Schluss mit der süssen Sucht!

Von Kopf bis Fuss

Schokolade bewirkt im Hirn die Ausschüttung von Glückshormonen. Foto: PeopleImages (iStock)

Ich bin verrückt nach Zucker. «Mach dir nichts draus», sagen meine Freunde, «jeder hat seine Schwächen.» Unter Schwächen verstehen sie beispielsweise ein Zuviel an Alkohol, Zigaretten, Medikamenten oder Arbeit. Dass ich so gerne Süssigkeiten habe und praktisch keinen Tag ohne Schokolade sein kann, finden die meisten «nicht so schlimm».

Aber: Was heisst «schlimm»? Gesund ist mein «süsser Zahn» sicher nicht. Zwar sind meine Blutzuckerwerte okay, aber wenn ich mal ein paar Stunden nichts Süsses kriege, werde ich nervös und zitterig. Und meine Laune sinkt in den Keller.

Neben ungeliebten Extrakilos sorgt zu viel Zucker auch für Bluthochdruck, schadet der Leber und verschlechtert das Denkvermögen. Darauf hat auch die Weltgesundheitsorganisation WHO reagiert: Statt wie bislang 50 Gramm Zucker empfiehlt sie neuerdings maximal 25 Gramm am Tag. Für mich praktisch die Vorspeise. Ausser dem Hüftgold habe ich bis jetzt keine Nebenwirkungen, was meinen Zuckerkonsum betrifft. Allerdings, und das ist das Tückische, kann sich Diabetes ganz unbemerkt entwickeln.

Manchmal sind die Gene schuld

Ich habe auch gute Ausreden, wenn es um meine Gier geht. Zum Beispiel meine Gene. Ich habe das Bild meines Vaters vor Augen, der in meiner Kindheit jeden Abend glückselig als Dessert eine Dose Stalder-Vanillecreme löffelte und stundenlang von Cremeschnitten schwärmen konnte. Und meine Grossmutter väterlicherseits verlangte auf ihrem Sterbebett noch nach Schoggistängeli. Nichts gegen einen massvollen Umgang mit Süssem. Ich finde Askese diesbezüglich nicht erstrebenswert. Aber wie bei allen Süchten ist es auch hier schwierig, vernünftig zu sein. Denn eine ganze Tafel Schokolade schmeckt einfach besser als nur ein Reiheli. Der Schlüssel dazu liegt im Belohnungsmechanismus unseres Gehirns. Essen ist ein natürlicher, positiver Schlüsselreiz und sorgt für die Ausschüttung von Dopamin. Dadurch verspüren wir Glücksgefühle, die uns dazu verleiten, das lebenswichtige Verhalten zu wiederholen. Wissenschaftler des Oregon Research Institute fanden in einer Studie heraus, dass das sogenannte DRD2-Gen, welches auch für das Suchtrisiko beim Alkoholgenuss verantwortlich ist, ebenso eine zentrale Rolle beim Konsum von Zucker einnimmt. Es bestimmt die Intensität des wahrgenommenen Glücksgefühls, bewirkt den Heisshunger auf Süsses und fördert Zuckersucht.

Raffinierter Zucker ist also eine Droge, die ähnlich abhängig machen kann wie Opiate. Und dem kann ich nur zustimmen: Zucker macht mich glücklich, jedenfalls bis ein paar Minuten nach dem Verzehr der Blutzucker wieder fällt und die Gier erneut erwacht. Doch die Gene sind keine Einbahnstrasse, zum Glück gibt es auch den freien Willen. Und an den appelliere ich jetzt:

5 Tage sollten genügen

Ich will jetzt einfach wissen, ob ich eine Woche ohne jegliches Süsse auskommen kann. Und das betrifft nicht nur den Zucker in Süssigkeiten, sondern auch den versteckten in Fertigprodukten, Süssgetränken oder Alkohol. Am schwersten wird es mir fallen, auf süsse Zwischenmahlzeiten wie das Guetsli zum Kaffee oder auf den Vanillequark am Nachmittag zu verzichten. Da ich keine grosse Esserin bei den Hauptmahlzeiten bin, nasche ich eben gerne zwischendurch. Das führt dazu, dass mein Blutzucker wahre Akrobatik vollbringen muss. Rauf und runter, rauf und runter.

Doch ich habe durchaus Chancen, meine Zuckersucht in den Griff zu bekommen. Laut der Ernährungsspezialistin und Ärztin Marilyn Glenville, die das Buch «Natural Alternatives to Sugar», geschrieben hat, kann bereits ein 5-Tage-Detox den Organismus wieder in ein Gleichgewicht bringen und die Geschmacksnerven verfeinern. Und, so Glenville, auch mein Aussehen soll vom Zuckerverzicht profitieren: «Ihre Haut wird reiner werden, das Gesicht frischer und die Augen klarer.»

Dass das kein Spaziergang wird, ist mir klar. Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine Woche auf bestimmte Genussmittel verzichte, und mir ist vor allem der dritte Tag mit rasendem Kopfweh in Erinnerung geblieben. Da diese Beschwerden vom Koffeinentzug rührten, habe ich beschlossen, dass der tägliche Morgenkaffee nicht schaden wird; ich trinke ihn sowieso ohne Zucker. Damit die Woche nicht nur aus Verzicht besteht, werde ich mich massieren lassen. Und ein sanftes Fitnesstraining absolvieren.

Mein Einkaufszettel für die zuckerfreie Woche:

  • Grünes und weisses Gemüse, Fische, Eier, Seafood, Quinoa, Nüsse, Bohnen, Tofu, Avocados, Mandelmilch, (zuckerloses) Vollkornbrot, Kokosnuss, Oliven, Kapern, Süsskartoffeln, Tomaten.
  • Auf Fleisch, Milchprodukte und Früchte (Fruchtzucker!) werde ich verzichten.

Nachdem ich die Küche von Süsszeug (adieu, Nutella!) aller Art gesäubert habe, starte ich durch. Meine Bilanz lesen Sie an dieser Stelle in zwei Wochen.