Ich bin, was ich kaufe

Der neue Geltungskonsum orientiert sich an der Produktion eines Produkts, nicht am Produkt an sich.

Fair-Trade-Kaffee signalisiert ein Bewusstsein und damit kulturellen Status. (Montage: Nathalie Blaser)

Thorstein Veblen.

Wir erwähnen ja in dieser Rubrik gelegentlich den klassischen Geltungskonsum, meine Damen und Herren. Der Begriff geht zurück auf den amerikanischen Soziologen Thorstein Veblen. Der bezeichnete damit Prestigekäufe; sichtbaren, auffälligen Konsum nicht zuletzt zu sozialen Zwecken, nämlich der Statusdemonstration: Goldene Uhren, silberne Löffel, grosse Häuser funktionieren als Markierer der gesellschaftlichen Stellung.

So weit Veblen. Vor über hundert Jahren. Und heute?

Elizabeth Currid-Halkett.

Heute sehe das etwas anders aus, schreibt Elizabeth Currid-Halkett, Professorin an der University of Southern California, in ihrem viel besprochenen Buch «The Sum of Small Things». Nicht zuletzt nämlich infolge des Umstandes, dass luxuriöse (oder wenigstens einigermassen luxuriös aussehende) Produkte heute weitaus leichter für breitere Kreise zugänglich sind, hat gemäss Currid-Halkett der neue Geltungskonsum von Produkten vor allem mit deren Produktion zu tun: Analog zu Prestigekonsum könnte man von Prestigeproduktion sprechen, also von einer Produktionsweise, die als solche Geltungsansprüche erhebt.

Kaufen Sie Fair-Trade-Kaffee? Oder Bioprodukte? Dann wissen Sie, was ich meine: Es ist hier der Produktlebenszyklus, die Art der Herstellung (etwa: fair und nachhaltig), wodurch sich der Status des Produktes begründet, dessen Erwerb materiell per se durchaus ein kleinerer Akt sein kann, insofern er keine grössere Ausgabe bedeutet (insofern handelt es sich um unauffälligen Konsum), aber er fungiert und funktioniert trotzdem auch auf der symbolischen Ebene, indem er ein Bewusstsein signalisiert, also kulturelles Kapital. Also: Status.

8 Kommentare zu «Ich bin, was ich kaufe»

  • werner boss sagt:

    Der eigentliche Sinn eines Labels war nach meinem Dafürhalten eigentlich eine gerechtere Bezahlung der Produzenten in armen Ländern! Nun schneidert da der Herr Tingler wieder mal ein psychologisches Problem der Industriestaaten daraus, ohne zu berücksichtigen, dass bestimmte Marken und Namen seit alten Zeiten eine sehr viel grösseren Einfluss darstellen! Aber wie das eben so ist in der Psyche des Menschen, er sucht gerne nach einem möglichst wehrlosen Opfer um seine Unpässlichkeiten los zu werden..Ich nenne das immer den zwischenmenschlichen Abfalleimer!

  • Kristina sagt:

    Schau Myon. Im Anfang war das Wort. Im Ende waren da Menschen. Und dazwischen ganz viel Kunst.

  • Franz Gödl sagt:

    Wenn der Geltungskonsum in die Richtung geht, mehr Bewusstsein in den Produktionsprozess zu bringen, dann ist dies eine gute Entwicklung. Wichtig ist nicht die Motivation sondern das Ergebnis und da muss man sagen, dass ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln, sei es in Bezug auf die Herkunft oder deren Verarbeitung uns selbst und unserer Umwelt zu Gute kommt. Anders kann man hinterfragen, ob immer die gute Absicht auch zu guten Resultaten führt. Ein Negativbeispiel konnte man zuletzt bei einer Tierschützeraktion sehen, die dazu führte, dass man 70 Kühe schlachtete – aus wirtschaftlichen und nicht anderen Gründen

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