Neuer Name, neues Glück

Guten Appetit beim vegetarischen Geselligkeitsimbiss – denn Käse klingt viel zu belastend.

Hier gehts nicht um Ernährung, hier gehts um Emotionen. Foto: iStock

So. Wir haben, wieder einmal, genug über Kanye West geredet, meine Damen und Herren, beziehungsweise über TAFKAKW. Das steht für: The Artist Formerly Known As Kanye West, denn Kanye West heisst ja jetzt nicht mehr Kanye West, sondern: Ye. (Wir hoffen sehr, dass dies zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Kolumne nicht schon wieder anders ist.) Ungefähr so wie das beliebte Brettspiel mit den Buchstaben plötzlich nicht mehr «Scrabble» hiess, sondern «Buchstaben-YOLO», aber nur kurz, und dann doch nicht oder nicht im Ernst.

Merken Sie was? Neuer Name, neues Glück. Der Name als eine Art persönliches Framing: «Ralph Lauren» erweckt einfach glamourösere Assoziationen als «Ralph Lifshitz». So ist der Namenswechsel auch stets ein Akt der Neuerschaffung, nicht nur bei Künstlern und Möchtegernkünstlern, sondern auch bei Produkten und Unternehmen.

Das Diät-Franchising Weight Watchers zum Beispiel wollte Zugeständnisse an die Gegenwartsmode der sogenannten Körperpositivität machen (die grob gesagt darinnen besteht, dass man sich nach wie vor vordringlich mit seinem Körper und dessen Wahrnehmung durch andere befasst, jetzt aber reklamiert, so aussehen zu können, wie man wolle). Also sollten Trigger-Reizworte wie «Gewicht» oder «schlank» nicht mehr mit der Marke assoziiert werden, weshalb dieselbe sich in WW umtaufte. Man wolle mit einem breiteren Angebot zum weltweiten Partner für Wellness werden, liess WW verlauten; es gehe nicht mehr um Dick oder Dünn, sondern ums Gutfühlen, dank bewusster Ernährung, mehr Bewegung, einer positiven Einstellung oder allem zusammen. Yippie. Machen wir mal so weiter. Hier kommen ein paar Anregungen: 

  1. Statt Zentralstelle für Verkehrs- und Ordnungsbussen nennen wir das jetzt: Mobilitätsservice. Oder Raumbewirtschaftungsservice. Oder Öffentliche Raumpflege.

  2. Statt vom Bundesrat (klingt viel zu patriarchalisch und altbacken) sprechen wir inskünftig vom Bundesservicegremium.

  3. Statt Käsefondue (Käse hört sich schliesslich viel zu belastend an) sagen wir: vegetarischer Geselligkeitsimbiss.

  4. Statt Flughafen Zürich sagen wir fortan: Ursula Andress International.

  5. Und statt Schweizer Buchpreis korrekterweise: Schweizerischer Literaturbetriebspreis.

10 Kommentare zu «Neuer Name, neues Glück»

  • David Rovere sagt:

    Nummer 4 ist mein Favorit. Nur wenn es auf auf dieser Erde ein Land gibt, welches garantiert niemals seine Flughäfen nach Menschen benennt, dann ist es die Schweiz. Stelle mir gerade vor, wenn sämtliche Neidgenossen aller politischen Schattierungen sich da auf einen Namen einigen müssten. Printmedien erleben einen 2. Frühling mit seitenweise Leserbriefspalten. Jahrelange politische Realsatire ist garantiert.

    Und dort, wo noch am ehesten ein Konsens zutraubar ist, redet Frankreich mit rein: Bernhard Heusler Euroairport.

  • Jack Stoffel sagt:

    Danke, Herr Tingler, Sie haben etwas ausgelöst.
    Brillen gibts nicht mehr; das ist jetzt Eyewear. Uhren sind neuerdings Timewear, Schuhe Footwear. Häuser werden nicht mehr abgerissen, sondern rückgebaut, Leibchen wurden durch T-Shirts ersetzt, der Coiffeur heisst jetzt Hairstylist oder Capilliculteur und hat zwar ein Hair Spa, aber keinen Salon. Das Militärdepartement ist jetzt das Dep. für Bevölkerungsschutz, Sachbearbeiter sind nun Projektleiter, Billett-(Verzeihung: Ticket-)Kontrolleure Kundenberater, Aushilfsarbeiter Freelancer, Kosmetikerinnen Beauty Adviser, dafür sind jetzt die Putzfrauen Raumkosmetikerinnen. Wenn die Firma Mörxli AG einen internen Weiterbildungskurs (äh nein; das ist ein Workshop, kein Kurs) veranstaltet, heisst das Mörxli Academy . – Usw., ad infinitum.

  • hermine achermann sagt:

    ich will keinen neuen namen fürs käsefondue !! so ein köstliches gericht,selber gerührt und mit viel liebe genossen: mit richtigem sauerteigbrot ein traum! was mir fehlt, sind die kleinen kristallglasschwäne meiner mutter, in denen sie in den fünfzigerjahren im kirsch,als medizin deklariert, das brot und einen würfelzucker tunkte. ich bin übrigens eine verfechterin von holzkelle und 8 rühren…….das kommende wochenende mit den fallenden temperaturen bietet sich an für die premiere der feinen speise aus dem caquelon. guten appetit!

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