Schönheit hat viele Gesichter

MODESCHAU, FASHION WEEK MADRID,

Chantelle Brown-Young alias Winnie Harlow erobert trotz Weissflecken-Krankheit die Laufstege. (Keystone)

Vorurteile gegen Models gibt es viele: Alle sehen gleich aus, sie sind Kleiderständer auf zwei Beinen und nicht besonders hell. Objekte, geformt von schwulen Designern, ohne eigenes Leben und ohne eigene Meinung. Doch in letzter Zeit sind mir immer mehr Models aufgefallen, die sich in kein Raster pressen lassen und die mit ihren Eigenheiten und ihrem Anderssein erfolgreich für sich einstehen. Sie entsprechen nicht dem gängigen Schönheitsideal, und sie sind doch auf ihre eigene Weise ausserordentlich und ein Vorbild für junge Mädchen.

Nick-Knight-Show-Studio-Winnie-Harlow-Machine-A-04superselectedcom

Winnie Harlow: Schöne Flecken. (superselected.com)

Die Aussergewöhnliche – Winnie Harlow

Eigentlich heisst sie Chantelle Brown-Young aber sie arbeitet unter dem Künstlernamen Winnie.  Und sie leidet unter der seltenen Hautkrankheit Vitiligo, die weisse Flecken auf ihrer dunklen Haut verursacht. Die heute 20-Jährige postete 2011 ein Youtube-Video, in dem sie über ihre Krankheit sprach und darüber, wie oft sie im Leben schon gehänselt worden ist. Danach wurde sie in die Casting Show «America’s Next Top Model» eingeladen und ist aktuell das Gesicht der Frühjahrskampagne von Diesel. Sie lief für Desigual in New York und war Gast in der Talkshow «Today». Dort sagte sie: «Der einzige Mensch, der darüber entscheidet, ob du schön bist oder nicht, bist du.»

 

Die Unkonventionelle – Elliott Sailors

"Big Sur" New York Premiere - Arrivals

Elliott Sailors: Die Frau als Männermodel. (Ben Gabbe/Keystone)

Sie war ein typisches Model mit einem typischen Look: überschlank, lange Haare, Schmollmund. Doch als Elliott Sailors gegen die 30 ging, schwanden die Aufträge. Da fasste die herbe Schönheit einen Plan: Sie wollte ab sofort die Branche als Mann aufmischen, da für männliche Models «das Alter eine weniger grosse Rolle spielt». Die Branche zwinge die Frauen, länger jung auszusehen, sagte sie gegenüber der «Huffington Post». Mit einem Millimeter-Haarschnitt und dank ihres kräftigen Kiefers, der hohen Stirn und den buschigen Augenbrauen nimmt man ihr heute die neue Rolle spielend ab. Ihr Ehemann war von der Wandlung zunächst nicht angetan, ist aber nun begeistert. «Er hat einen Heidenspass, wenn man uns auf der Strasse für ein schwules Paar hält.»

Elliott Sailors liess ihren Look-Wechsel filmisch festhalten. Quelle: Youtube/adam Santos-Coy

AN EVENING WITH THE WOMEN OF AMERICAN HORROR STORY PRESENTED BY THE TELEVISION ACADEMY

Jamie Brewer: Model und Schauspielerin trotz Down-Syndrom. (Keystone)

 

Die Mutige – Jamie Brewer

Die 30-jährige Schauspielerin («American Horror Story») lief für die Designerin Carrie Hammer, die auch die Kampagne «Role Models Not Runway Models» initiierte, als erstes Model mit Down-Syndrom über den Laufsteg der New York Fashion Week. Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Jamie Brewer ist sich ihrer Vorreiterrolle voll bewusst und sagt: «Junge Frauen sollen mich sehen und sich dabei denken: Hey – wenn sie das schafft, dann kann ich es auch!»

 

 

Die Extravagante – Jillian Mercado

Mercado

Jillian Mercado im Rollstuhl. (A. H. Walker/AFP)

Sie leidet unter Muskeldystrophie, einer Erbkrankheit, die zu Muskelschwäche führt. Sie sitzt im Rollstuhl – trotzdem wird sie aufgrund ihrer extravaganten Schönheit für Kampagnen für Modehäuser wie Diesel und Nordstrom gebucht. Früher hatte sich Jillian Mercado mit anderen Menschen verglichen. Heute setzt sie auf ihre Einmaligkeit: «Seit ich das verinnerlicht habe, kann ich meine ganz eigene Schönheit annehmen.»

