Botoxwahn im deutschen Fernsehen

Aufgepolstert: Cora Schumacher in der TV-Show «Let’s dance». (RTL)

Aufgepolstert: Cora Schumacher in der TV-Show «Let’s dance». (RTL)

Kürzlich sah ich im Fernsehen eine blonde Frau, die mir irgendwie bekannt vorkam. Aber irgendetwas irritierte mich. Ihr Gesicht glich einem Puzzle aus verschiedenen Prominenten: Die glatt gebügelte Stirn erinnerte mich an Nicole Kidman, die Schlauchbootlippen waren Meg-Ryan-like, und die Wangen waren so aufgepumpt wie diejenigen von René Zellweger.

Vor der Botox-Behandlung: Cora Schumacher. (RTL)

Cora Schumacher vor der «Verschönerung».

Die Frau heisst Cora Schumacher. Die Ex von Ex-Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher tanzt zurzeit in einer Show von RTL namens «Let’s dance». Hier lassen sich vierzehn mehr oder weniger talentierte Prominente von professionellen Tänzern übers Parkett schieben.

Ebenfalls zur Promi-Crew der Tänzerinnen gehört die Nachrichtensprecherin Katja Burkard, die man von der Sendung «Punkt 12» kennt. In Erinnerung hatte ich eine Moderatorin mit charmantem Lispeln und lustigen, blonden Locken. Doch die Frau, die mich am letzten Freitagabend mit starrem Blick und aufgedunsener Visage das Fürchten lehrte, hatte nur noch wenig Ähnlichkeit mit ihrem Alter Ego:

Glattgebügelt: Katja Burkard für «Let’s dance». (RTL)

Glatt gebügelt: «Let’s dance»-Kandidatin Katja Burkhard ist kaum wiederzuerkennen. (Alle Fotos: RTL/Infos zu «Let’s dance» unter RTL.de)

Schumacher und Burkard sind mit ihrem Botoxwahn nicht allein im deutschen Fernsehen. Die Liste der Frauen zwischen 35 und 55, die sich so «verschönern» lassen, liesse sich beliebig verlängern. «Die Grenzen meiner Epidermis sind die Grenzen meiner Welt», wusste schon die Kosmetikunternehmerin Helena Rubinstein. Das gilt auch Jahrzehnte später noch. Wer diese Grenzen nicht akzeptieren kann, lässt sich in mehr oder weniger angemessener Weise aufpolstern. Die Bäckchen von Moderatorin Frauke Ludowig sind denn auch so prall gefüllt wie das Décolleté von Cora Schumacher, und die Dschungel-Lästerschwester Sonja Zietlow sieht auch jedes Jahr gestraffter aus. Ich wundere mich, was mit diesen intelligenten und sonst so aufgeweckten Moderatorinnen los ist. Ist es die Angst, dass sie den Job verlieren, wenn sie nicht mehr jugendlich frisch aussehen?

Die Welt ist ungerecht, aber sie wird nicht besser, wenn man sich verunstaltet. Und irgendwie fragt man sich: Haben diese Frauen keinen Spiegel? Sehen sie nicht, dass sie eine komische Figur abgeben? Aber mit Botox wird es sein wie mit vielen anderen Süchten: Fängt man damit an, kann man nicht mehr aufhören. Und vielleicht verliert man dann den ungetrübten Blick aufs Ebenbild.

Älterwerden ist kein Spaziergang. Und vor Kameras zu altern, ist noch schwieriger. Vor allem, wenn 25-Jährige Schlange stehen für deinen Job und die heutige Technik die kleinste Unebenheit entlarvt. Und sicher ist es auch ungerecht, dass Männer im gleichen Alter mit ihren Falten interessant wirken und selbst die unattraktivsten Typen moderieren dürfen, bis sie scheintot sind. Aber vielleicht wacht man ja auch eines Morgens so auf wie der exaltierte Modeschöpfer Harald Glööckler, der nach Jahren des Missbrauchs mit 49 Jahren dem Botox abschwörte: «Ich habe in den Spiegel geschaut und gedacht: Das ist ja Augsburger Puppenkiste. Das geht ja gar nicht mehr

    Vollsynthetisch: Modedesigner Harald Glööckler. (Keystone/Ursula Düren)

Vollsynthetisch: Modedesigner Harald Glööckler. (Keystone/Ursula Düren)

 

 

 

 

 

 

 

 

