Neulich auf der Osterinsel

Travel-Trip-Easter Island

Ostern steht vor der Tür, meine Damen und Herren, also lautet unser heutiges Thema: die Osterinsel. Ich war neulich dort. Warum heisst die Osterinsel Osterinsel? Weil der Niederländer Jakob Roggeveen, der im Auftrag der Westindischen Handelskompanie dort am Ostersonntag, dem 5. April 1722, landete, sie so taufte. Die Osterinsel liegt sehr isoliert im Südostpazifik. Das nächstgelegene bewohnte Eiland ist Pitcairn im Westen, über 2000 Kilometer entfernt. Sie gehört politisch zu Chile, geografisch allerdings zu Polynesien. «Te Pito O Te Henua» lautet der polynesische Name der Osterinsel. Das bedeutet: «Nabel der Welt». In der Sprache ihrer Bewohner, der Rapa Nui, heisst sie: Rapa Nui.

Man erreicht die Osterinsel zum Beispiel mit einem Direktflug von der peruanischen Hauptstadt Lima. Schon in der Lounge des Flughafens sieht man überproportional viele pensionierte Zahnärzte mit Multifunktionshosen und Safari-Schlapphüten. Die Osterinsel ist ein mythischer Ort. Jeder kennt die Bilder der Moai, jener kolossalen monolithischen Steinskulpturen mit den übergrossen Köpfen, Relikte eines archaischen Ahnenkults, die von der Vergangenheit der Rapa Nui zeugen – einer Geschichte, die bewegt war und nicht arm an tatsächlichen oder mutmasslichen Umstürzen, Brüchen, Katastrophen.

Die Osterinsel ist vulkanischen Ursprungs und bildet geografisch die südöstliche Ecke des polynesischen Dreiecks – aber wer erwartet, dass es hier so ähnlich aussehen würde wie etwa auf Hawaii, hat sich getäuscht. Die Landschaft ist oft rau und karg. Und eher rau und karg kommt gelegentlich auch der spezifische Charme ihrer Bewohner daher. Eines der allerbesten Hotels auf der Insel (und so viele gibt es zum Glück gar nicht) ist das Explora Posada de Mike Rapu; die Anlage aus Inselstein und Holz fügt sich in eine hügelähnliche Erhebung mit Blick auf den Ozean und liegt im Südosten der Insel, rund acht Kilometer von Hanga Roa entfernt, dem einzigen Ort, wo weniger als 4000 Menschen leben.

Das Explora Rapa Nui ist das Musterbeispiel einer High-End-Öko-Lodge: nicht invasiv, minimaler Fussabdruck, keine Plastikwasserflaschen, kein Fernsehen; dafür Gourmetküche, Open-Air-Jacuzzi und Pool sowie tägliche geführte Exkursionen und Touren, die wie die Mahlzeiten im (ansehnlichen) Preis enthalten sind. Die Osterinsel ist alles andere als eine Billigdestination. Sie ist vielmehr ein Beispiel für die Durchsetzung und Gestaltung einer neueren Art des Reisens: der nachhaltigen Fünf-Sterne-Blase. Das Abenteuer jenseits konventioneller Pfade, aber eben doch in der Fünf-Sterne-Blase. Denn je weiter wir uns von der Natur entfernen, desto gutmütiger kommt sie uns vor. Das Publikum im Explora-Hotel setzt sich zusammen aus reichen Hochzeitsreisenden aus Nord- und Südamerika, aber auch rüstigen gesetzteren Jahrgängen. Allein reist hier niemand.

In der Tat ist die Osterinsel eine unbedingt empfehlenswerte Destination – als Solitär, Kulturerbe und auch historischer Modellkosmos nicht zuletzt für die Folgen fehlender Nachhaltigkeit. Es ist dringend dazu zu raten, die Insel unter sachkundiger Führung kennen zu lernen, denn nur so erschliesst sich dem Besucher das ganze Bild: von den archaischen Steinbrüchen auf den Hängen des Vulkans Raru Raraku, wo die Moai entstanden, über die Höhlen der Felsenküste und die magischen Moai-Plattformen an den Gestaden des Ozeans bis hin zur historischen Kultstätte Orongo, Zentrum des Vogelmann-Ritus.

Ausserdem empfehlenswert ist der Besuch des kleinen Museums in Hanga Roa. Hier lernt man einiges über die Grundprinzipien der alten Rapa-Nui-Gesellschaft: Mana und Tapu. Mana ist die übernatürliche Kraft, die das tägliche Leben animiert; Tapu ist die Grenze, das Unberührbare, der Schutz, der das Mana erhält. Manu und Tapu sind quasi auch die Eckpfeiler jeder ordentlichen Nachhaltigkeitspolitik, die im Explora-Hotel zum Beispiel Phänomene wie «efficient lightning» und «biodegradable slippers» umfasst. Sowie WLAN nur in der Lobby. Soll mir recht sein. Solange das nicht auch noch dauernd ausfällt. Und das dann als Entschleunigung verkauft wird. Frohe Ostern!

Bild oben: Ein mystischer Ort: Die Osterinsel mit ihren Steinskulpturen «Moai». Foto: Karen Schwartz (AP/Keystone)

6 Kommentare zu «Neulich auf der Osterinsel»

  • Halser sagt:

    Coole Reise. Nur irritiert mich das ganze Öko/ Nachhaltigkeits/ nicht invasiv / minimaler(!) Fussabdruck in diesem Zusammenhang.
    Für den Ökologischen Fussabdruck nur schon des Fluges kann man doch locker 5 mal Ferien auf Malle machen. Dass die ganzen Rohstoffe für die Gourmet-Menues ebenfalls über tausende von Kilomertern eingeflogen wurden ganz zu schweigen – da nützt es wenig auf eine Pet-Flasche zu verzichten.

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