Wie belieben?

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Es gab einmal ein Theaterstück, meine Damen und Herren, mit dem Titel «Shoppen & Ficken» (original: «Shopping & Fucking»). Das heisst, das Stück gibt es selbstverständlich immer noch, es wird bloss nicht mehr oft aufgeführt; nicht etwa, weil es nicht viel taugte (das war bisher im sogenannten modernen Regie-Theater selten ein Grund, von einer Aufführung abzusehen), sondern weil es aus einer Ära stammt, nämlich den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts, die den meisten Leuten heute endlos lang her und völlig obsolet vorkommt: man sprach über Ecstasy und Meg Ryan war ein Star. Können Sie sich noch erinnern? Nun aber findet sich das Leitmotiv aus Shopping & Fucking (der Titel ist ja ziemlich selbsterklärend) in der Variante Cum & Shopping ausgerechnet auf der Migrol-Karte wieder. Wenngleich wir vermuten, dass dies nicht intendiert war, sondern einfach einer stets unglücklichen Mischung zu verdanken ist, nämlich jener aus PR-Neologismen («Cumulus» als Titel für ein Kundenbindungsprogramm) und dem spezifischen Code der Neuen Mittelklasse, die nur noch von «Wellness» und «Shopping» redet. Und dann kommt schliesslich sowas dabei raus. Thanks for adding that to my day. Ich schliesse heute mit Robert Hughes: The human extension of the glut of images is celebrity which replaces the Renaissance idea of fame.

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17 Kommentare zu «Wie belieben?»

  • Philip Rittermann sagt:

    natürlich erinnere ich mich. das war kurz nach „a fish called wanda“. kundenbindungsprogramme im sinne von „das (überteuerte) produkt taugt nichts – wir verpackens mit dienstleistungen die niemand braucht“, sind in diesem jahrhundert populär. davor wusste man mit qualität und verkäuferischem talent zu überzeugen. aber was solls, wir wollen ja beschissen werden. cum-ulus at its best.

  • Markus Rüffel sagt:

    Aber aber, Herr Tingler, gucken Sie etwas Pornos!? 😉

  • Karl Knapp sagt:

    Die heutige komplette Frei- und Frechheit von Marketingleuten, sich selber ungewollt als tumbe Banausen zu demaskieren, erstaunt mich immer wieder. Ein anderes Beispiel ist Lidl, der mit dem sinnigen Spruch wirbt, es sei „richtig viel Schweiz“ drin. Dass kein eingeborener Schweizer das so formulieren würde, und sich der Spruch auf wundersame Weise von selbst widerlegt, hat ihnen offenbar bis heute niemand gesagt.

    • hans nötig sagt:

      Naja, wenn ich den Spruch „die Schweiz ist jetzt noch schweizerischer“ auf den Qüöllfrisch Flaschen lese, muss ich genauso den Kopf schütteln. Und viel eingeborener als eine Appenzeller Brauerei geht ja fast gar nicht mehr, Marketing ist einfach oft nur noch peinlich, egal woher es kommt (in diesem Fall Schweiz Tourismus).

  • Christian Matter sagt:

    Eigentlich wäre Shopping and Cum passender da viele Leute beim Shopping in einen orgiastischer Zustand versetzt werden.

    • Philipp Rittermann sagt:

      🙂 -> ich kenne frauen, die tatsächlich beim kauf von designer-schuhen ein grösseres lustempfinden verspüren als beim koitus.

    • Markus Rüffel sagt:

      Woran das wohl liegen könnte, lieber Herr Rittermann? 😉

    • Michael sagt:

      @Rittermann: Immer wieder erhellend Ihre Zeilen zu lesen. Heute zum Thema: Frauen sprechen mit mir über Ihren Koitus. Mein Lieber, sind Sie in der Fried-Zone gefangen? aiaiaia Herr Rittermann, hopp holen Sie sich die Cum-Karte und trösten Sie sich damit ein wenig.

    • Sandro Somaini sagt:

      an seinen Schuhen?

    • Philipp Rittermann sagt:

      also da schreibe ich einmal etwas seriöses und es ist auch nicht recht. jemand bock auf einen mitleids-koitus!? 8)

    • Lord Henry sagt:

      Wie ? Dann ist die „Freude“ auch nur vorgetäuscht, wenn ich anstelle der Manolo Blahnik nur die Stuart Weitzmann durchwinke ?

  • peti sagt:

    Shopping spricht vermutlich eher das weibliche Geschlecht an; vielleicht war dies ein Versuch auch eman(n)zipierten Männern das Shopping Erlebnis schmackhafter zu machen? 🙂

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