33 Kommentare zu «Botoxwahn im deutschen Fernsehen»

  • Denise Schönenberger sagt:

    Es ist nun mal so, dass Frauen schon immer nach ihrem Äusseren beurteilt wurden. Und das wird sich wohl nie ändern. Männliche Moderatoren brauchen sich nicht vor der Alters- oder Hässlichkeitsguillotine zu fürchten. Dass sich Frauen im Showbiz durch Beauty-Behandlungen noch ein paar Jahre vor dem sicheren Aus retten können und wollen, ist nachvollziehbar. Es gibt übrigens auch Ärzte, die massvoll mit der Spritze umgehen, sodass man eben nicht sieht, dass etwas gemacht wurde. Seriöse Spezialisten würden einer Frau niemals Schlauchbootlippen spritzen.

  • Philipp Rittermann sagt:

    der tod macht glücklicherweise auch vor gespritzten und gestrafften nicht halt.

  • Chris Fogg sagt:

    Es ist wirklich ein Schreckenskabinett was einem in dieser Sendung geboten wird. Wie kann Frau sich nur so verunstalten lassen. besonders die von Punkt 12. Wie kann man auch mit solch einem Sprachfehler eine solche Sendung moderieren?

  • sandro sagt:

    Katja Burkhard hätte sich auch mal lieber ihren lispel-Sprachfehler korrigieren lassen

    • Lia sagt:

      und wieso sollte sie etwas korrigieren lassen, was angeboren, charmant und ihr Markenzeichen ist? Genau wegen solcher Kommentare lassen sich die Leute straffen und absaugen, weil einem keine „Fehler“ zugestanden werden.

  • Dilek sagt:

    Kann mir jemand eine Person aus dem Showbiz nennen, welche mit Botox und plastischer Chirurgie ihre Karriere gerettet hat? Niemand, oder? Die Aufspritzerei ist die letzte Verzweiflungstat von nicht-talentierten und ursprünglich nicht wirklich schönen Menschen bzw C-Promis. Falten machen einem nicht hässlich, wie vielerorts wahnhaft angenommen wird, sie lassen einen höchstens älter aussehen, aber auch nicht immer! Ein(e) 35jährige(r) Bergbauer(in) wird z.B IMMER jünger, vitaler und besser aussehen als ein glattgebügeltes Beauty-Chirurgie-Opfer von 50, trotz mehr Falten!

  • Reto sagt:

    Wenn sich sogar beruflich erfolgreiche Frauen, die nicht im Show-/Mode-/Film- oder Kosmetikbusiness tätig sind, sich weigern in Interviews ihr wahres Alter anzugeben oder in Medien Fotos zur Verfügung stellen, die vor mehr als 10 (jüngeren) Jahren aufgenommen oder mit Fotoshop-Software-Bildbearbeitung manipuliert sind, dann muss man sich nicht wundern, wenn Botox und Schönheitschirurgie „florieren“. Wo bleibt da das weibliche Selbstbewusstsein.

  • Peter "Petsch" Wagner sagt:

    Wer ab und zu z.B US TV konsumiert wird merken das sowas dort von längst zum Alltag gehört. Viele Frauen bezahlen auch für Ihren „Lebenswandel“ den Preis – z.B durch den Stress, Partys, Alk, Rauchen, Drogen etc…, sehr einseitige Ernährung, Solarium etc…

  • Marcel Zufferey sagt:

    Frauen, die sich die Lippen aufspritzen-, Fett absaugen- und die Brüste vergrössern lassen, sind das weibliche Äquivalent zu den viel kritisierten Bodybuildern.

  • Jack Stoffel sagt:

    Ist doch praktisch! Wenn die Schumacher mal Lust auf ein Wienerli hat, muss sie nur auf ihre Unterlippe beissen.

  • Beat und Barbara sagt:

    Danke für diesen aufrichtigen Kommentar!
    Uns tut es weh, wenn Frauen sich so weit von ihrer natürlichen Schönheit/Persönlichkeit entfernen. Die Ladies, die ihre Jahre mit Ausstrahlung, Herz und Verstand füllen gefallen uns sehr!
    Und ja, wie alle Mittel gibt es Indikationen für Botox… Aber um diese geht es hier nicht.

