Haare sind wichtig

Über Friseure und Politiker.
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Wozu er einen Coiffeur im Bereitschaftsdienst braucht, bleibt sein Geheimnis: Frankreichs Präsident Hollande. Foto: Eduardo Munoz (Reuters)

Ich habe versprochen, dass ich nicht mehr über Donald Trumps Haare schreiben werde, meine Damen und Herren. Und daran werde ich mich auch halten. Well, sort of. Haare sind nämlich wichtig, erstaunlich wichtig. Oder können Sie sich an einen glatzköpfigen US-Präsidenten erinnern? Hingegen erinnern Sie sich gewiss, sofern Sie alt genug sind, an die auf jeden Fall nicht gefärbten Haare von Herrn Schröder oder an die mutmasslich mit einem Edding 550 aufgemalten Haare von Silvio Berlusconi. Oder daran, wie damals, am 18. Mai 1993, zwei Bahnen des Los Angeles International Airport geschlossen wurden, damit Präsident Bill Clinton sich an Bord der Air Force One für 200 Dollar die Haare schneiden lassen konnte.

Haare sind aber nicht nur in den USA wichtig, wie neulich wieder offenkundig wurde, als eine leicht konsternierte Öffentlichkeit erfuhr, dass der französische Präsident François Hollande einen Coiffeur im Bereitschaftsdienst hält für rund 10’000 Euro im Monat. Hollande verfügt (konservativ geschätzt) aktuell über ungefähr 17 stark abgedunkelte Haare, und dass die Eitelkeit bis in die äussersten Verästelungen der Peinlichkeit hinaufwuchert, ist gerade beim männlichen Haarverlust nicht selten. Hollandes Figaro ist durch eine Verschwiegenheitsklausel gebunden.

Die «New York Times» hat hingegen darauf hingewiesen, dass Hollandes Coiffeurgate gute Nachrichten für Hillary Clinton bedeute. Denn Hillary hat sich seit Dekaden mit Kommentaren zu ihren Haaren rumzuschlagen. Zunächst, als First Lady, wurden ihre häufigen Friseurwechsel moniert (manche Beobachter sahen darinnen eine Reflexion von Wankelmut, Berechnung und Geltungsdrang). Dann, als Aussenministerin, wurde Hillarys Haar als vernachlässigt empfunden. (Sie erinnern sich, sofern Sie alt genug sind, gewiss an diesen Strähnentsunami, der durch ein Gummiband gehalten wurde.) Und dann wieder war unlängst ein Besuch Hillarys im John-Barrett-Salon bei Bergdorf Goodman in New York das Problem. Zu teuer.

Auch Männer in der Kritik

So war es verständlich, dass Hillary die Kandidatenschaft Donalds Trumps damals mit den Worten begrüsste: «Endlich jemand, dessen Haare mehr kommentiert werden als meine!» (Da ahnten wir alle noch nicht, wie lange wir noch über Trumps Haar würden reden müssen.) Und hier nun kommen wir zurück auf die «New York Times». Deren Argument lautet: Haar ist kein sexistisches Argument mehr in der Politik. Da kriegen Männer heutzutage mindestens so viel Haarkritik ab wie Frauen. Man kann natürlich diskussionswürdig finden, dass es überhaupt um Haare geht. Und es geht weiter. Im «New York Magazine» fand sich unlängst ein ausführliches Interview mit Hillary Clintons Stylistin Isabelle Goetz, die dorten zur aktuellen Coiffure der Kandidatin wie folgt zitiert wird: «Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das ein guter Look, und Hillary sollte dabei bleiben.» Meldungen zufolge hat sich Hillary bei «Vogue»-Chefin Anna Wintour Rat in Fragen der Erscheinung geholt, und von Anna Wintour kann man vieles lernen, unter anderem: Konstanz der Frisur.

Und nun kein Wort mehr über Haare, versprochen. Jedenfalls über die von Donald Trump. Der bekanntlich einen Abschnitt seines Buches «Trump: How to Get Rich» wie folgt betitelt hat: «The Art of the Hair». Dort schreibt Herr Trump: Wenn ihm die Haare ausgingen, würde er sich ein Toupet besorgen. Apropos: Wieso hat sich Wladimir Putin eigentlich noch keine Hair-Metal-Mähne transplantieren lassen? Wir warten.