 

 

 

 

HEART, TRUTH, FASHION, SHOW

Carmen Dell’Orefice: Mit 83 das älteste Model der Welt. (Keystone)

Die Ikone – Carmen Dell’Orefice

Sie ist wohl das älteste Model der Welt und nicht nur wegen ihrer üppigen weissen Haare und der stromlinienförmigen Silhouette berühmt: Die 83-Jährige zierte kürzlich das Cover der thailändischen Ausgabe von «Harper’s Bazaar». Carmen Dell’Orefice fing schon früh mit dem Modeln an: Als 15-Jährige erschien sie zum ersten Mal auf dem Titel der «Vogue». Unzählige Covers folgten. Heute ist Dell’Orefice unter anderen bei der Zürcher Agentur Visage unter Vertrag und hat noch viel vor, bevor sie sich in den Ruhestand zurückziehen will.

 

2013 American Ballet Theatre Opening Night Spring Gala - Arrivals

Robyn Lawley: Mit Kurven erfolgreich. (Stephen Lovekin/Getty Images)

Die Kompromisslose – Robyn Lawley

Die Australierin Robyn Lawley gilt als eines der schönsten Plus-Size-Models. Sie selber findet diesen Begriff «idiotisch». «Ich habe eine weibliche Figur und bin ein normales Model», sagt die 25-Jährige, die auch Bademode für unterschiedliche Grössen entwirft. Ihre Botschaft äussert sie klar: «Designer sollten umdenken. Wenn sie diese unterschiedlichen Beautys auf die Laufstege schicken würden, würden viele junge Frauen ein besseres Schönheitsideal für sich definieren.»

 

 

 

 

 

6 Kommentare zu «Schönheit hat viele Gesichter»

  • Lia sagt:

    und dennoch geht es immer nur um eine Art von äusserlicher Schönheit – unsere Mütter haben für die Gleichberechtigung der Frau gekämpft, nur um zu sehen, dass diese heute mehr denn je auf ihr Äusseres reduziert wird, im guten wie im Schlechten.

  • Chris Fogg sagt:

    Es tut mir leid. Ich möchte niemanden wegen etwas beleidigen. Aber Winnie Harlow finde ich leider nicht schön. Speziell ja, aber nicht mehr! Tut mir leid. Wird aus meiner Sicht überbewertet!

  • ri kauf sagt:

    Guter Artikel! Winnie finde ich sieht mir den weissen Flecken absolut Spitze aus!

  • edith schmidt sagt:

    der frühling bringt ganz viel lust auf weniger kleidung und plötzlich fallen ganz viele frauen mehr auf als im winter, verpackt in diverse schichten. es kommt farbe, form und viel kreativität zum zuge. ein interessantes, fast schon runway mässiges an-und zuschauen in den strassen oder von einem kaffee aus geniessend.. mode und frauen und körperfeeling.. dann mache ich mir so meine gedanken: warum sieht diese frau so attraktiv aus? was bestimmt dieses ,,mir gefallen,,? sind es die kleider? sind es die bewegungen? ist es das gesicht? resultat: zufrieden mit sich selbst! sichtbar das beste! edith

    • Jane Bissig sagt:

      Mit ca. 30 war ich sehr unglücklich in meiner Beziehung und hätte mit dringend Bestätigung von anderen Männern gewünscht. Sie kam nur sparsam, obwohl ich durchaus gut aussehe. Heute gehe ich gegen die 40 und bin glückliche Mutter mit nicht mehr verschwinden wollendem Bäuchlein. Und die Männer gucken wieder. Und zwar schon als ich schwanger war, Entgegen dem, was ich von anderen Frauen gehört hatte. („Du wirst unsichtbar für Männer, wenn Du schwanger bist.“). Fazit? Glück und Zufriedenheit mit sich selber machen tatsächlich attraktiv. Denn „objektiv“ betrachtet war ich mit 30 sicher hübscher.

      • Patrick sagt:

        Die „innere Schönheit“ trägt eben auch zum Äusseren bei. Das Auftreten, der Charakter, der Umgang mit Menschen… Alles das hat einen grossen Einfluss obwohl es vielleicht nicht immer so offensichtlich ist, zumindest nicht immer auf dem den ersten Blick. Es gibt Personen die, obwohl sie vielleicht perfekt aussehen, trotzdem durch das eigene Verhalten als Idioten erkannt werden. Andere Personen sind vielleicht in Sachen Schönheit „nur“ Mittelmass aber sind für alle Mitmenschen sehr sympathisch – einfach durch ihre Art und das Verhalten. Es zählt zum Glück nicht nur das Äussere – Gott sei Dank!

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.