  • hans scholl sagt:

    die 2 fotovergleiche sprechen bände: im (geschminkten) vor-botox-zustand sahen beide attraktiv, individuell und gesund aus … und im „nach-botox-zustand“ nur noch lächerlich und zum … (sorry). ich kenne auch keine männer, die auf sowas stehen. ich will nicht bestreiten, dass dezente, „alterskonforme“ OPs an wenigen „problemzonen“ nicht eine optisch positive wirkung haben können (evt. fettabsaugen, nasenkorrektur; aber nur, wenn pers. leidensdruck zu gross), aber brustvergrösserungen und botox gehören beide nicht dazu! übrigens sind nur 54% mit OP-resultat zufrieden => http://de.statista.com

  • Tina sagt:

    Da muss man eigentlich nicht nach Deutschland schielen, oder? Auch die Damen im SRF wirken mit ihren beinahe durchgehend langen Haaren und wohl auch hie und da Botox (Lippen, Stirne) vielleicht ein bisschen weniger übel als obige Beispiele, normiert und wenig authentisch.

    • Reto sagt:

      Die SRF-Tagesschaumoderatorin Frau Stauber hatte in einer SI-Homstory gesagt, dass Sie jeweils vor der Sendung für mehrere Stunden in die „Maske“ begebe – das sei sozusagen Standard. Ob sich das ein Tagesschaumoderator auch in diesem Ausmass antut, wage ich zu bezweifeln.

  • Hanna sagt:

    Botox greift die Gehirnzellen an, das „dumme Geschau“ liegt nicht nur an der erstarrten Mimik.

  • sabine sagt:

    Diese Frauen sind Opfer!
    Es ist doch offensichtlich, dass sie von der patriarchischen Gesellschaft dazu gedrängt wurden.
    Diesem mutwilligen Druck können sich Frauen nicht entziehen.
    Es braucht neue Gesetze und Quoten zum Schutz der Frauen.

    • Hanna sagt:

      sabine, diese Frauen haben sich selbst zu Opfern gemacht. Solche Frauen haben durchweg ein schwaches Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein, daran sollten diese „Opfer“ mal arbeiten und nicht immer sofort mit dem Zeigefinger auf die Männer deuten.

    • Karl Würz sagt:

      Das musste ja kommen – die Frau als Opfer! Dabei sind die Armen Opfer ihrer selbst…..

    • tststs sagt:

      Sehr geehrte Hanna, sehr geehrter Herr Würz, bei sabine scheint es sich um einen so genannten Troll zu handeln. Dagegen hilft nur eins: weiterscrollen 🙂
      Aber zum Thema: Liegt es im Bereich des Möglichen, dass diese Damen (und Herren!) schlicht diese Art von Ästhetik bevorzugen? Dass es ihrem persönlichen und subjektiven Schönheitsideal entspricht?
      Es ist absolut auch nicht Meins, aber das ist so manches nicht. Und deshalb die ganze Frau/den ganzen Mann in Frage zu stellen, ist auch nicht gerade…ähm…emanzipiert…

  • Schönheit kommt von innen sagt:

    Es ist mir unverständlich, dass zumeist Frauen nicht natürlich altern können. Sie fangen teilweise schon Mitte dreissig an sich mit Botox voll zu pumpen um ja kein Fältchen im Gesicht, oder sonst wo zu haben. Schaut man sich Frauen an, die auf eine solche Behandlung verzichten und Falten haben, so erkennt man ihre Schönheit in dem sie meistens Zufriedenheit ausstrahlen und ihre so gepriesene Schönheit eben von innen kommt. Die Botox Ladys sehen nur verkrampft aus, mit einem nicht mehr weg zu kriegendem unnatürlichen Dauerlächeln. Eines der besten Beispiele Frauke Ludowig von RTL Explosiv

  • Amelia Meier sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Die grösste Tragik jener Frauen und Männer, die sich mit Eingriffen und Operationen gegen das Älterwerden stemmen, besteht darin, dass sie offenbar nicht merken, wie eigenartig sie aussehen. Sie sehen alle ein wenig gleich aus, wie geklont. Jedes Gegenüber erkennt dies schlagartig – nur sie selber nicht.

  • Katy sagt:

    Was soll das scheinheilige Getue „ist es die Angst, den Job zu verlieren…“
    Frauen definieren sich nunmal über das Äussere und werden von der Gesellschaft nicht mehr wirklich wahrgenommen haben sie die 40 erst mal erreicht…daran haben auch 50 Jahre Feminismus nichts geändert.

