Das überraschende Comeback der Meg Ryan

Meg Ryan

Nach einer tiefen Krise startet die Schauspielerin Meg Ryan jetzt als Regisseurin neu durch. (Bild: ©Pamela Hanson/Courtesy Porter Magazine)

Ich fand Meg Ryan eigentlich immer toll. Jedenfalls so lange, bis sie durch ihre vielen Schönheits-OPs und durch unzählige Botox-Injektionen langsam, aber sicher aussah wie Batmans grinsender Widersacher Joker. Als ich letzten Sommer neue Fotos von ihr sah, konnte ich fast nicht glauben, dass diese gestraffte und geliftete Person die gleiche Schauspielerin war, die wenige Jahre zuvor mit ihrer natürlichen Art entzückte. Ich drückte meinen Unmut in meinem Posting «Warum es für Meg Ryan kein Happy End gibt» aus. Heute revidiere ich dieses Urteil. Doch dazu später.

Gefallen hat mir Meg Ryan, weil sie, jedenfalls zu Beginn ihrer Karriere, nicht dem Stereotyp der klassischen Hollywood-Schönheit entsprach. Für amerikanische Verhältnisse schien sie natürlich und bodenständig. Sie gab den Typ der leicht schusseligen, aber liebenswerten Blondine, den sie auch in ihren Filmen perfekt verkörperte.

Doch irgendwann wollte Meg Ryan nicht mehr Everybody’s Darling sein, vielleicht in weiser Voraussicht, dass ihr diese Rolle mit 50 keiner mehr abnehmen würde. Und so begann sie, Charakterrollen zu spielen, die allerdings fast niemand sehen wollte. So floppte der Thriller «In the Cut» sowohl beim Publikum wie auch bei der Kritik. In diesem Film zeigte Meg Ryan für Sekunden ihren nackten Busen. Die Fans waren geschockt und wollten ihr Sweetheart zurück. Doch dieses hatte keine Lust mehr auf schnödes Unterhaltungskino und strebte nach gehaltvolleren Rollen und Aufgaben. Und so wollte Ryan dann im Drama «Into the Beautiful» ihr Regiedebüt geben. Doch die Produktion verlief im Sand.

Auch die Rollenangebote blieben dürftig. Frauen über 40 essen in Hollywood hartes Brot, und nur wenige tolle Schauspielerinnen wie beispielsweise Julianne Moore spielen Hauptrollen. Und punkto Ryan schien die Industrie vergessen zu haben, welche Millionenerfolge sie mit Filmen wie «Sleepless in Seattle» oder «You’ve Got Mail» eingespielt hatte. Je weniger Arbeit Meg Ryan allerdings hatte, desto stärker wurde ihr Drang, sich künstlich verschönern zu lassen.

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Bei so viel Botox hilft auch das Lächeln nicht mehr: Meg Ryan bei einer Filmpremiere. (Bild: Michael Loccisano/Getty)

Umso erstaunlicher die Fotos, die ich vor wenigen Tagen im «Porter Magazine» sah. Natürlich ist Ryans Gesicht nicht Natur pur, und Photoshop war sicher auch im Einsatz, aber ihre Züge haben das Fratzenähnliche (Foto links) verloren. Es scheint auch, als hätte die Schauspielerin mit dem Älterwerden Frieden geschlossen. Sie sagt jedenfalls im Interview zum «Porter»-Fotoshooting: «Ich liebe mein Leben, so wie es ist, und ich liebe die Erfahrungen, die ich gemacht habe.» Sie sei immer eine zerrissene Person gewesen, aber heute fühle sich vieles einfacher an. «Ich denke mir, dass das mit dem Alter so gekommen ist.»

Meg Ryan wears dress by Escada, photographed by Pamela Hanson for PORTER...

Und plötzlich sieht Meg Ryan (fast) wieder aus wie früher. (Bild: ©Pamela Hanson/Courtesy Porter Magazine)

Auch karrieremässig geht es wieder aufwärts. Ryan hat ihr Debüt als Regisseurin im Film «Ithaca» gegeben, der Ende Dezember in die amerikanischen Kinos kommen wird. «Ithaca» vereint sie nach 17 Jahren erstmals wieder mit Tom Hanks, der bereits in den Neunzigerjahren ihr romantischer Leinwandpartner war. Der Film verfilmt den Roman «The Human Comedy» von William Saroyan, den der US-Autor 1943 veröffentlichte. Mit von der Partie ist auch Ryans Sohn aus der Ehe mit Dennis Quaid, der 23-jährige Jack Quaid.

Meg Ryan bekommt also eine zweite Chance, und das ist in Hollywood so selten wie Schnee im kalifornischen Dezember. Dass sie selber kein Schnee von gestern ist, wird sie beweisen. Und das Publikum wird sie wieder lieben. Auch wenn America’s Sweetheart inzwischen erwachsen geworden ist.

(Das Interview mit Meg Ryan mit den hier gezeigten Schwarzweissporträts ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Porter» zu finden. Das Magazin ist auch digital verfügbar oder hier erhältlich.)

6 Kommentare zu «Das überraschende Comeback der Meg Ryan»

  • Jutta sagt:

    Ich finde, dass es in der Verantwortung der Ärzte lag, welche ihr so viel Botox überhaupt gespritzt haben! Geld hin oder her auch ein Schönheitschirurg etc. hat einen Hypokratischen Eid geleistet.

    • Hanspeter Müller sagt:

      Der Hippokratische Eid wird von keinem Arzt in der Schweiz mehr abgelegt und hat auch keine Rechtswirkung. Es gelten die üblichen Rechte in der Schweiz, dass es vorsätzliche Körperverletzung nur in gegenseitigem Einverständnis gibt. Die Verantwortung für die Folgen dem Arzt zu zu schieben ist etwa so sinnvoll wie ein Boxer, der seinen Gegener verklagt wegen eines blauen Auges.

  • Barbara Grohé sagt:

    Unverständnis und Häme für eine grossartige Schauspielerin, wenn man nicht die geringste Ahnung von diesem harten Business hat, ist schon reichlich unverschämt. Für Schauspielerinnen im Alter 45-65 ist es auch in Europa sehr schwer gute Rollen zu bekommen, zumal wenn sie auf einen „Typ“ festgelegt werden. Leider ist uns Zuschauer die Realität auch abhanden gekommen. Das beweisen die vielen fotogeshoppten Fotos von 20jährigen !! Modells.

  • Remo Gasser sagt:

    Nicht alle heutigen Promis sind unerträglich Divas. Schön das es auch Ausnahmen gibt.
    Am Flughafen München habe ich einmal Peter Cholakowski kennen gelernt und er war sehr nett und auf dem Boden geblieben.

  • Carolina sagt:

    Es zeugt sicher von einer gewissen Grösse, dass Sie Ihr früheres Urteil zurückgenommen haben, Frau A. Leider scheine ich diese Grösse nicht zu besitzen, zynischerweise gehe ich davon aus, dass wir bald auf allen Kanälen an der wundersamen Transformation der MR – aus totaler Zerrissenheit und Botox-Abhängigkeit hin zu Ernsthaftigkeit und Altersgelassenheit (sie ist übrigens 54, nicht 102!) – teilnehmen dürfen. Und ein bisschen Photoshop ist ein guter Witz: schön weichgezeichnet, schwarz-weiss und schon ist sie angeblich transformiert.
    (Hier spricht übrigens durchaus auch die Enttäuschung eines ehemaligen Fans!)…

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