Königin Elizabeth

taylor

Die Oscars sind über die Bühne, meine Damen und Herren, Scarlett Johansson erholt sich noch von John Travoltas Haaren, so wie wir alle (und natürlich haben die Haare schon ihren eigenen Twitter-Account), aber wir bleiben noch einen Moment in Hollywood. Diese Woche hätte nämlich Elizabeth Taylor ihren 83. Geburtstag gefeiert. Elizabeth Taylor war der letzte grosse Filmstar der Welt. Sie wird häufig in Zahlen ausgedrückt: mit 12 Jahren berühmt, 8-fache Braut, 4-fache Mutter, 2 Oscars, 2 künstliche Hüften, 1 Titel von der Queen, rund 30 chirurgische Eingriffe aller Art, ein paar Nahtoderlebnisse, zweimal Betty-Ford-Klinik. Nach der Anzahl ihrer Filme fragt kein Mensch mehr.

Elizabeth Taylor lässt sich, wie alle bedeutenden Phänomene, auch in Stichworten ausdrücken: Millionenverträge, Klunker von einer Grösse, wie man sie sonst nur in Zeichentrickfilmen sieht, Gewichtsfluktuationen, Pillen, Alkohol, veilchenblaue Augen, die schönste Frau der Welt, Diva, Urgrossmutter, Witwe, Aids-Aktivistin, Geschäftsfrau, Richard Burton, Michael Jackson, Gehirntumor, Lungenembolie, noch mal Richard Burton. «Ich gebe nicht vor, eine gewöhnliche Hausfrau zu sein», erklärte die Betroffene dazu.

Postfeminismus, Feuilleton und Klatschpresse verrenken sich immer noch an ihr. Es wird darüber theoretisiert, ob Elizabeth Taylor (die es nicht leiden konnte, «Liz» genannt zu werden) eine Legende sei wie Greta Garbo oder ein tragischer Fall wie Judy Garland. Oder beides, das geht ja auch. Der Talkshow-Gastgeber Larry King theoretisiert nicht. «You are an industry, aren’t you», stellt er fest. Das war 2007. Da ging es um ein neues Parfüm, Forever Elizabeth, das letzte Produkt der Elizabeth-Taylor-Industrie, und irgendwie hatte man das Gefühl, Frau Taylor war tatsächlich für immer da und würde für immer da bleiben, ein unsinkbares Relikt aus jenen Zeiten, da Alkoholismus Bestandteil des Showgeschäfts war und Zigaretten als Nahrungsmittel galten. Zeiten, als Claudette Colbert (okay, noch mal knapp 30 Jahre älter als Frau Taylor, aber vergessen wir nicht: Elizabeth begann ihre Karriere eben mit 12, weshalb Dominick Dunne sie mit dem Satz zitiert «I can almost not remember when I wasn’t famous») … Wo war ich? Genau: Zeiten also, da Claudette Colbert dafür bekannt war, nur ihre linke Gesichtshälfte in Profilaufnahmen zu zeigen, egal wie aufwendig sich dafür die Umbauten am Set gestalteten – und keine Nahaufnahmen am Nachmittag, wäre ja noch schöner.

Der Schriftsteller und Gesellschaftschronist Dominick Dunne kannte Elizabeth Taylor noch aus seinem ersten Leben als Produzent in Hollywood, er drehte mit ihr den Film «Ash Wednesday», 1973, der zum katastrophalen Flop wurde. (Frau Taylor hat in mehr Flops mitgewirkt, als uns heute noch bewusst ist, und übrigens auch in etlichen ziemlich schlechten Filmen; doch das alles kratzt nicht an ihr.) Der Flop beendete quasi Dunnes erste Karriere, aber nicht seine Freundschaft mit Elizabeth Taylor. Über die er schrieb: «Her beauty was even more breathtaking in person than on the screen. It was not uncustomary for people to gasp a little when they first saw her, and I did just that. I didn’t want to stop staring at her.»

Und 2007 also sass Frau Taylor bei Larry King, gelbblond und ein bisschen aus der Form, etwas verzögert in ihren Antworten und leicht fahrig in ihren Bewegungen. Aber die Kraft eines Stars ging von ihr aus. Vor ihr auf dem Tisch lag ihr Schosshund, Sugar, und sah aus wie ein Mopp. (Wahrscheinlich war Sugar nicht stubenrein, wie alle ihre Schosshunde, deren Hinterlassenschaften Richard Burton jeweils mit einem Kleenex auflesen musste.) Das Tier rührte sich bloss einmal, als Frauchen den Krupp-Diamanten in die Kamera hielt, ihr liebstes Stück, fluchfrei, nur voller Liebe, sagte Elizabeth. Und wer wüsste mehr über die Liebe als sie? Deshalb: Hooray für Elizabeth Taylor. Sie wird für immer bei uns bleiben.

Bild oben: Elizabeth Taylor in «Ash Wednesday», 1973. Foto: PD

3 Kommentare zu «Königin Elizabeth»

  • Anh Toan sagt:

    In Ihrem letzten Beitrag unter Tinglers Fünf haben Sie darauf hingewiesen, dass im Märchen die Guten hübsch sind. Die Hexen sind im Märchen hässlich, aber da liegt der Denkfehler im Märchen, denn die Hexen sind mit dem Teufel verbunden, können fliegen und verwünschen, dann können sie bestimmt auch blendend und atemberaubend schön sein. Elizabeth Taylor ist oder war die Stiefmutter von Kate Burton, Richards Tochter aus der ersten Ehe. „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ ist der einzige Film mit der Taylor, der in meiner Erinnerung blieb – ich bin sicher, sie ist eine Hexe.

  • ducktale sagt:

    Frau Taylor war die geborene Diva – in den 1960er Jahren schwer angesagt. Nach heutigen Massstäben wäre sie fett und männermordend. Glaube kaum, dass sich heute jemand unter 40 Jahren für deren Lebensleistung interessiert oder sie auch nur kennt. Mit einer Garbo, Kelly oder Hepburn hatte sie nie etwas gemein, weder äusserlich noch mit dem, was sie auf dem Kasten hatte.

  • Spörri Urs sagt:

    Elizabeth Taylor wurde leider zu oft an ihrem Privatleben gemessen. Sie war eine grossartige Schauspielerin und ihrer Zeit weit voraus. Sie war in den Sechzigerjahren die Diva par excellence, mit Doris Day ein sicherer Kassenmagnet. Sie nahm nicht nur Rollen in kommerziellen Hollywood-Filmen an, sondern wirkte auch in anspruchsvollen Produktionen mit, die nicht auf die grosse Kasse ausgerichtete waren. Erfolgreich spielte sie auch in New York Theater, mit und ohne Burton. Nicht nur für den Film, sondern auch in humanitärer Hinsicht (z.B. Aids-Hilfe) hat sie Grossartiges geleistet. Hut ab.

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