Vorschnell verschrien


Erinnern Sie sich noch, meine Damen und Herren, wie wir an dieser Stelle eine kleine Parade der meistverniedlichten Erscheinungen behandelt haben? Heute nun widmen wir uns dem gegenteiligen Phänomen: Erscheinungen, die gerne vorschnell auf übelste Art beleu- und gar belügenmundet werden, oft ohne Proportion und Verhältnis zu wahren. Es folgen fünf der meistverteufelten Erscheinungen der Gegenwart. Denn es wird Zeit, die Sachen mal ein bisschen zurechtzurücken. Los geht’s:

  1. Bernie Madoff

    Bernie Madoff hat reichen Leuten, die sich darum gerissen haben, bei ihm Kunden zu werden, traumhafte Renditen versprochen – und bezahlt. Mit dem Geld von anderen reichen Leuten. Das gab 150 Jahre Gefängnis. Und was kriegt man so für Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit? 80 Jahre, zum Beispiel. Die bekam im Mai 2013 Guatemalas früherer Militärmachthaber Efraín Ríos Montt. Die Sache wird zurzeit neu verhandelt. Wir warten.

  2. Der Weisse Hai

    Nilpferde töten weitaus mehr Menschen als Haie. Was, das wussten Sie schon? Aber wussten Sie auch, dass sogar herunterfallende Kokosnüsse weitaus mehr Menschen töten als Haie? Eben.

  3. Der Kapitalismus

    Sogar Thomas Piketty sagt, dass er vom Kapitalismus zutiefst überzeugt sei, weil dieser erstens per se innovationsfähig ist und zweitens die individuelle Freiheit garantiert.

  4. Basel

    Halt. Nein. Eigentlich nicht.

  5. Luzifer

    Dauerbrenner. Aber: Luzifer als gefallener Engel bleibt ein Geschöpf Gottes, auch wenn er dessen wichtigster Gegenspieler ist.

11 Kommentare zu «Vorschnell verschrien»

  • Anh Toan sagt:

    Damara Bertges (European Kings Club) hat von Kleinanleger geklaut, dafür gab es nur acht Jahre. Bernie Madoff hat von den Reichen geklaut, soviel Dummheit muss bestraft werden!

  • Jacques sagt:

    1. Bernie Madoff – Kenne ich nicht – mein Kapital wäre zu bescheiden.
    2. Den weissen Hai – Nur vom Film – Mackie Messer erscheint mir gefährlicher.
    3. Kapitalismus – Es ist immer auch schön -gehabt zu haben. (Brecht: nur wer‘ -lebt angenehm (2).
    4. Basel. Doch! – Dort lehrte einmal Friedrich Nietzsche; doch er wurde leider krank.
    5. Luzifer – Ist auch schon tot. Siehe Nr. 4.
    Aber es freut mich sehr – einmal alles so rational – hinter mich gebracht zu haben. D.h. jede Regel kennt auch Ausnahmen …

    • Henry sagt:

      Das schwarze Käsperlin ist nicht tot. Ich begegne Samael jeden Tag. Nein, hier auf Erden……

    • Jacques sagt:

      Oh Henry, oh Henry – ich begegne fast täglich vielen Kasperl’n – Aber die meisten sind nicht schwarz, sondern eher ziemlich bunt …

    • Jacques sagt:

      Aber eines kann ich Ihnen versichern, Sir Henry. Kreuzberger Nächt sind lang, die Mädchen im Tempelhof immer noch freundlich/ einladend – und danach – vielleicht bei diesen Kasperln in Neukölle. Mit franz. Akzent – tant mieux – ist dann wie Berlin/Paris 1920-er – Cha-cha-cha 😉

    • Viktoria sagt:

      Basel: Was haben wir Zürcher eigentlich gegen Basel? Ausser vielleicht dem Dialekt, aber unserer ist auch nicht viel besser. Jedenfalls sind die meisten Schnurri, die ich kenne Zürcher. Hut ab vor Basel: Sie war die erste Universitätsstadt in der Schweiz, Paracelsus war in Basel, ein Vordenker und Wegbereiter unserer heutigen Medizin, also in meinen Augen jetzt mal wichtiger als Nietzsche. Ebenso ist Basel unbestritten die Kulturhauptstadt der Schweiz. Und dann die Fasnacht und die Schnitzelbänke, da ist unsere Fasnacht ja nur peinlich.

    • Henry sagt:

      @ Jacques. Verstehen ich Sie denn richtig ? Sie meinen, nach dem Genuss der Damen im Tempelhof besucht uns dann auch irgendwann einmal Samael und will uns wertvolle Zeit, schöpferische Zeit verkaufen ?

  • Alex Zatelli sagt:

    Madoffs Handeln war geeignet, das Vertrauen in die Märkte zu untergraben. Efraín Ríos Montt tat (wie auf Wiki nachzulesen) genau das Gegenteil. Der Mann wir noch vollständig rehabilitert werden.

  • Philipp Rittermann sagt:

    6) fifty shades of sado-maso für jede/n blödfrau/mann…zeitgeist.

    • Henry sagt:

      Aber aber, mein lieber Herr Rittermann. Schauen Sie sich doch um. Das ist im zeitgenössischen Kontext Youporn für kulturell Interessierte…….

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