Die gute alte Zeit

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Ich war zu Besuch in Berlin, meine Damen und Herren, und wenn ich in Berlin bin, gehe ich gerne zu Butter Lindner, zum Beispiel am Wittenbergplatz, unter anderem um Butter Lindners Krustenbrot zu kaufen, eines der besten Brote der ganzen Welt, das mich immer an meine Kindheit erinnert. Speaking of Kindheit: Ich blicke also ins Kühlregal, bei Butter Lindner, und sehe: eine Fanta-Flasche, die genau so aussieht, wie die Fanta-Flaschen aussahen, als ich klein war. Siehe oben.

«Did you steal that from a museum or find that frozen in ice?», erkundigen sich seine Kollegen bei Ron Swanson aus «Parks and Recreation», als er ein Mobiltelefon mit Tasten zückt (was er obendrein an einem Clip am Gürtel trägt). Und mit ebenjener Art ungläubiger Faszination reagierte ich auf diese historische Fanta-Flasche. Die Verkäuferin bei Butter Lindner schenkte mir eine. Das fand ich total sweet. Und so ging ich happy mit meiner Fanta meiner Wege, bis ich später durch die deutsche TAZ blätterte und sah, dass Fanta belastet ist. Fanta ist nämlich: Nazibrause. So muss man die Meldung in der «Tageszeitung» wohl zusammenfassen. Ich las:

«Vor 75 Jahren waren die Rohstoffe für die beliebte Coke in Deutschland knapp», erklärt ein Video, mit dem die Coca Cola Company das Jubiläum der Orangenlimonade Fanta bewerben will. Zu diesem Anlass brachte sie die «Klassik Fanta» in der Glasflasche auf den Markt und warb mit dem Aufdruck «75 Jahre Fanta. Erfunden in Deutschland» – um diese «deutsche Ikone» zu feiern und das «Gefühl der guten alten Zeit» zurückzubringen. Der Werbespot löste im Internet Empörung aus. Was der Konzern als «gute alte Zeit» anpreist, ist nämlich das Jahr 1940 in Nazi-Deutschland. Kriegsbedingt waren damals die Rohstoffe knapp, die amerikanische Coca Cola Company wollte den deutschen Markt, auf dem sie seit 1929 präsent war, aber nicht aufgeben. Deswegen liess sie von dem deutschen Chemiker Schetelig ein Ersatzgetränk aus Molke und Apfelfasern zusammenmischen: Fanta.

Fazit:

Für das peinliche Werbevideo hat die Coca Cola Company sich entschuldigt, sie bewirbt die «deutsche Ikone» nun mit den Worten «erfrischend anders».

Jim Knopf? Florida Boy!

Jim Knopf? Florida Boy!

Da sitze ich jetzt mit meiner Fanta und der guten alten Zeit. Apropos: Wenn ich früher bei meinen Grosseltern zu Besuch war, in den späten Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts, gabs Florida Boy. So hiess die Orangenlimonade von PepsiCo Germany. Florida Boy existiert schon lange nicht mehr.

Beworben wurde das Getränk mit dem Bild eines schwarzen Jungen, das nach heutiger Einschätzung stereotyp kolonialchauvinistisch (um nicht zu sagen: grenzwertig rassistisch) anmutet. Dieser Florida-Boy-Schwarze (in Werbespots damals übrigens von Lenny Kravitz verkörpert) sieht andererseits auf der gezeichneten Reklame aus wie die Jim-Knopf-Puppe der Augsburger Puppenkiste. Es ist irgendwie nicht immer leicht mit der guten alten Zeit.