  • Antoine sagt:

    Ich kann mich den letzteren Kommentaren weitgehend anschliessen. Ich bin aber der Meinung, dass Botox in bestimmten Fällen, v.a. bei starken Zornesfalten, gekonnt angewendet, einen super Effekt hat.
    Die Lippenauffüllerei ist hingegen in den meisten Fällen eine Katastrophe. Leider schauen die Damen das Resultat nur von vorne an. Ein paar Fotos von der Seite würden deutlich machen, wie lächerlich Entenschnabellippen wirken.

    • Peter-Jürg Saluz sagt:

      Die Sache mit den Zornesfalten kann ich nicht beurteilen. Mir fehlt die Erfahrung, weil sie in meinem Umfeld von Lachfalten überdeckt werden. Wenn aber doch einmal eine Zornesfurche entstünde, würde ich mich – bevor sie sich im Gesicht eingraben könnte – mit einem supergiftigen Kommentar im Tagi abreagieren und mich anschliessend wieder auf das Lächeln konzentrieren.

  • Michael sagt:

    Was treibt diese Frauen bloss dazu, sich Botox spritzen zu lassen ? Dann werden sie im Gesicht eine Weile schier und glatt, wirken vielleicjt etwas jünger, aber bei den A – B und C Prommies kennt doch jeder das ungefähre Alter. Je älter man ist um so lächerlicher wirkt man doch, wenn man immer verzweifelter auf jung macht.
    Aber mit dem Alter muss man sich abfinden – bin gerade 60 geworden und bin auch neidisch auf die Jugend, die ohne Zipperlein und Falten durch die Gegend spaziert. Aber ich habe das alles auch gehabt, als ich jung war. Ergo eigentlich kein Grund zum neidisch werden.

  • caro sagt:

    Schrecklich, vorallem Frau Schumacher. Botox hat leider die Wirkung, die Mimik erstarren zu lassen, was gerade bei Schauspielern verheerend ist. Nicole Kidman scheint mittlerweile nur noch zu ein bis zwei Gesichtausdrücken fähig zu sein. Helen Mirren, die zweifellos auch einige Kleinigkeiten machen liess, ist mit ihren bald 70 Jahren eindeutig besser drauf als einige viel jüngere Damen – vielleicht auch, weil sie eine wirklich gute Schauspielerin ist. Kidman und Meg Ryan waren mE immer nur gutes Mittelmass.

  • Peter-Jürg Saluz sagt:

    Mir gefällt es, dass alle mir nahestehenden Menschen natürlich geblieben sind. Wenn uns das Alter allmählich neu modelliert, ist das nur eine Aktualisierung und sicher keine Verunstaltung. Die wirklich schönen Werte – Empathie und Charisma – lassen sich ja bewahren, und oft werden sie sogar noch ausgeprägter. Ich kenne daher viele Frauen und Männer, die mit jedem neuen Lebensjahr noch schöner werden. Sie schaffen das ohne Botox und Schönheitschirurgie, weil sie die unvergängliche Schönheit der Liebenswürdigkeit besitzen.

    • Patrick Biegel sagt:

      Sehr schön gesagt bzw. geschrieben! Gratuliere!

      • Peter-Jürg Saluz sagt:

        Danke, Herr Biegel. Ihr Kompliment freut mich, obwohl ich es gar nicht verdiene. Schön ist nicht mein Schreibstil, aber die beschriebene Tatsache. Ich wünsche Ihnen viele Begegnungen mit Menschen der hier beschriebenen Art. Alles Gute für Sie!

  • Ruedi sagt:

    Dann sollen sie sich doch verunstalten; sie werden es teuer bezahlen müssen, sehr teuer sogar. Denn seine Gesundheit setzt man nicht ungestraft aufs Spiel. Irgendwie nicht ganz bei Trost.

  • Jürg Stöckli sagt:

    Schauspieler, wie alle Künstler, sind sensible Menschen, die den Geist einer Epoche spüren, interpretieren und in ihrem Ausdruck spiegeln können.
    Insofern machte es sich die Autorin einfach, mit leicht angesäuerten Finger auf diese Leute zu zeigen, denn sie treffen genau das, was unsere Zeit immer unausweichlicher prägt:
    Einheitlichkeit, Glattgebügeltheit, eine synthetische Konformität die zu Menschen führt, die aussehen als kämen sie alle aus derselben Spritzgussmaschine.
    Wir sollten lieber etwas über uns nachdenken als über den Spiegel.

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