Das Leben als Fotospur

Fototrail

Diese Kolumne heisst «Camera Roll», meine Damen und Herren, und wenn Sie in müssigen Momenten beispielsweise in das ebenso betitelte Album auf Ihrem Smartphone geraten, sehen Sie die Fotospur der letzten Tage. Analog zum «Paper Trail», der Dokumenten- bzw. Datenspur, die das spätmoderne Subjekt beispielsweise per E-Mail oder Textnachrichten hinterlässt, kann man von einem «Photo Trail» sprechen. Fotos sind unsere Notizen geworden; wenn wir uns an eine Sache erinnern wollen («erinnern» hier im praktischen, nicht im sentimentalen Sinn), zum Beispiel an ein Paar Schuhe oder die Abfahrtszeiten der Fähre, fotografieren wir sie einfach. Können Sie sich noch an die seligen Zeiten erinnern, als nicht jeder ständig Fotos machen konnte? Zum Beispiel Selfies mit Flugzeugentführern? Oder, noch abscheulicher: Tindercaust.

Wir leben in einer Kultur der Sichtbarkeit. Passend dazu hat sich die «New York Times» neulich mit unserer Faszination für ungleiche Paare, also «Odd Couples», auseinandergesetzt. «It doesn’t matter if the couples’ unlikeliness is based in their disparate ages, their levels of attractiveness, status, physical size or race: Show them, and the world goes all Joan Rivers», schreibt das verdienstvolle Blatt und fügt unter Bezugnahme auf die kürzlich vollzogene Trauung von Rupert Murdoch (85) und Jerry Hall (59) hinzu: «Wenn immer unwahrscheinliche Liebespaare sich zusammentun, reagiert die Mitwelt selten ohne Meinung beziehungsweise ohne jenes Geräusch, das man von Drittklässlern erwarten würde, denen man das Video einer Entbindung vorführt.» Und weiter: «Wir erlebten eine ähnliche Reaktion, als gemeldet wurde, dass Mr. Murdochs Ex-Frau Wendi Deng (47) nun romantisch involviert sei mit Wladimir Putin (63).»

Zu Letzterem möchte ich anmerken: Das muss freilich nicht unbedingt mit der Altersdifferenz zu tun haben.

Bis übermorn.

Blog Mag

Das Smartphone ist das neue Gedächtnis. Foto: Valentin Flauraud (Keystone)