieren zu lassen, zum Beispiel Brustkrebs, krasse Grössenunterschiede (finden Sie mal einen BH mit einem A und C Körbchen), oder, wie bei einer Bekannten, um sich einen Körper zu geben, der nur mit ihrer Erlaubnis angefasst wurde, dank „neuer“, dezent veränderter Brüste.

  • Martina Siegenthaler sagt:

    Und wann folgt ein Artikel über die Entfernung von Tatoos?
    Moden leben vom Wandel, wie die langen Haare der Hippies gezeigt haben. Der Coiffeur, der den Glatzköpfen zum Durchbruch verholfen hat, kostete einen Pappenstiel gegen die Wiederherstellung blanker Haut und war schmerzlos. Jean Cocteau sagte: „Mode ist, wenn sie neu ist, schön und wird im Alter hässlich!“ Bei der Kunst sei es umgekehrt, aber vielleicht sind Menschen heute so etwas wie Leinwände für die grassierenden Tatoostudios, die der Bauernmalerei den Rang abgelaufen haben und die Schönheitschirurgen die Rodins von heute.

  • Jean-Jacques sagt:

    Glück hat einfach, wer von dieser launischen, manchmal verschwenderischen Diva Natur schon üppig ausgestattet wurde. Wie früher etwa die Loren oder Mansfield. (Berühmtes Foto, gegenseitig). Das gleiche gilt wohl auch für Männer.

  • Zora sagt:

    …vielleicht lässt sich ja mal Selbstwertgefühl ins Gehirn injizieren – und damit die Schnippelei überflüssig werden lassen…

  • Leo Schmidli sagt:

    „Eine üppige, künstliche Oberweite mag in einer gewissen Branche, in der es mehr um die horizontale Leistung als um Intellekt und Talent geht, sicher immer noch förderlich sein, in der Modebranche hingegen gilt seit jeher: je weniger, desto besser.“
    Aha, in der Modebranche steht also nicht das Äusserliche, sondern der Intellekt im Vordergrund!? Und:
    „Nun gibt es aber auch eine neue Generation von Frauen, die sich über ihre grosse Oberweite definiert haben und nun keine Lust mehr auf ihre Fremdkörper haben.“
    Wieder falsch, hier Yolanda Hadid als Beispiel zu nehmen. Sie schreiben ja selbst, dass sie wegen einer Krankheit zu diesem Schritt gezwungen wurde.

  • Paul Meier sagt:

    Schönheit kommt von innen. Eine Mensch der mit sich zufrieden ist hat viel schneller eine positive Ausstrahlung, als einer, der ständig an sich rumschnippeln lässt. Man muss nicht jedem Modetrend nachrennen, sondern sich selbst sein. Auch eine Frau mit kleinem Busen muss mit ihren Reizen nicht geizen sondern kann sich seeehr interessant in Szene setzen. Finde ich viel raffinierter als diese harten Monsterdinger!

    • Bettina Fries sagt:

      Nun, es soll bekanntlich Frauen geben, die von Natur aus oben wenig und unten umso üppiger ausgestattet sind. Der Kleiderkauf wird zur Qual und böse Sprüche begleiten einen durchs Leben, denn der Körper wagt es doch tatsächlich, den unerwünscht breiten Hintern nicht mit üppigen Brüsten zu entschuldigen. Diese Sprüche von wegen „Natur ist besser“ beziehen sich ohnehin nur auf den genetisch vorgegebenen Optimalzustand der Natur, welcher in der Tat durch ein Skalpell fast nicht zu toppen ist – und sind darum umso ernüchternder für jene, die beim Genlotto nicht so Glück hatten.

      • Christoph Bögli sagt:

        Von „bösen Sprüchen“ wird leider so gut wie niemand verschont, ob zu dünn, zu dick oder zu muskulös, ob dieses oder jenes, es gibt immer ein paar Idioten finden immer einen „Grund“ für Häme, Spott und Lästereien. Was hilft ist sich von sowas nicht beeindrucken zu lassen, auch wenns manchmal schwierig ist.
        Gleich mit der Kleidung, das vielseitige Individuum passt halt kaum je optimal in die Durchschnitts-Schnitte der meisten Kleidung. Versuchen Sie etwa mal mit etwas breiteren Schultern ein gut sitzendes Hemd zu finden. Muss man halt länger suchen oder andere Kleidung verwenden, im beschriebenen Fall z.B. keine Einteiler sondern grosse Grösse unten und kleine oben..

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