Neue Zeit

Eine Stunde mehr! Was machen wir?

Juhuu, eine Stunde länger schlafen. Oder viermal eine Viertelstunde. Oder eigentlich immer … Foto: iStock

Wir sind im Herbst, meine Damen und Herren, und die Einladungen für Januar treffen ein … wie bitte? Ja. So ist es. Darin äussert sich die allumgreifende Beschleunigung. Nur der Rhythmus der Jahreszeiten bleibt unbeschleunigt. Der Sommer ist vorbei. Endlich nicht mehr so tun, als ob man gerne draussen sitzt. Und abends wird es früher dunkel. Allerdings auch, weil wir die Zeit umstellen. Heute haben wir eine Stunde mehr. Was tun? Hier kommen ein paar Vorschläge:

  1. Mehr Mastery-Erlebnisse. So nennt man Aktivitäten, die uns herausfordern, bei denen wir etwas meistern und uns beweisen müssen. Das hebt unsere Stimmung und steigert unser Selbstvertrauen. Typische Mastery-Erlebnisse für einen Herbstsonntag in Zürich, die ungefähr eine Stunde dauern, wären: (1) Finden Sie einen Parkplatz für Ihren SUV im Umkreis von 500 Metern des Paradeplatzes. (2) Fragen Sie Passanten so lange nach 10 Franken, bis Sie Erfolg haben.

  2. Googeln Sie «Sachen, die eine Stunde dauern». Das allein dauert schon mal eine Stunde. Und dann machen Sie was von den Sachen, die Sie gefunden haben, nächstes Jahr. Wenn Sie wollen.

  3. Treiben Sie das Selbstoptimierungsdogma der Beschleunigungsgesellschaft voran und nutzen Sie die zusätzliche Stunde zur Kalorienvernichtung. Dazu einige Angaben für Ihre Entscheidungsfindung: Der Zusatzverbrauch durch 1 Stunde Hausarbeit beläuft sich auf 170 kcal; 1 Stunde Bergwandern liegt bei 440 kcal, und 1 Stunde Sex bei 340 kcal (was wiederum ungefähr einer Stunde Spazierengehen entspricht).

  4. Da wir bei Selbstoptimierung sind: Was Sie aus der Stunde machen, hängt auch davon ab, wann Sie die Uhr umstellen. Nicht alle Menschen (wohl die wenigsten) tun dies ja tatsächlich um 03.00 Uhr nachts. Falls Sie die Uhr beispielsweise nachmittags zurückdrehen, gewinnen Sie eine Stunde bester Koordination und schnellster Reaktionsfähigkeit (jedenfalls nach den Forschungen der frischgekürten Nobelpreisträger Hall, Rosbash und Young zur inneren Uhr).

  5. Oder: Teilen Sie die Stunde auf. Selbstoptimierung hin oder her: Es gibt nichts Besseres für einen perfekten Start in den Tag, als nach dem Aufwachen einfach noch 15 Minuten liegen zu bleiben. Das können Sie jetzt viermal machen. Und danach vielleicht beibehalten. Sommers wie winters.

5 Kommentare zu «Neue Zeit»

  • Lina sagt:

    Länger schlafen bei diesem grauen kalten Wetter und dann eine guten Café trinken.

  • Lina sagt:

    Nicht länger schlafen keinen Café trinken.

  • Doris Aerne sagt:

    Herrlich: Erste Idee beim heutigen Uhrenumstellen: Bis zum nächsten Sommer treffen keine Einladungen in Folge mehr ein für Grillabende. Und nachts Ruhe, da keine Dachterrassenfeste mehr.
    Die geschenkte Stunde habe ich heute folgendermassen genutzt:
    Vor dem Gang zum Bäcker, der sonntags um 08.00 Uhr öffnet, genehmigte ich mir vorher einen ausgiebigen Quartierspaziergang im Kreis 6 und entdeckte dabei schöne alte Häuser, die ich bisher gar nicht gebührend wahrnahm.

  • Kristina sagt:

    Die Zeit, des einen Fetisch, des anderen Hint.

    • Henry sagt:

      Hören Sie bloß auf. Auf diesem Blog findet sich sicher der eine oder andere (bewusst nicht gegenderte) Leser (die lieben Damen sind, wie die letzten Jahrhunderte auch, selbstverständlich in dieser Anrede inkludiert) , der noch anfängt darüber nachzudenken……

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