Jurassic Pärke

pärk

Welchen Ort hat die Intentionalität in einer Welt der Kausalität, meine Damen und Herren? Dies frug ich mich neulich, als ich im Zug vom Flughafen kommend Richtung Zürich Hauptbahnhof fuhr, und dann fiel mein Blick auf dieses Plakat: Pärke. Das ist der schweizerische Plural von Park. Sieht man nicht so oft im Druck. Und wissen Sie, welches Wort man ebenfalls selten sieht? «Malapropismus». Und «Heckmutter». Sowie «paränetisch». Viel zu oft (und damit meine ich: öfter als überhaupt nicht) wird hingegen folgender Ausdruck gebraucht: «Mitmachstation». Ein furchtbares Wort. Ebenso wie: «Situationsplan». Oder, einfach nicht aus der Mode kommen wollend: «Performance-Künstler». Was soll das bedeuten? Jeder Künstler liefert doch eine Performance. Idealerweise. Und damit bis übermorn. Nein, halt. Eine Sache noch. Wissen Sie, was ich ausserdem im Zug gesehen habe? Es gibt tatsächlich noch Leute, die ihr Mobiltelefon am Hosenbund tragen. Das ist irgendwie rührend. Rührend und schrecklich zugleich. Es sollte ein Wort dafür geben.

7 Kommentare zu «Jurassic Pärke»

  • Kristina sagt:

    Präzise. Perforiert. Perfekt.

  • René van Saramacca sagt:

    Lieber Herr Doktor. Es gibt durchaus nicht-Performance Künstler, z.B. Sie, der da schreibt, oder bildende Künstler jeder Art, ausser eben den Performance-Künstlern, (Sechziger Jahre). Wolf Vostell, Allan Kaprow auch Joseph Beuys – also Aufführungen von etwas, das kein Theaterstück ist: Aktionskunst nennt sich das. Mit fliessenden Grenzen, so etwa die Ursonate von Schwitters und natürlich jeder Schriftsteller, der aus seinen Werken liest – Jandl konnte das wunderbar.
    Schöne weitere Worte aus Presse und Werbung: «weltweite Globalisierung» und ganz deutlich: Gratisgeschenk.

  • Ruedi Kölliker sagt:

    In Betrachtung der Formwahl bei der Ausformulierung des „sich selbst Fragens“ in der zweiten Zeile, produziert dieser Beitrag ein regelrechtes rhetorisches Oxymoron. Es gibt kaum was unschöneres, als das grausige „frug“ darin.
    Und das schreibt einer, der über den Schweizer Plural des Wortes Park lamentiert.
    „Kleinlich“, fragt ihr euch? Aber genau darum geht es doch in diesem Beitrag…!

    • Henry sagt:

      So sehr ich den Herrn Dr. schätze, Herr Kölliker ist im Recht. Auch wenn Friedrich Schiller „frug“ verwendete……

  • Eos sagt:

    „Wer sich auf das Leben einlässt, der kann nicht in der mechanischen Sphäre der Kausalität verharren, der muss zur intentionalen Weltsicht vorstossen; dort aber, ob es ihm denn passt oder nicht, gerät er in die Dynamik von Verantwortung und Schuld, Verpflichtung und Engagement.“ Dafür braucht es die Einbettung des Geschehens „in ein Bezugssystem von Werten und Wünschbarkeiten, von Interessen und billigender Inkaufnahme“ (Norbert Bischof, Habermas auslegend). An die Stelle der Bezugssystems habe ich hier letzthin den Zufall gesetzt. Bin ich Skeptiker? Bin noch auf der Suche.

  • Nicole sagt:

    In der Tat sollte es das. Ich bin für „rührlich“.

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