Fremdgehen verursacht Falten

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Machte seinem Ruf als notorischer Fremdgänger im Film und auch privat alle Ehre: Der 1994 noch faltenlose Michael Douglas mit Demi Moore im Thriller «Disclosure». Foto: Warner Bros.

Kürzlich las ich wieder mal eine dieser Studien mit dem vielversprechenden Titel: So gesund ist Sex! Wie immer, wenn mir das Thema so frohlockend verkauft wird, werde ich misstrauisch. Leute, die viel Sex haben, sollen laut Erkenntnissen der Wissenschaft ein besseres Immunsystem, schönere Zähne, einen rosigen Teint haben, weniger gestresst sein und weniger altern. Sie sollen schlauer sein als andere, ein geschützteres Herz haben und weniger Schmerz empfinden. Frage: Heisst das jetzt umgekehrt, dass Menschen, die gewollt oder ungewollt auf körperliche Aktivitäten verzichten (müssen), ständig krank, blass, gestresst, gealtert und doof sind?

Und wieso überkommt mich bei solchen Artikeln immer das Gefühl, es gehe dabei nicht um lustvolle Vergnügungen, sondern um Hochleistungssport? Forscher empfehlen nämlich, zwei- bis viermal pro Woche Sex zu haben, damit die gesundheitsfördernden Hormone beim Sex ihre Wirkung entfalten können – zudem sei ein Liebesspiel von mindestens 20 Minuten Dauer von Vorteil. Gut zu wissen, ich stelle nächstes Mal den Wecker! Und überhaupt: Es wird ja auch nicht der Unterschied zwischen gutem und schlechtem Sex gemacht. Bei letzterem kann ich mir auch nicht vorstellen, dass er mich in einen Jungbrunnen verwandelt, sondern eher, dass er Pickel verursacht.

Sex soll auch (treue!) Männer und Frauen schön machen, lese ich in «Vitagate», der Drogisten-Zeitschrift. Das behauptet zumindest der am Royal Edinburgh Hospital in Schottland tätige David Weeks. 16 Jahre lang interviewte der Neuropsychologe 3500 Personen zwischen 21 und 102 Jahren zu ihrem Sexualleben. Sein Fazit: Nur etwa 25 Prozent des jugendlichen Aussehens einer Person seien auf die Gene zurückzuführen, den Rest mache das Verhalten und damit auch häufiger Sex aus. Paare, die dreimal pro Woche miteinander schliefen, sähen durchschnittlich zehn Jahre jünger aus als Menschen, die seltener Sex hätten.

Ausgleichende Gerechtigkeit: Das gelte aber nicht für Casanovas. Sex als Anti-Aging-Methode funktioniere nur in einer festen Beziehung, behauptet der Forscher. Schlussfolgerung: Wer fremdgeht, wird mit Falten bestraft! Aha, darum hat mein Nachbar eine solche Furchenlandschaft im Gesicht. Ich werde mich in Zukunft vor ihm in Acht nehmen müssen, dem alten Schwerenöter.

Und die gute Nachricht zuletzt: Wer keinen Partner hat, muss auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Sex keineswegs verzichten, da auch die Selbstbefriedigung zu ähnlichen «Gesundheitsresultaten» führt. Auch dies belegen natürlich zahlreiche Untersuchungen.