Bücher fürs Fest

Denn Lesen ist gut für jeden.
Tingler

Der Klassiker «Effi Briest» wurde bereits fünfmal verfilmt – zuletzt 2009 mit Julia Jentsch und Sebastian Koch in den Hauptrollen. Foto: PD

Tage des Schenkens stehen bevor, meine Damen und Herren. Deshalb hier, ohne weitere Umschweife, fünf Buchempfehlungen:

  1. Anja Rützel: «Lieber allein als gar keine Freunde»

    Dieses Buch ist etwas heikel zu verschenken, man setzt vielleicht die falsche Botschaft. Aber vielleicht haben Sie ja jemanden wie Anja Rützel in Ihrem Familien- oder Freundeskreis. Eigentlich wünsche ich jedem, jemanden wie Anja Rützel zu kennen, die in diesem Buch so fabelhafte Fragen formuliert wie: «Ist man eigentlich wirklich alleine, wenn in einem selbst noch ein geringelter Witzevogel, eine dauerpessimistische Unke und noch ein paar andere Charaktere leben?»

  2. Vicki Baum: «Makkaroni in der Dämmerung»

    Die Zwanzigerjahre sind als kultureller Bezugsrahmen wieder gefragt. Vicki Baum war in den Zwanziger- und Dreissigerjahren internationale Bestsellerautorin (zum Beispiel «Menschen im Hotel»), heute weitgehend vergessen (besser als umgekehrt, jedenfalls für sie). Doch wie diese Sammlung zeigt, war Vicki Baum auch eine Meisterin des kleineren Formats, des Feuilletons als spezifischer Erkenntnisform, mit seinen Eigenarten des Spielerischen und der Beweglichkeit. In Verbindung mit zeitlosen Beobachtungen, etwa der Würdigung der Kleidermode als Element zur Etablierung des sozialen Habitus, lange vor Herrn Bourdieu.

  3. Ferdinand Hardekopf: «Berliner Briefe»

    Im Unterschied zu Vicki Baum auch zu Lebzeiten nicht sehr bekannt wurde Ferdinand Hardekopf (1876–1954), Autor, Schriftsteller, Kritiker, Feuilletonist. Verdankenswerterweise kürzlich wiederentdeckt vom Zürcher Nimbus-Verlag wurden Hardekopfs Berlin-Feuilletons, deren pointierte Beobachtungen zu grossstädtischem Leben um die vorletzte Jahrhundertwende, mit seinen Aufbrüchen, Rissen und Verwerfungen in Kultur und Gesellschaft, sich messen können mit den Berlin-Flaneuren Alfred Kerr und Theodor Fontane.

  4. Martin Amis: «Im Vulkan»

    Amis’ Essays endlich in deutscher Übersetzung. Martin Amis verfügt über eine ganz eigene psychologische Kunst des Portraits (zum Beispiel angewandt auf Truman Capote oder Steven Spielberg), der Band enthält ausserdem politische Reportagen über britische und amerikanische Verhältnisse und literaturtheoretische Betrachtungen über Kafka und Nabokov.

  5. Theodor Fontane: «Effi Briest»

    Weil das ein Meisterwerk ist. So was wird heutzutage gar nicht mehr hergestellt.

2 Kommentare zu «Bücher fürs Fest»

  • Doris sagt:

    „Jeder stirbt für sich allein“ von Hans Fallada. Wieder entdeckt und erneut gänzlich verfallen – den Geschichten, den Figuren, der Sprache.

  • Kristina sagt:

    Es waren zwei ganz billige Romane, die mir in die Finger kamen, kurz bevor ich ein Werk von Stephen King las. Bücher verändern die Fantasie des Menschen, der sie liest. Nicht ungefährlich. Und dann diese Effi Geschichten. Eine kurze Version davon musste auch ich schreiben. Als Strafaufgabe – wegen Tuscheleien. Als Siebzehnjährige. Ob das vor, während oder nach der Lektüre von Süskinds Parfum war, weiss ich nicht mehr. Ich werde mich nie daran gewöhnen. Und diese Romantik. Einfach widerlich. Oder wie Kracauer meinte: Die Reise und der Tanz.
    Dieses raumzeitliche Doppelleben könnte aber kaum mit solcher Intensität begehrt werden, wenn es nicht die VERZERRUNG des wirklichen wäre.

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