Keiner will singen

Die Wahrheit über Donald Trump und Hollywood.

(Noch) leere Bühnen: Sicherheistmann an der Generalprobe zur Trump-Inauguration. (Reuters/Carlos Barria )

Die Inauguration des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten steht vor der Tür, meine Damen und Herren, und sie scheint ein ziemliches Show-Desaster zu werden. Grosse Namen des Showgeschäfts meiden die Veranstaltung so wie grosse Namen der Mode die 47. First Lady, Melania Trump. Der mittelmässige, aber weltbekannte Sänger Andrea Bocelli wollte zu Trumps Ehren auftreten, bekam dann aber Angst vor einem möglichen Boykott seitens seiner Käufer. Der gleichfalls weltbekannte Interpret Elton John, von einem Mitglied des Trump Transition Team via BBC ins Spiel gebracht, reagierte wie folgt: «Why not ask Ted fucking Nugent?»

Ted Nugent ist ein reaktionärer, rassistischer und waffenfanatischer Rockmusiker, der, wie Trump, oft Unsinn redet, allerdings, wie Trump, oft selbst an diesen Unsinn glaubt (getreu dem Motto von George Costanza aus «Seinfeld»: Es ist keine Lüge, wenn man selbst daran glaubt). Nun scheint es aber angebracht, klarzustellen, dass es wenigstens eine Sache gibt, die Trump behauptet, ohne selbst daran zu glauben, und das ist seine Ablehnung von «Hollywood». Die dreifache Oscarpreisträgerin Meryl Streep hat bei ihrem eleganten und eloquenten Plädoyer gegen Trump und für mehr Zivilität anlässlich der Golden Globes viel Richtiges gesagt, aber bei einer Sache lag sie falsch, dass nämlich bei jener Gala der Hollywood Foreign Press Association die drei grössten Hassziele Trumps versammelt wären: eben Hollywood, Ausländer und die Presse.

Trump liebt Hollywood

Denn Donald Trump liebt Hollywood. Er gibt nur vor, es zu verachten. Deshalb macht ihm die Geringschätzung von Meryl Streep so viel aus oder die Leitartikel von Graydon Carter, Chef von «Vanity Fair», einem Zentralorgan Hollywoods, das Trump wieder und wieder als peinlichen Kleingeist desavouierte. Man versteigt sich gewiss nicht zu atemberaubenden psychologischen Schlussfolgerungen, wenn man konstatiert, dass Trump die Akzeptanz des Hollwood-Establishments sicher wichtiger wäre als die des politischen Establishments, zum Beispiel. Denn noch wichtiger als Macht ist ihm: Berühmtheit.

Der vorgebliche Hass Trumps gegen Hollywood hat nichts damit zu tun, dass eine Umarmung des Westküsten-Liberalismus womöglich den Redneck-und-Evangelikalen-Anteil seiner Wählerschaft verprellt hätte. Vielmehr ist das Motiv hier, wie (fast) immer bei Trump, ein persönliches: die Kränkung der Ablehnung, die Kränkung der kulturellen Ausgeschlossenheit durch Hollywood als kultureller Hinterwäldler (ein kulturelles Stigma, das ihn dann ironischerweise doch wieder mit dem Redneck-und-Evangelikalen-Anteil seiner Wählerschaft verbindet, mit dem er als mutmasslicher Milliardär ja ansonsten nicht viel gemein hat).

Hollywoods geschlossene Türen

In einer etwas unkonventionell gewendeten Theorie des Geldes könnte man sagen: Geld hat drei Verwendungen. Erstens Konsum und Anlage, zweitens ein Im-Vergleich-mit-anderen-Stehen und drittens die Schaffung von Zugang (zum Beispiel als Kunstsammler oder Mäzen). Je mehr Geld der Mensch hat, desto wichtiger werden tendenziell die letzten beiden Verwendungsarten. Und hier nun fungiert für Trump «Hollywood» als das Etikett einer Welt, zu der er sich den Zugang nicht kaufen kann. Was ihn zutiefst beleidigt. Nur dass das mal klargestellt wurde: Donald Trump liebt Hollywood. Er wird bloss nicht reingelassen.