Wie bändigt man das Böse?

Fünf Werkzeuge des Guten.
Tingler

Liebe gegen Hass – ein ewiger Kampf: Szene aus dem Film «Do the Right Thing». Foto: PD

Was ist das Böse, meine Damen und Herren? Nun, wenn man den Moralphilosophen Rüdiger Safranski befragt, so wie ich unlängst anlässlich der «Berner Reden», dann ist die Antwort: Das Böse ist der Preis der Freiheit. Das Böse, die Entscheidung zum Bösen, ist gekoppelt an das freie Bewusstsein. Das Bewusstsein kann die Grausamkeit, die Zerstörung um ihrer selbst willen wählen. Das Böse ist das Bedrohliche, das dem freien Bewusstsein begegnen und von ihm getan werden kann, so Safranski, es begegnet uns in der Natur, im Chaos, in der Kontingenz, in der Entropie, im Fressen und Gefressenwerden, in der Leere im Weltraum ebenso wie im eigenen Selbst, im Abgrund der Existenz.

Und was können wir tun? Wie bändigt man das Böse? Hier folgen ein paar Möglichkeiten:

  1. Institutionen

    Die Schaffung von Institutionen entspricht einer bewährten Tradition des liberalen Denkens, dessen Programm gegen das Böse lautet: Man wird den Menschen nicht verbessern können, man muss vielmehr in die Vernunft der Strukturen investieren. Auch Versprechen sind Institutionen, zum Beispiel das Eheversprechen.

  2. Selbstkritik

    Je oberflächlicher ein Mensch ist, desto eher wird er sich dem Bösen ergeben, dem Bösen nachgeben. Darinnen liegt Hannah Arendt zufolge die Banalität des Bösen. Ein Indikator solcher Oberflächlichkeit ist die Benutzung von Klischees. Um nicht in Klischees abzurutschen, ist permanente Selbsthinterfragung vonnöten. Gerade heute, wo die Grenzen zwischen Wahrheit und Klischee zu verwischen scheinen.

  3. Weltbezug

    Kirchenvater Augustinus von Hippo (354–430) befand: Der Mensch wird böse, wenn er sich nach sich selbst richtet. Bedeutet laut Safranski: Der eigensinnige Selbstbezug lässt den Menschen aus der Fülle des Seins herausfallen, der Transzendenzverrat, der mit dem Selbstbezug verbunden ist, ist deshalb das Schlimmste, was sich der Mensch antun kann, eine Selbstberaubung, eine Selbstunterbietung, ein Mangel an Sein. Kann nicht schaden, sich daran zu erinnern, gerade in Zeiten der Selbstoptimierung.

  4. Askese

    Arthur Schopenhauer hingegen würde sagen: Einer zerstörerischen grausamen Wirklichkeit aufgrund eines blinden, vernunftlosen Weltwillens kommt man nicht bei mit einer Kritik der Vernunft, sondern allenfalls mit einer Abspannung des Willens. In der Kontemplation, in der Kunst, in der Philosophie und schliesslich in der Askese liegt der Weg gegen das Böse.

  5. Ironie

    Es geht also um eine Balance von Abstand und Nähe zur Welt. Weltdistanz und Weltvertrauen lassen sich am elegantesten versöhnen in der Ironie.

13 Kommentare zu «Wie bändigt man das Böse?»

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