Für immer 25

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Heute unternehmen wir mal einen Ausflug in die Welt der sogenannten Trendforscher, meine Damen und Herren. Die haben, wie jedes Milieu, ihre eigene Sprache, um sogenannte Megatrends zu bezeichnen, worunter wiederum die umfassenden, langfristigen, weitgehend irreversiblen Transformationsprozesse von Gesellschaften zu verstehen sind; solche, die Zivilisationsformen, Technologie, Ökonomie, Wertesysteme verändern und durchdringen, über einen Zeitraum von Jahrzehnten. Einschlägige Institute prognostizieren und identifizieren eine Vielzahl solcher Trends für das vor uns liegende Jahrhundert, neben der bereits bekannten Globalisierung und Digitalisierung zum Beispiel den sogenannten «Female Shift», d.h. den weitergehenden gesellschaftlichen Aufstieg der Frau und die zunehmende weibliche Besetzung von sozialen Schlüsselpositionen. Sowie daneben und natürlich auch damit verbunden überhaupt die grundlegende Veränderung von Arbeitsstrukturen unter dem Stichwort «New Work».

Und dann wäre da noch: «Down Aging». Mit «Down Aging» ist eine Verjüngung des Sozialverhaltens bei gleichzeitiger Hebung des Durchschnittsalters in der westlichen Welt gemeint. Das heisst: Während sich die statistische Lebensspanne ausdehnt, hat der spätmoderne Mensch in beinahe jedem Lebensalter das Gefühl, jünger zu sein, als er ist. Das hat Konsequenzen für Selbstbilder, Rollenerwartungen und Generationsverhalten. Die heute über 50-Jährigen präsentieren sich gebildeter, gesünder, aktiver und konsumfreudiger als je zuvor – und zwar vor einem Hintergrund von zunehmender Mobilität und Diversität der Biografien und Lebensstile in beinahe sämtlichen Kohorten und Kategorien des Sozialen. 60-Jährige gehen zum Gleitschirmfliegen, 40-Jährige werden zum ersten Mal Eltern, und Teenager gründen in der grossen Pause nebenbei Internet-Start-ups. Wobei dies letztere Beispiel schon zeigt, dass wir «Down Aging» eigentlich relativieren müssen. Während sich nämlich heute viele 40-Jährige wie 25 fühlen und aufführen – tun nicht wenige 15-Jährige das ebenfalls.

Es handelt sich also eher um eine begrenzte Plafonierung als um eine proportionale Verschiebung des gefühlten Eigenalters, eine Plafonierung, die ich als das 25-Jahre-Plateau bezeichnen möchte und grafisch für Sie dargestellt habe: siehe oben. Die kleine improvisierte Grafik zeigt, wie man sich bis zur Grenze von ungefähr 15 Jahren so ungefähr seinem Alter entsprechend fühlt; darauf gibt es einen Sprung auf gefühlte 25, und so fühlt man sich dann bis etwa 45. Anschliessend fühlt man sich dann immer rund 10 Jahre jünger, als man ist, bis man ungefähr 70 erreicht hat. Älter als 60 fühlt sich eigentlich niemand. Höchstens ich, wenn ich Richie frage: «Near Field Communication? Was ist denn das nun schon wieder?»

Ein Hoch auf das 25-Jahre-Plateau. (Flickr/Ana C.)

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