Alle Jahre wieder

... oder alle 20 Jahre

Das Klapphandy – einst der letzte Schrei, heute ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Oder plötzlich doch wieder modern? Foto: Pexels

 

Der Schocker erst mal vorneweg, meine Damen und Herren. Folgendes hat sich rausgestellt: Rentiere sind farbenblind. So viel also zu Rudolph. Bevor wir uns der Implikationen gänzlich bewusst werden, leiten wir schnell einen Themenwechsel ein: Wissen Sie, was «Ugly Trainers» sind? Das ist der Fachausdruck für diese klobigen, plumpen, aufgequollen wirkenden Phänomene (ich sage nur: «Buffalo»), die in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts für Schuhe durchgingen. Ugly Trainers sind jetzt wieder voll modern und überall zu kriegen, ob bei Zara, Stella McCartney oder Balenciaga. Das verheisst womöglich nichts Gutes. Denn nach dem Gesetz der ewigen synchronen Wiederkehr, das die Popkultur nicht nur beherrscht, sondern geradezu ausmacht, könnte dann auch noch Folgendes zurückkommen:

  1. Klappmobiltelefone
  2. Der sogenannte Sitcom-Stil

    Also Westen. Und Jeans mit sehr hohem Bund. (Die sind schon da.) Blusige Hemden. Für Damen wie Herren. Aber vor allem Westen. «Seinfeld» war und ist eine grossartige, bahnbrechende Sitcom, deren (hochgradig unwahrscheinliches) Wiederkommen ich jederzeit mit offenen Armen begrüssen würde, aber ohne die Westen von Elaine, bitte.

  3. Glitter

    Whoopie Goldberg, amerikanische Entertainerin, traf anlässlich ihrer Moderation der 74. Oscarverleihung am 24. März 2002 die inzwischen berühmte Feststellung: «Amerika hat eine nationale Tragödie hinter sich – Mariah Careys Film ‹Glitter›!» Das jenen Film begleitende Album, identisch betitelt und ein ebensolcher Flop und beinahe das Ende von Frau Careys Karriere, führt nun plötzlich die Charts bei iTunes an. Der dazugehörige Hashtag lautet #JusticeforGlitter und lässt uns mit mittlerem Unbehagen die vor der Tür stehende Rückkehr auch anderer Formen von Glitter erwarten, zum Beispiel: #JusticeforDenHarrow

  4. Klingelton-Abonnemente

    Da wir von Klapptelefonen sprachen.

  5. Der Macarena

    Inklusive Christmas-Version. Frohe Weihnachten!

6 Kommentare zu «Alle Jahre wieder»

  • Doris sagt:

    Dauerwellen. Schweinefilet im Teig, Kartoffelkroketten, speckumhüllte Bohnenbürdeli. Fusskettchen in Gold bei zumeist älteren Semestern. Breite Krawatten. Lederkrawatten. Herrentäschchen mit Schleife fürs Handgelenk. Boney-M. Signalfarbene Trainer. Protestknöpfe am Revers zuhauf. Diamantenohrstecker das ganze Ohrläppchen hinauf und hinunter verteilt bei Damen. Hemd stramm in der Hose bei Männern. Aber es war dennoch eine tolle Zeit insgesamt.

  • Florian Hofstetter sagt:

    Das Leben ist ein tatsächlich ein Kreislauf. Was ja auch etwas beruhigendes an sich hat.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Das Gute an den ständigen Wiederholungen im Leben? Irgendwann hat man es wirklich gesehen, wird kaum noch überrascht, kann das wenige Neue auch recht gut einordnen oder abstrahieren, sieht weitaus entspannter in die Zukunft als in jungen Jahren und vor allem: man beginnt, sich das Leben ohne ständige Wiederholungen zu wünschen, sieht dem eigenen Tod mit freudiger Hoffnung entgegen. Denn der Tod scheint tatsächliche die einzige Ausstiegsmöglichkeit aus dem ewigen Wiederholprogramm zu sein.

  • Ursel sagt:

    Herr Tingler, Sie hinken der Zeit hinterher. Ich besitze seit ca. 8 Monaten ein nagelneues, kleines und sehr hübsches Klapp-Handy mit allen Schikanen und Luxus-Einstellungen (die Klappe schützt das grosse Display). Würde mir nichts anderes mehr kaufen! Dieses Model war 2005 der Renner und ist es für mich jetzt wieder.

  • King Kongo-Müller sagt:

    Die heutigen Smartphones sind hässliche, brettartige Monsterdinger. Damals gab es den Trend hin zu möglichst kleinen Geräten. Und plötzlich kippten die Hersteller selber diese Entwicklung, vermutlich um mit mehr Schnick-Schnack mehr Verkaufsargumente zu haben, und fingen an diese klobig-klotzigen Dinger zu bauen. Die kleinen Klapphandys waren cool.

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