«Raucher oder Nichtraucher?»

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So am Anfang eines neuen Jahres wird einem klar, meine Damen und Herren, wie sehr sich alles beschleunigt (auch wenn einige Leute immer noch im Mittelalter leben). Nicht nur die Umschlagsrate von Produkten und popkulturellen Artefakten hat exponentiell zugenommen, auch Moden, Sitten und Gebräuche ändern sich immer rasanter. Die Technologie galoppiert, und mit ihr die Obsoleszenz: Was früher die Osbournes waren, sind heute die Kardashians (nur schlimmer), was früher Klappnatels waren, sind heute Smartphones (nur grösser), und was ein Modem war, weiss heute kein Mensch mehr. Der Soziologe Hartmut Rosa, spätmoderner Pate der Beschleunigungstheorie, erklärt das wie folgt: Das Tempo kann gesteigert werden, wenn der Konsument von einem Produkt immer wieder enttäuscht wird, aber nicht vom Prinzip – so dass man fröhlich weiterkauft. Wie bitte? Sie finden, das klingt jetzt ein bisschen übertrieben? Okay. Es folgen fünf Sätze, von denen Sie mindestens einen vor zehn Jahren gesagt haben werden, und die heute keinen Sinn mehr machen:

 

  1. «Bist du auf Myspace?»

  2. «Hast du das neueste Blackberry schon gesehen?»

  3. «Raucher oder Nichtraucher?»

  4. «Man trägt jetzt zwei pastellfarbene Polohemden übereinander. Natürlich mit doppelt aufgestelltem Kragen.»

  5. «Um welche Zeit macht die Silberkugel zu?»

Bild oben: Heute ist jeder Wagen ein Nichtraucherwagen. Foto: Georgie Pauwels (Flickr)

14 Kommentare zu ««Raucher oder Nichtraucher?»»

  • James Meier sagt:

    Ja, heute gibt es keine Raucher mehr.

    • Hofstetter Christian sagt:

      Sie irren, ich ziehe genüsslich an einer Zigarette. Wider die Gesundheit und wider dem Mainstream. Der Rauch hat ein Vorteil: Er stinkt offensichtlich. Im Gegensatz zu den herausragenden Köpfen, die so tun, als wären sie rauchfrei.

    • Philipp Rittermann sagt:

      dochdoch, herr meier. sie fallen jedoch, als interessantere menschen, weniger auf im heutigen main-stream der „versicherungswütigen gesundheitsapostel mit hang zum ewigen leben…“.

    • Henry sagt:

      Ich glaube es war Hans Castorp am Anfang des Zauberbergs, der sagte, daß er es nicht verstehe, wie jemand nicht rauchen könne. Nun war Thomas Mann selbst starker Raucher und erlag wohl auch diesem Genusse, wenn auch in recht hohem Alter. Was mich an den ganzen zeitgenössischen Vorsorgeverboten stört ist der religiöse Eifer, mit der Raucher unisono zur persona non grata erklärt werden. Ich finde es selbst als Nichtraucher beschämend, wie jede gesellige Runde durch Zwangsrauchpausen gesprengt wird. Aber die Funktionskleidungs- und Fahrradhelmchenträger lechzen ja nach jedem neuen Verbot.

    • Evita sagt:

      Holy crap. Bei der Frage geht es doch offensichtlich um das Reisen in einem Zugwagon und nicht um ne Grundsatzdiskussion ob es jetzt noch Raucher gibt oder nicht. Guckt euch doch das Bild an 😉

  • micha sagt:

    Die Beschleunigung findet ebenfalls beim Austausch von ganz gebräuchlichen Worten statt.
    Der eine Power napd – früher machte man einfach ein Nickerchen.
    Momentan sind fast alle in einer Okay-Phase, egal ob im Business (auf-in der Arbeit) oder im privaten Bereich.
    Früher sagte man, ist in Ordnung, jawohl, ja, sehe ich auch so, stimmt, du hast recht…und vieles mehr. (zählen sie mal ihren Okay-Gebrauch und den ihrer Gesprächspartner)
    Die Option hat die Möglichkeiten verdrängt.
    Und so liessen sich munter weitere Beispiele finden.

  • Henry sagt:

    Heute beim Kinderarzt:Die Versichertenkarte lässt sich nicht „einlesen“. Im Sprechzimmer kann der Arzt die Blutwerte der letzten Untersuchung
    auf dem Bildschirm „nicht öffnen“. Für die weitere Untersuchung benötigt man das Gewicht meines Filius, nach langem Probieren bringt man die elektrische Digitalwaage dann doch noch in Gang. Anschließend „frisst“der Drucker“ 3 Alongen fürs Impfbuch und 2 Rezepte, bis jeweils das gewünschte Stück vorliegt. Zwischenzeitlich untersucht der, seinem berufl. Amen nahe, Kinderarzt die Kabel seiner elektronischen Gerätschaften gründlicher als den Patienten selbst

    • Henry sagt:

      Was ich sagen will ist dies : Wir brauchen keine weitere „Beschleunigung“ sondern in diesem Falle zur Erleichterung aller : 1 mechanische Peronenwaage, eine linierte Karteikarte pro Patient, eine leserliche Handschrift (was unter Medizinern allerdings eher selten anzutreffen ist) und beim Besuchsantritt anstelle der ruppigen Nachfrage nach der Versichertenkarte die einigermaßen grazile Begrüßung der langjährigen Sprechstundenhilfe.

    • Monica sagt:

      Super Text. Musste schmunzeln

  • Urs Kym sagt:

    Sparkonto oder Obligationen ?

  • The it sagt:

    Rauchen ist Gewohnheit, sucht, absolut schädlich, bösartig verwerflich, ein slowmotion Killer, doch für uns destruktive Kreaturen Most unerlässlich.

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