Sind neue Brüste die Paketlösung aller Probleme?

IMG_4502

In der Ethik, meine Damen und Herren, ist die Begrenzung der moralischen Pflichten durch das Machbare die einzige Form, ohne einen Verstoss gegen Humes Gesetz von Faktischem auf Normatives zu schliessen. Derartige Schlüsse sind allerdings rein negativ und können keine positiven Werte oder Normen begründen. Mit anderen Worten: Dadurch wird nichts über die Moralität dessen ausgesagt, was machbar ist.

Machbar sind, zum Beispiel, neue Brüste. In letzter Zeit sehen wir in Zürich überall recht aggressive Reklamen für neue Brüste in der Pauschalpaketlösung zum Fixpreis. Inklusive 3-D-Simulation? Oder kostet die extra? Da bin ich im Moment nicht sicher. Die sogenannte Schönheitschirurgie ist ein Zweig der ärztlichen Kunst, der floriert und sich gegen das sträubt und stemmt, was man den Zahn der Zeit zu nennen pflegt. Offenbar hat die Zeit nur einen Zahn; dieser nagt dafür an allem.

Übrigens ist die Zeit möglicherweise selbst in Paketeinheiten von 10 hoch minus 44 Sekunden gepackt; das kann man heute noch nicht messen. Brüste kann man messen. Dabei fällt mir ein: Ich hab ja neulich mal wieder die Kardashians gesehen. Khloé liess sich ihr Hinterteil mit einem Laserstrahl verschönern, während ihre Schwestern zuschauten und dabei Tee und Gebäck konsumierten. Das ist irgendwie das Gegenteil zur Elendspornografie des deutschen Privatfernsehens – und irgendwie auch nicht. Die Kardashians sind schockierend – aber es geht gleichfalls eine seltsam abtäubende Beruhigung von ihnen aus. Weil all ihre Sorgen lösbar erscheinen. Darinnen liegt all ihr Glück und all ihr Elend. Fest steht: Time is a cruel mistress, meine Damen und Herren. Vielleicht aber ist das ganze Leben auch bloss eine 3-D-Simulation. Denken Sie mal drüber nach. Bis übermorn.

9 Kommentare zu «Sind neue Brüste die Paketlösung aller Probleme?»

  • Winston sagt:

    Mit Hume, der den naturalistischen Fehlschluss als erster mit aller Deutlichkeit artikuliert hat, kann man etwa auch argumentieren, dass „widernatürliche Unzucht“ nicht an sich moralisch verwerflich ist. Sie verstösst gegen kein „natürliches Gesetz“ und ist nicht „objektiv ungeordnet“, wie es die katholische Kirche mit ihrem ausgeprägten Hang zum Naturrecht heute noch behauptet. Dem Naturrecht liegt ein Zirkelschluss zugrunde. Die kirchliche Lehre hätte genug „Material“, um vom Naturrecht endlich Abstand zu nehmen.

  • Jacques sagt:

    Ich wollte gerne über Ethik/ Moral in der 4. Dimension (Zeit) nachdenken. Aber ich konnte nicht. Wurde von der 3. Dimension (in Form von Naturbrüsten) abgelenkt. Und hörte im Hintergrund den alten Schopenhauer grimmig lachen: „Du hättest gerne wollen, hättest du denn auch können“?

    • Hans Hintermeier sagt:

      @Jacques: Schopenhauer würde wohl auch über Sie lachen, weil sich die Natur Ihrer bedient hat: „Was im individuellen Bewußtseyn sich kund giebt als Geschlechtstrieb überhaupt […], das ist an sich selbst […] der Wille zum Leben schlechthin […] In diesem Falle nun weiß der Geschlechtstrieb, […], sehr geschickt […] das Bewußtseyn zu täuschen: denn die Natur bedarf dieses Stratagems zu ihren Zwecken“ ( „Die Welt als Wille und Vorstellung“ Band II Kap.44)

  • Anh Toàn sagt:

    Ähnlich schön wie Sie sagen es die Red Hot Chilli Peppers: „Pay your surgeon very well, to break the spell of aging“

  • Cheshire Cat sagt:

    Diskursive Erkenntnis a priori oder ba ist nicht dasselbe wie b plus a oder Dürrenmatts Physiker? Ich wage zu schreiben, life’s a bitch.

    • Jacques sagt:

      CC: Sehr mutige These: Wer wagt – gewinnt. (kann aber auch verlieren). Trotzdem sehr bemerkenswert. Auch bei Dürrenmatt: Grieche sucht Griechin. Na ja, und wenn eben nicht fündig. Es gibt nicht nur Griechinnen 😉 – (Und dabei können weder Einstein noch Newton helfen; nicht einmal der Kommissar Bärlach). Aber auch Henry Miller kannte Griechenland, und schätzte „Maroussi“ …

  • Anh Toàn sagt:

    Wenn es die Vergangenheit gab und die Zukunft kommen wird, existiert doch nur Gegenwart. Wenn aber nur die Gegenwart existiert, wie kann es dann Zeit geben?

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.